Start Seminarberichte Grundlagen und Theorie aus Philosophie und Chinesischer Medizin – Teil 1

Grundlagen und Theorie aus Philosophie und Chinesischer Medizin – Teil 1

von Jacqueline Auen

28. September - 29. September 2019

Wo die Aufmerksamkeit hingeht, geht auch das Qi hin – ein praktisches Seminar zum Verstehen der Theorie des Qigong

Nach daoistischer Auffassung durchdringt und begleitet Qi alles, was existiert und geschieht. Qi ist die Dynamik des Lebens, Bewegung, Schwingung, Veränderung… Es ist alles was wir sind und was uns umgibt.

Yin und Yang sind in diesem Bild Ausdruck der Dualität der Veränderung … ohne oben kein unten, ohne vorn kein hinten, ohne Bewegung keine Stille usw. Eine grundlegende Betrachtung im Daoismus ist die Stellung des Menschen zwischen den wechselnden Energieströmen, den sogenannten Drachenadern, vom Himmel zur Erde und umgekehrt. In diesen „mächtigen“ Strömen des Qi bleibt es unausweichlich, dass sich das Qi im menschlichen Körper auch ohne unser Zutun bewegt.

Mit einfachen Übungen wie z.B. wechselnden Handhaltungen zum Himmel bzw. zur Erde probierten wir aus, diesen Strömen nachzuspüren. Wenn man schon eine gute Grundhaltung hat und sich gut durchlässig machen kann, bestätigen sich durch das Spüren die Kreisläufe des Qi. Ganz schnell in Schwierigkeiten kommt man, wenn man anfängt das Spüren (intuitive Kraft) emotional zu bewerten. Emotionale Denkkreise sind das größte Hindernis beim Spüren des Qi und beim Arbeiten mit dem Qi. Daher ist die Übung, der Weg vom Erlernen der Technik, über das Verschmelzen der Technik mit dem Körper ein probates Hilfsmittel, um die Energieflüsse zu erfahren.

Innerhalb und um den menschlichen Körper verteilt sich das Qi. Z.B. hat jeder von uns einen Qi-Mantel. Man könnte auch Aura dazu sagen. Mit Hilfe des Spürens haben wir partnerweise unsere Qi-Mäntel erfühlt. Dass sich bei den Menschen dabei so große Unterschiede zeigen, fand ich sehr spannend.

Die Aussage: Qigong ist zu 90 % eine Übung des Geistes, zeigt mir einmal mehr, welche Wegstrecke die Körperarbeit im Vergleich zur Geistarbeit einnimmt. Zur Übung des Geistes richtet sich die Aufmerksamkeit nach Innen – ohne Wenn und Aber – so die Theorie. Unser Geist jedoch ist ein Meister der Ablenkung. Die Sinne beeinflussen uns, Gedanken kommen auf, Emotionen werfen Bilder... all diese Ablenkungen binden unsere Aufmerksamkeit. Und wo die Aufmerksamkeit hingeht, dahin geht auch das Qi. Wie schnell zerstreut es sich und alles ist nur Einbildung…Daher ist das Üben mit Disziplin und wieder und wieder die einzige Möglichkeit die Aufmerksamkeit zu trainieren.

Mit einer relativ kurzen, stillen Übung von nur etwa 45 min in der Gruppe hatte ich Gelegenheit meine Aufmerksamkeit zu beobachten. Und ja, der Affengeist ist unermüdlich und ja, manchmal spürt man etwas…Mit der Zeit wird die Theorie eben doch zur Praxis.

Vielen Dank an Gabi für die anschaulichen Erläuterungen, die „feinen“ Übungen und neuen Anregungen fürs Üben.

Irina Felber
Furyukan Königsbrück

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