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Reise nach Okinawa / 1

Lage

13. – 28.08.2005

Von: Susanne Speicher

Im Pazifischen Ozean, zwischen Japan und Taiwan liegt der aus 159, (37 Bewohnte und 122 unbewohnte), Inseln bestehende Ryukyu-Archipel mit seiner Hauptinsel Okinawa. „Okinawa“(??) bedeutet wörtlich „Tau im offenen Meer“ und ist die Wiege des Karate und Kobudô. Die schmale Insel (ca. 100 km lang und 1200 km2 groß) liegt etwa in der Mitte der sich über 1100 km hinstreckenden Inselkette, die sich von Japan im Norden bis fast an die Schwelle zu China im Süden ausdehnt. Nur ca. 50 der vielen kleinen Inseln sind ständig bewohnt. Das Klima ist mit einer jährlichen Durchschnittstemperatur von 22 °C subtropisch und hat eine reiche Tier und Pflanzenwelt mit subtropischen Wäldern und Korallenriffen. Die Einwohnerzahl betrug im Jahre 2003: 1.300.000 in ca. 468.000 Haushalten (Schätzung der Okinawa Präfektur aus dem Jahr 2003). Okinawa ist die 47. Präfektur Japans und mit 300.000 Einwohnern ist Naha (siehe Foto) die größte und gleichzeitig auch die Hauptstadt Okinawas.

Okinawa_Karte

 

