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Trainingslager / Eifel

26.09 – 02.10.2004

Von: Thomas Gruner, Furyu-Dojo Königsbrück

Trainingslager / Eifel

Etwas gemischte Gefühle überkamen mich, als ich erfuhr, dass das diesjährige Österreich-Trainingslager gar nicht statt finden sollte. Zunächst habe ich mich auf die beeindruckende Landschaft der Alpen gefreut. Man hat mir solche grandiosen Geschichten über die außergewöhnliche Lage im Hochgebirge erzählt, dass ich, wie ich zugeben muss, etwas enttäuscht gewesen bin.
Aber ich habe mich absolut getäuscht. Ich habe zunächst nicht bedacht, dass zu einem guten Trainingslager die Menschen, die daran teilnehmen, wichtiger sind als die Landschaft, in der es stattfindet. Und es war eine gute Gruppe, die nach einigen deutlichen Hinweisen durch Sensei Werner Lind wachgerüttelt wurde und nach und nach begann ein klasse Miteinander zu gestalten. Es wurde uns aufgezeigt, dass es sehr wichtig ist, bestimmte Dinge und Situationen richtig einzuschätzen.
Man muss erkennen, wo man gebraucht wird und wo man fehl man Platz ist.
Dies mag nach einer simplen Formel klingen, aber wenn es so einfach wäre, würde kein Mensch irgendjemand stören oder es würde keiner mehr an schmutzigem Geschirr vorübergehen, ohne dies zu spülen. Aber das ist beileibe nicht so. Man mag diesen „Leitspruch“ auswendig lernen. Aber es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen Wissen und Denken. Es sich fotografisch einzuprägen, würde bedeuten, es zu wissen. In der heutigen Gesellschaft, sei es Schule, Ausbildung oder Studium, ist das die Regel. Was man nur auswendig lernt, kann man sehr schnell wieder vergessen. Man muss erkennen wo man gebraucht wird und wo man fehl man Platz ist. Es muss in Fleisch und Blut übergehen, es muss ins Herz eingeschlossen werden. Die Seminare man Abend haben mir dazu verholfen die ersten Schritte auf diesen Weg zu gehen.

Diese simple und zugleich auch enorm schwierige Grundeinstellung wurde auch in die körperlichen Übungen übertragen. Die Form der einzelnen Bewegungsabläufe, sei es Kata oder Jiyu-Ippon-Kumite war für mich nicht sonderlich schwierig (obwohl es ab und an mit Schuhen ohne Profil und einer nassen, abfälligen Wiese etwas glatt und der sichere Stand mehr die Ausnahme als die Regel war). Darauf kam es den Sensei auch nicht primär an. Wir Übenden mussten uns auf Dinge wie richtiges Timing, optimale Distanz und die geistige Einstellung konzentrieren. Diese Schwerpunkte auf die richtige Weise umzusetzen, war sehr schwierig (wie sich vielleicht jeder Budoka denken kann). Zudem hat auch die Sonne in Monschau die meiste Zeit ihre Strahlen hinter die Regenwolken geschickt, welche über unseren Köpfen hingen. Dieser Zustand sorgte nicht gerade für optimale Bedingungen eines Trainingslagers, aber wie Eingangs dieses Berichtes erwähnt, sorgen die Menschen dafür, ob es ein Erfolg wird oder ins Wasser fällt. Aber gerade als am letzen Tag doch die Sonnenstrahlen die Erde erreichten und wir abermals Jiyu-Ippon übten, war es ein Mensch, genauer gesagt ein Mitarbeiter der Forstaussichtsbehörde, der uns bat, das Training einzustellen und die Wiese zu verlassen. Wir kamen den für uns unverständlichen Anweisungen nach und ließen die Wiese hinter uns. Ich persönlich war unheimlich froh, dass dieser Förster erst am letzten Tag unseren Weg kreuzte und so war es für uns auch leicht seiner Bitte zu entsprechen.
Trotz der wichtigen Dinge, die wir gelernt haben, war die Stimmung sehr heiter. Wir saßen nicht im Lotussitz, haben uns mit extrem philosophischen Fragen belastet und haben auch nicht stundenlang in Schweigsamkeit am Tisch gesessen, wie das sonst manchmal der Fall ist. Ich denke es hat ein paar Tage Zeit gebraucht, bis ich mich an die Gruppe gewönnt hatte und ihr auch vertrauen konnte. Wir haben gesungen (obwohl man meinen Gesang mit textunsicherem, halbmelodischen Sprechen vergleichen konnte) und uns auch mit anderen Aspekten von menschlichen Beziehungen beschäftigt. Es ist schade, dass wir nur eine Woche Zeit gehabt haben. Aber das nächste Trainingslager bzw. Seminar kommt auf jeden Fall.
Und es ist für mich absolut kein Reinfall gewesen, dass dieses Trainingslager nicht in Österreich stattfand. Ich wurde für die Landschaft der Alpen mehr als entschädigt durch die Seminare der Lehrer. Ich möchte mich für ein sehr gelungenes Traininglager in Monschau bei den Sensei Werner Lind, Peter Schömbs, Christian Lind und Ursel Arnold bedanken. Danke.

Es waren dabei: Werner Lind, Ursel Arnold, Peter Schömbs, Christian Lind, Rolf Theiler, Stephan Harri, Matthias Hofmann, Rainer Fink, Susanne Speicher, Gabi Brudermüller, Thomas Gruner, Matthias Heßler, u.a.

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