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Freie Formen des Kumite

20.11.2015 - 22.11.2015

Leitung: Sensei Christian Lind & Matthias Degen


Als ich am Freitagabend gegen 23:30 Uhr die Tür zum Budokan öffne, verspüre ich wieder Neugier, Freude und Anspannung zugleich. Neugier und Anspannung beziehen sich dabei auf das Unbekannte und Neue, was ich bezogen auf den BSK allgemein und die Kampfkunst speziell wieder erleben werde. Freude empfinde ich wegen des bevorstehenden Wiedersehens liebgewonnener Menschen. Bestätigung bekomme ich schon, als gleich nach dem Eintreten Milan (ein Dojoleiter aus Bratislava) und ich uns kräftig und freundschaftlich umarmen.


Bezogen auf das Seminarthema will ich meine Aufmerksamkeit auf das Verhalten beim Freien Jiyu Kumite richten. Was gibt es für Strategien, Taktiken sowohl für den Angriff wie auch für die Verteidigung und den Gegenangriff? Welche Alternativen und Möglichkeiten werde ich kennenlernen, um bewusst zu agieren und nicht nur reagieren zu können?


Sensei Christian Lind stellt den Vergleich zum Schachspiel auf und erläutert die vielen Parallelen. Ich muss mir einen Anfang überlegen, vorausschauend agieren, mich auf meinen Partner einstellen, ihn verwirren oder in Sicherheit wiegen, seine Pläne oder Strategie stören, mit Finten arbeiten, ihn –zum Angriff- verführen u.v.m. Zu jeder Thematik gibt er uns „Werkzeuge“ an die Hand, mit denen wir das entsprechende Verhalten trainieren. Beim Auseinandersetzen mit den verschiedenen Kombinationen merke ich, wie viele Verhaltensweisen bereits im Kihon Ippon Kumite sowie im Jiyu Ippon Kumite geübt werden. Nur dass bei der Freien Form weniger Zeit zur Verfügung steht bzw. der Kampf weiter geht, so z.B. beim Einnehmen der richtigen Position (Abstand, Winkel, Denkung) zum Partner. Ich erlebe wieder, dass nur mit dem richtig angepassten ashi sabaki und tai sabaki eine wirkungsvolle Karatetechnik sowie der optimale Wechsel zwischen den unterschiedlichen Distanzen möglich ist.


Was selbstverständlich immer mittrainiert wird, ist die Selbstschau, das Betrachten der inneren Einstellung. Bin ich entschlossen genug, aber doch verantwortungsvoll mit meinen Techniken? Bin ich immer konzentriert?

Und genau diese Komplexität und Gesamtheit ist es, die mich auch jetzt wieder begeistert.


Der Abend ist wie gewohnt durch verschiedene interessante Themen geprägt. So stellt Sensei C.Lind die Frage, ob es notwendig ist, das Karate auf der „Straße“ auszuprobieren. Aber welche Erwartungen habe ich an das Experiment und welche Schlussfolgerungen ziehe ich aus dem (positiven oder negativen) Ausgang des Kampfes? Sensei Lind machte deutlich, dass es einerseits ethisch nicht richtig wäre, eine Schlägerei zu beginnen. Andererseits gibt uns der Ausgang des Kampfes keine Erkenntnis über unsere Kampfkunst, sondern nur über uns selbst. Was wiederum bedeutet, beim Training des Freien Jiyu Kumite die innere Haltung an einen realen Kampf anzupassen.


Herzlichen Dank an Sensei C. Lind und an Sensei M. Degen für die erlebnisreichen Tage und die vielen wichtigen Hinweise u.a. auch zur Bildung und zum Erhalt einer Budogemeinschaft. Viel Stoff, über den ich nicht nur auf meiner sechsstündigen Heimfahrt nachdachte.


Dirk Dommach Zen Karate Cottbus


Finten, Täuschen, Verführen


Zum zweiten Mal hatten wir die Gelegenheit den Budokan Bensheim zu besuchen. Ein weiteres Mal die Gelegenheit sich der Herausforderung, eines Trainings in einem anderen Dojo, als dem Heimischen, zu stellen. Aber auch eine Gelegenheit unbekannte Gesichter kennen zu lernen, bekannte Gesichter zu begrüßen und neue Erfahrungen in einem anderen Dojo zu sammeln. Das Seminar mit dem Thema Freie Formen des Kumite hatte es in sich. Dabei hätte das Seminar durchaus den oben genannten Titel tragen können.


Es sei angemerkt, dass das geflügelt Wort „im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt“ durchaus seine Berechtigung hat. Ersetzen wir das Wort „Krieg“ durch „Kampf“ kommt es dem oberflächlichen Inhalt des Seminars sehr nahe. In mehreren Trainingseinheiten lernten wir die Begriffe Finten, Täuschen und Verführen neu kennen und durften annähernd erfahren, was dies im Kontext der freien Form des Kumite bedeutet. Annähernd deswegen, weil es sich um Übungen handelte und nicht um einen Ernstfall. So forderten Finten den aufrecht zu erhaltenen Kampfeswillen heraus, wohl wissend, dass eine angefangene Technik abgebrochen werden würde.


Genauso fordernd, war es den Partner zum Ausführen einer Technik zu verführen. Galt es doch dem schmalen Grat zwischen offensichtlichem Anlocken und einem zu kurzem Zeitfenster passend einzuschätzen und dabei ein freundliche, ja einladendes Gesicht zu wahren. Besonders gut gefallen hat mir der kontinuierliche Wechsel der Übungspartner, bei denen man sich, ähnlichem dem Wechsel eines/r Tanzpartners/in, immer wieder auf eine neue Situation einzustellen hatte.


Eine angenehme Abwechslung war die gemütliche Runde zum Abendessen, bei denen Seminar bezogenen Themen zum Gegenstand der Diskussion wurde. Das Gespräch brachte neue Aspekte und Perspektiven hervor, über die es sich nachzudenken lohnt. Insgesamt stellte mich das Seminar vor eine Herausforderung, von der ich froh bin sie angenommen zu haben. Sind es doch genau diese, mit denen wir wachsen.


Christian Effner

Kampfkunstzentrum Weil am Rhein

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