Geschichte

Okinawa_49Die Bewohner Okinawas hatten schon im 3. Jahrhundert v.Chr. erste Kontakte mit dem asiatischen Festland, wodurch ihre Kultur entscheidende Einflüsse aus Südchina (Fujian / Fukien), Malaysia und den Philippinen erhielt.
Die ersten belegbaren Kontakte mit China fanden während der Zeit der Sui-Dynastie (560 – 618) statt. Der chinesische Kaiser Yang Chien, der die Geheimnisse des ewigen Lebens und die Verwandlung von Metall in Gold ergründen wollte erfuhr von seinen Beratern, dass im Osten des Chinesischen Meeres das „Land der glücklichen Unsterblichen“ liegen solle, auf dem der „Pilz der Unsterblichkeit“ wuchs. Eine Expedition die er ausschickte erreichte Okinawa im Jahr 605.
In den Jahren 698 und 743 wurde Okinawa von japanischen Eroberungsexpeditionen heimgesucht, aus denen eine Tributpflicht an Japan resultierte. Infolge der aufgezwungenen politischen Abhängigkeit Okinawas von Japan entwickelte sich ein reger Handelsverkehr zwischen den beiden Ländern und auch eine deutliche Einflussnahme Japans auf die okinawanische Kultur. Nach wie vor war Okinawa aber auch immer noch an China tributpflichtig.
Dieser chinesische Einfluss brachte große Vorteile für das Land. So veranlasste im Jahr 1392 der chinesische Kaiser, dass eine Auswahl von chinesischen Experten aus Staatswesen, Wissenschaft, Religion, Kunst und Militär dauerhaft auf Okinawa wohnen sollten, um die Okinawaner in der chinesischen Kultur zu unterrichten. Diese Gruppe von Chinesen aus Fujiao (Fukien), bekannt unter der Bezeichnung „36 Familien“, siedelte sich in der Ortschaft Kumemura (Kume / Kuninda) in der Nähe von Naha an. Unter ihnen befanden sich auch viele Experten des chinesischen Quanfa (Kenpô), was die okinawanischen Kampfkünste (Te) nachhaltig beeinflussen sollte.
Kumemura entwickelte sich rasch zum Zentrum der okinawanischen Kultur. Schon kurz nachdem sich die chinesischen Experten dort nieder ließen, schickte der okinawanische König ausgewählte Bürger zu ihnen in die Lehre. Um sich weiterzubilden wurden diese Leute auch nach China gesandt, wo sie sich hauptsächlich in Fuzhou ansiedelten. Durch den regen Austausch von Schülern, Diplomaten, Händlern etc. entstanden nach und nach auf Okinawa eine Kopie des chinesischen Staatswesens und eine überdimensionale Verehrung alles Chinesischen.
Im Jahr 1429 gelang es König Sho Hashi die drei okinawanischen Provinzen zu einem Königreich zu vereinigen. Er legte die Verwaltung des Staatswesens in die Hände der chinesischen Beamten und verbesserte die Handelsbeziehungen mit allen umliegenden Ländern. Um die permanente Bedrohung seines Throns durch die Rivalitäten der Territorialherrscher zu unterbinden erließ er auf ganz Okinawa ein Waffenverbot. Dies hatte einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Kampfkünste.Okinawa_50
Trotz des enormen Aufschwungs Okinawas kam es zu internen Kompetenzschwierigkeiten in der Königsfamilie, die zu schweren Unruhen im gesamten Land führten. Als 1477 König Sho Shin an die Macht kam erließ er erneut ein Verbot des Tragens von Waffen für Adlige und Bauern. Er ordnete die Beschlagnahme aller Metallwaffen an und ließ sie in sein Schloss nach Shuri bringen. Diese Entwaffnung führte dazu, dass sowohl Adlige als auch Bauern begannen Kampfsysteme zu entwickeln, die Selbstverteidigungssysteme erfuhren einen großen Aufschwung. Bei den Bauern und Fischern entstanden bewaffnete Systeme (Ryûkyû Kobujutsu) bei denen sie ihre Arbeitsgeräte zur Verteidigung einsetzen, während sich die Adligen im Kampf mit der leeren Hand (Te) übten. Beide Systeme – das Kobujutsu als auch das te – wurden unter strengster Geheimhaltung geübt.
Bis zum 16. Jahrhundert erblühte Okinawa sowohl wirtschaftlich als auch kulturell. Als im japanischen Bürgerkrieg gegen den Shogun der bedeutende Satsuma-Clan 1600 auf der Verliererseite stand hatte dies fatale Folgen für Okinawa. Um die Schande der Niederlage abzuwaschen gestatten die Tokugawa-Herrscher den Satsuma Okinawa zu erobern. Die Invasion der Satsuma 1609 beendete die Unabhängigkeit Okinawas.
Der Satsuma-Clan besetzte Okinawa und erneuerte das alte Waffenverbot. Die Okinawaner zogen sich den Zorn der Satsuma zu, da sie nur im allergeringsten mit den neuen Herrschern zusammenarbeiteten. Es folgte eine Regentschaft mit Terror, Plünderungen, hohen Abgaben und ständigen Auseinandersetzungen zwischen den Samurai und den Einheimischen.
Als 1868 in Japan die Meiji-Restauration stattfand wurde der Stand der Samurai aufgehoben und damit auch die Vorherrschaft der Satsuma. Okinawa wurde 1871 vollständig an Japan angegliedert. 1879 wurde der letzte Ryukyu-König, der immer eine Marionette der Satsuma gewesen war, abgesetzt und der japanische Kaiser wurde zum alleinigen Herrscher auf Okinawa ausgerufen. 1895 wurde Okinawa offiziell zur 47. Präfektur Japans erklärt und die Tributzahlungen an China wurden eingestellt. Um die Lebensbedingungen der Okinawaner zu verbessern wurde ein umfangreiches Programm der Erziehung und des Unterrichts in japanischer Sprache eingeleitet. Viele Einrichtungen wurden von der japanischen Regierung modernisiert und die Industrialisierung vorangetrieben.

