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Kukishin ryu bojutsu - Shoden gata

15.06.2019 - 16.06.2019

Leitung: Rainer Fink


An einem etwas wetterwechselfreudigen Wochenende fand das Kukishin ryu bojutsu Seminar unter der Leitung von Rainer Fink statt. Da der Hanbo meine ausgesprochen favorisierte Waffe ist, hat mich der Inhalt dieses Seminars direkt angesprochen. Das Handling des Bos in diesem Stil ähnelt stark dem Umgang mit dem Hanbo, was mir bei einzelnen Techniken durchaus zugute kam. Rainer hat uns gleich zum Start darauf hingewiesen, wie wichtig es ist die komplette Länge des Bos auszunutzen, um Waffen wie Schwerter auf Distanz zu halten und dem Gegner dementsprechend schlechtere Angriffsmöglichkeiten zu bieten. Das wurde vor allem an den Händen deutlich. Die Shoden gata des Kukishin bo-Stils beschäftigt sich vor allem mit Formen Bo gegen Schwert. Der Schwertkämpfer wird oftmals die Hände attackieren sobald sich ihm die Möglichkeit bietet. Das Gleiten über den Bo und die Hände möglichst weit am Ende des Bos positionieren war oftmals nicht so leicht. Ich kann zwar intuitiv die Länge des Hanbos einschätzen (ca. 90 cm), der bo ist jedoch doppelt so lang (ca. 1,80 m). Somit hatte ich bei der Ausführung der einzelnen Techniken oftmals Probleme, die Hände mit einem Satz korrekt an einem Ende des Bos zu positionieren, außerhalb der Angriffsdistanz des Partners. Entweder waren meine Hände zu weit vorne oder ich schoß über das Ziel hinaus und hatte den Bo plötzlich nur in einer Hand. Übung macht den Meister :).



Am Samstagnachmittag bot es sich dank des sonnigen Wetters an auch draußen zu trainieren. Neben dem Erlernen der 9 Formen der Shoden gata gab Rainer uns auch immer wieder neue Aufgaben mit Dingen auf die wir achten sollten. Im nächsten Schritt zeigte er uns, wie wichtig es ist die Techniken im Fluss nacheinander zu kombinieren. Dies ermöglicht es, den Schwertkämpfer mit möglichst vielen Angriffen zu beschäftigen und ihm selbst kaum Angriffsmöglichkeiten zu bieten. Gesagt, getan, das Umsetzen erwies sich als leicht schwierig und dem Partner war es nun auch erlaubt zu kontern, falls wir zu Nahe kamen und die Distanz nicht beachteten. Da machte man gerne mal den ein oder anderen größeren Satz nach hinten wenn das Schwert plötzlich vor kam. Die Aufmerksamkeit und Konzentration wurde mit allen Mitteln gefordert, doch gerade das machte es für mich persönlich so spannend.



Am Sonntag gingen wir dann noch einen Schritt weiter und fingen an mehrere der neu erlernten Formen miteinander zu kombinieren. Wenn man mal wieder den Anfang nach dem Ende einer Form nicht mehr wusste, bot Rainer durch persönliche Anleitung nochmals eine Hilfestellung und löste aufkommende Verwirrung schnell auf. Die Übung mit verschiedenen Partnern gab uns die Möglichkeit, die Techniken in vielen unterschiedlichen Situationen zu üben. Unterschiedliche Körpergrößen allein machten viel beim korrekten Distanzverhalten aus. Die Übungen gingen auch nach einiger Zeit leichter von der Hand und man hatte sich mit seinem Partner "eingespielt". Doch genau darin lag nun auch das Problem. Eingespielt in diesem Sinne bedeutet, der Partner/Gegner kann die Rhythmik mit der die Bo-Techniken ausgeführt werden, vorhersagen und dementsprechend mit dem Schwert leicht Gegenmaßnahmen ergreifen.



