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Dehnung Teil I – Biegsam wie Bambus

von Gabi Fischer-Lind

Sei wie Bambus.
Beuge und biege dich anmutig,
und du wirst niemals brechen.
(japanische Weisheit)

Schleichend beginnt das Alter. Nicht etwa mit kleinen Falten oder einem grauen Haar, sondern – so die Theorie aus der Chinesischen Medizin – mit steifen der Sehnen und Bänder (im Chinesischen unter dem Begriff „Jin“ als bindegewebige Strukturen zusammengefasst). Das Bücken fällt schwer, beim Bewegen knirscht und knackt es, die Muskeln sind verspannt…. Bald darauf verkalken die Arterien, das Gehör lässt nach, die Augen werden schwächer und Schritt für Schritt kommen die kleinen und großen Zipperlein. Blut und Energie (Qi) fließen nicht mehr. Zuerst in den äußeren Schichten, den Bändern, Sehnen, Faszien und Muskeln. Dann setzt sich das Problem nach Innen fort.
Umgekehrt sind eine gute Beweglichkeit, die Fähigkeit, sich weich und geschmeidig zu bewegen, ein Zeichen für einen guten Durchfluss (von Blut und Qi). Sie gelten als eine gute Basis für ein langes und gesundes Leben. In allen asiatischen Bewegungskünsten von Qigong bis Kampfkunst sind geschmeidige Bewegungen das Zeichen für Durchlässigkeit (chinesisch „Tong“): die Voraussetzung für die innere Bewegung des Qi, die nicht nur im Qigong eine große Rolle spielt, sondern auch in den Kampfkünste.
Übungen zum Dehnen und Strecken haben daher einen wichtigen Platz in vielen Übungssystemen. Sie gehören in die Aufwärmung, oder in die Abschluss-Übungen. Selbst in vielen Meditations-Richtungen übt man sie, um alle Blockaden, die durch langes Sitzen entstanden sein könnten, aufzulösen.
Die Übungen finden sich in vielen Qigong-Bewegungen integriert, oder auch in Kampfkunst-Formen bei tiefen Stellungen oder übertrieben weiten Bewegungen, die nicht unbedingt oder einzig als Selbstverteidigung zu interpretieren sind. Einige Stile des Qigong, wie verschiedene Varianten der Yi Jin Jing (in etwa zu übersetzen als „Umwandlung der Muskeln und Sehnen“), beschäftigen sich hauptsächlich mit verschiedenen Arten der Dehnung und Streckung mit dem Ziel, alle Gewebe und Energie-Leitbahnen durchlässig zu machen. Die 6 Meridian-Dehnungen aus dem Shiatsu (japanisch: Makko-Ho) sind ein moderneres Übungs-Set und können sehr gut in andere Übungs-Systeme eingefügt werden. Es gibt natürlich noch mehr…

Doch was verursacht die Verkürzung der Sehnen und die darauf erfolgende Blockierung des Bindegewebes? Hier die häufigsten Ursachen:
• Kälte: Zugluft, unangemessen knappe Bekleidung, aber auch das tägliche Arbeiten in klimatisierten oder stark gekühlten Räumen, eine Durchnässung im Regenschauer, oder nach dem Schwitzen in nassen Klamotten auskühlen.
• Emotionen übertragen sich in den Körper. Angst, Anspannung, Frustration, Ärger und vor allem Stress zeigen sich als Verspannungen. Manche davon schmerzhaft, manche schon so lange chronisch vorhanden, dass man daran gewöhnt ist.
• Bewegungsmangel oder einseitige, falsche Haltungen, wie man sie oft vor dem Computer hat, machen sich natürlich an den Sehnen bemerkbar und man wird steif und unbeweglich.
Auch ein Mangel an entspannter Bewegung in der Natur wirkt sich verspannend aus.
• Falsche Bewegungen wirken sich aber ebenso negativ auf die Sehnen aus. Gerade sehr einseitige Bewegungen in einigen westlichen Sportarten berücksichtigen zu wenig den Körper als gesamtes, verbundenes Gefüge.
• Zu viel Training, ständige Überlastung und auch daraus entstehende Verletzungen verkürzen die Sehnen (das ganze Bindegewebe). Daraus entsteht ein Teufelskreis, denn die steifen, blockierten Gewebe sind sehr anfällig für Verletzungen.
• Wenn der Kopf ganz woanders ist: Geist und Körper sollten in allen Übungen (am besten den ganzen Tag ;)) im Hier und Jetzt sein. Ganz „in Gedanken“ oder „mit den Gedanken ganz woanders“ trennen wir Körper und Geist. Da Qi dem Geist folgt, ist es nicht mehr in der Bewegung. Unachtsamkeit und Unaufmerksamkeit verhindern, dass man spürt, was im Körper vorgeht …

Soweit nun der kleine Einblick.
Wer mehr wissen möchte: in „Dehnen II- geschmeidig wie eine Katze“ geht es weiter!

Ich wünsche euch viel Freude beim Dehnen!
Mit geschmeidigen Grüßen…
Gabi Fischer Lind

 

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