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08.06.2018 – 10.06.2018

Kanku Dai soll die Lieblingskata von Funakoshi Gichin gewesen sein, die er oft an Vorführungen zeigte. Yabu Kentsu empfahl statt dem Studium der Heian kata die Kanku. Außerdem wird sie zu den „stilbildenden“ kata für das Shotokan ryu gezählt, da sie alle wesentlichen Elemente des Stils vereinigt. Somit hat die Kata für alle, die einen shotokanassoziierten Stil ausüben eine besondere Bedeutung. Wie die meisten Kata, die im Shotokan gelehrt werden, hat sie in der Ära Itosu Ankos eine Transformation durchlaufen, über die schon viel diskutiert wurde. Herausgekommen ist eine deutlich stilisiertere Form im Vergleich zu den Versionen die über Chatan Yara verbreitet wurden. Für einige Bewegungen ist eine kämpferische Anwendung zunächst nur schwer vorstellbar. Die Anfangssequenz, die der Kata ihren japanischen Namen gab, erfährt oft eine philosophische Interpretation, über die sich wiederum andere Karatelehrer belustigt äußern.Was kann ich also von dieser Kata erwarten?

An diesem Wochenende sollte zunächst der Ablauf der Kata, wie sie im Shotokan Kempo Karate geübt wird, wiederholt werden. Da die Kata den meisten Teilnehmern bekannt war, konnte Sensei Christian Lind gut auf all die technischen Feinheiten eingehen.

In der Hauptsache war allerdings die Anwendung der Kata mit Partner vorgesehen. Wie schon für die Kata Bassai dai und Tekki haben sich die BSK-Lehrer auf eine Zusammenstellung von Anwendungen festgelegt. im Fall der Kanku dai sind es 13 Sequenzen. Sie dienen dem Schüler als Anhaltspunkt für die Prüfung

und dem Fortgeschrittenen als Ausgang für Variationen und Ergänzungen.

Zwei Dinge fand ich bemerkenswert an den gewählten Sequenzen. Man arbeitet in allen Distanzen, es gibt verschiedene taktische Manöver, es werden unterschiedliche Sabaki Formen und Kontertechniken eingesetzt. Wie oben schon erwähnt, finden wir daher auch in der Anwendung mit Partner alle wesentlichen Elemente des Stils in dieser Kata zusammen gefasst.

Während wir in den Goshin Formen der Heian kata eher „steril“ grundlegende Techniken oder Prinzipien erarbeiten, sind die Anwendungen im Oyo der Kanku dai realitätsbezogener. Man kann z.B. festlegen, welcher Fuß vorne steht, damit die Anwendung „funktioniert“. Man kann es aber auch lassen und sich in der Situation den Gegebenheiten anpassen. Dadurch lässt sich der Druck auf den Partner erhöhen. Wir können die Intensität der Übung von einem kooperativen Partner zu einem zerstörerisch agierenden Partner steigern und das defensive Verhalten entsprechend steuern.

In Gesprächen ging Christian Lind auf die Frage ein, wie schwer es ist, aus der Shotokan Kanku dai die passenden Anwendungen abzuleiten. Unter Zuhilfenahme der Kanku sho und älterer Kanku Varianten findet man aber den Zugang. Und wie in der Anfangs- und Endbewegung der Kanku dai schließt sich für mich der Kreis für diese Kata. Auch wenn unsere Shotokan Version sehr stilisiert erscheint, entdecke ich die Bewegungsprinzipien aus den Anwendungen wieder. Dies löst unweigerlich ein stärkeres Gefühl von Lebendigkeit beim üben der Kata aus. Ich empfinde nach diesem Seminar für mich eine tiefere Beziehung zu dieser Form und neue Freude beim üben. Für dieses intensive Erlebnis und seine Anleitung danke ich Sensei Christian Lind von Herzen.

Erik Warken
Kampfkunst Zentrum Weil am Rhein e.V.

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