Somit war es nun unsere Aufgabe nicht nur auf den Fluss der Techniken zu achten, sondern auch die Rhythmik der Angriffe zu verändern und immer wieder mit den Distanzen zu spielen. Dies war gleichermaßen für den Bo-Kämpfer wie auch dem Schwertkämpfer fordernd. Ich habe schnell gemerkt wie damit die Übung auf ein anderes Niveau gehoben wurde. Vor allem musste ich darauf achten, nicht unnötig in Hektik zu verfallen und unter zu viel Spannung zu stehen. Das verlangsamte meine Bewegungen und die Techniken wurden unsauber. Auch bei freieren Übungen ruhig zu bleiben und die Aufmerksamkeit nach mehreren Stunden Training aufrechtzuerhalten ist manchmal gar nicht so leicht. Aber gerade darin bestand die eigentliche Übung. Und dieser Herausforderung nahmen wir uns alle gerne an.



Am Ende wurden die Übungen dann noch ein wenig freier, der Bo-Kämpfer konnte aus einem gewissen Repertoire an Techniken frei auswählen. Rainer wies nochmal darauf hin, dass wir nicht versuchen sollten die Form allein auswendig zu lernen, sondern frei auf Angriffe reagieren zu können. Zugegebenermaßen war es mit meiner Konzentration für auswendig erlernte Formen dann nach fast 3 Stunden Training auch vorbei und ich war gezwungen frei auf das zu reagieren was mein Partner an Techniken auf mich nieder rieseln lies. Dies bot mir dann eine Art der Übung mit der ich mich selten selbst konfrontiere und welche eigentlich so ungeheuer wichtig ist. Wie sonst soll man je lernen im freien Kampf zu bestehen?



Das Seminar hat mir sehr viel Spaß gemacht und war in vielerlei Hinsicht eine ungeheure Bereicherung für mein persönliches Training. Der Umgang mit Bo und Schwert, Intuition, Aufmerksamkeit, Erkennen einer Situation und vieles mehr wurde uns weiter nahegebracht. Ich danke Rainer Fink und Sensei Peter Schömbs für das schöne Seminar und freue mich auf die weitere Übung dieses Bo-Stils.


Jacqueline Auen Budokan Bensheim



„Das Herz also darf nicht an irgendeinen Körperteil überlassen werden, es muss mit voller Kraft in allen Körperteilen sich auswirken. Der Gedanke an ein bestimmtes Tun lenkt das Herz auf eine Seite, und die anderen Seiten kommen zu kurz“.

鈴木 大拙 貞太郎 Daisetz Teitaro Suzuki Zen und die Kunst, aus Takuans Brief über die Schwertkunst


Letztes Jahr war geprägt von den ersten Grundlagen, dieses Jahr gab es ein Paket an Formen, die Shoden gata sowie eine Henka, zur weiteren Vertiefung. Dieser Stil unterscheidet sich sehr von dem, was ich üblicherweise trainiere.

Die Übung mit und gegen das Schwert ist faszinierend und inspirierend. Verständlicherweise ist die lange Distanz der Vorteil des Bo gegenüber dem Schwert und so übten wir in der Shoden gata die schwungvollen Techniken, die zum großen Teil schwer vorherzusehen sind.



Mit Schwierigkeiten, das für mich noch ungewohnte Sabaki mit den Techniken zu kombinieren, fand ich großen Gefallen daran zu probieren und zu studieren. Die geduldigen Erklärungen von Rainer und meinen Übungspartnern gaben mir die Möglichkeit, zumindest einen kleinen Einblick in die Wirkungsart und Anwendung der Techniken und die damit einhergehende Taktik zu bekommen.

Gern würde ich meine Kenntnisse in diesem Bo-Stil erweitern, um die Wirkungsweise und das Sabaki mit dem Umgang des Bo besser über die langen Distanzen verbinden zu können.

Marion Vesztergom Budokan Bensheim

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