Die Anreise

13.08.2005

Am 13. August 2005 startete eine kleine Gruppe von BSK Budôka, bestehend aus Thomas Heinze, Alexander Frank, Bernd und Elke Otterstätter und mir, ihre 14-tägige Reise nach Okinawa.
In einem vorangegangenen Vortreffen besprachen wir unsere Erwartungen und erstellten eine Liste an Sehenswürdigkeiten, die wir uns auf jeden Fall ansehen wollten. Wir teilten die Sehenswürdigkeiten unter den Mitreisenden auf und bis zum Abreisetag suchte ein jeder von uns im Internet Informationen über diese Sightseeings heraus, um dann Vorort ein kleines Referat halten zu können. Im Nachhinein kann ich sagen, dass sich diese Vorgehensweise als sehr sinnvoll herausgestellt hat, denn ein historisches altes Bauernhaus oder eine Burgruine lebt erst so richtig auf, wenn man seine Geschichte kennt. Leider sind bislang über Okinawa keine eigenständigen Reiseführer erhältlich und auch im Internet sind die Informationen über lokale Sehenswürdigkeiten nicht gerade vielfältig. Eine eine sehr gute Seite zu diesem Thema ist „Wonder Okinawa“ (www.wonder-okinawa.jp), auf der es gute Berichte, Fotos und Videos rund um die Insel und auch im Bereich Karate/ Kobudô zu sehen gibt. Weitere interessante Links über Okinawa findet Ihr am Ende dieses Berichts.
Der Flug mit einem großen Airbus von Frankfurt (am Main) nach Taipei (Taiwan), wo es einen kurzen Zwischenstopp gab, war mit seinen fast 14 Stunden lang und strapaziös. Total erschöpft und mit schmerzenden Gliedern kamen wir schließlich am 14. August um 07. Uhr morgens (Ortszeit) in Taipei an, von wo es ca. 2 Stunden später mit einer kleineren Boeing Maschine weiter nach Okinawa ging. Wir flogen mit der Fluggesellschaft China Air, die, wie wir später erfuhren, eigentlich taiwanesisch ist und wohl genau aus diesem Grund, bei diesem Flug nicht über China fliegen durfte. Unsere Route umging China in einem Bogen unterhalb, über den Iran, Indien, Thailand und von dort nach Taipei. Der Service, sowie die Bord-Mahlzeiten der China Air sind wirklich sehr zu empfehlen und im Airbus nach Taipei gab es sogar für jeden Sitz einen Touch-Screen-Monitor, auf dem man die neusten Kinofilme, Flugdaten und Nachrichten ansehen konnte.
Hyper Hotel Naha:
901-01555-11-1 Kanagusuku Naha City Okinawa
Tel.: 098-840-1000
Fax.: 098-858-1001

Okinawa_01
Ankunft in Naha

14.08.2005

Okinawa_02Als wir am Sonntag, den 14.08. um 10.30 Uhr aus dem Flugzeug ins Freie stiegen, traf uns erst einmal der Schlag. Eine Wand von Hitze strömte uns entgegen, die Sonne knallte auf uns herunter und durch die hohe Luftfeuchtigkeit konnte man nur schwer atmen. Anfangs hatten wir wirklich das Gefühl in einer Sauna gelandet zu sein und wir brauchten einige Zeit, um uns an den Klimawechsel zu gewöhnen.
Mit dem Taxi fuhren wir schließlich zu unserem Hotel (Hyper Hotel), dass im Stadtteil Oroku, nicht weit vom Flughafen entfernt, liegt.
Zu den okinawanischen Taxis ist zu bemerken, dass sie zwar etwas teurer als die okinawanischen Busse sind, aber auf der anderen Seite in keinem Preisverhältnis zu den deutschen Taxis stehen. Gerade mit mehreren Leuten kann sich so ein Taxi schon mal lohnen und manchmal kommt es sogar vor, dass die Taxifahrer gerade für weite Strecken sehr gute Preise vorschlagen und man für den Bus letztendlich das Selbe bezahlt hätte. Der Fahrpreis wird, anders als in Deutschland, nach gefahrenen Kilometern und nicht nach der Dauer der Fahrt berechnet.
Der Taxifahrer war sehr aufgeschlossen und freundlich und sprach mit uns, oder viel mehr mit mir, weil ich die einzige war, die von unserer Gruppe ein wenig japanisch sprach, über deutschen Fußball, Bier und deutete immer mit dem Finger aus dem Fenster um uns besondere Gebäude zu zeigen, an denen wir gerade vorüber fuhren. Es war eine schöne Begrüßung auf Okinawa und schon bald erkannten wir,Okinawa_03 dass diese freundliche und aufgeschlossene Art für die Inselbewohner sehr typisch ist.
Am Hotel angekommen, checkten wir ein, konnten unsere Zimmer aber erst ab 15.00 Uhr beziehen, so dass wir nun genug Zeit hatten die nähere Umgebung zu erkundschaften. Wir liefen durch die Straßen, an der Oroku-Monorail-Station vorbei, von wo ich das obere Foto auch schoss und studierten erst einmal die aushängenden Stadtpläne. Vom Flughafen bis nach Shuri läuft eine Einschienenbahn (Monorail) über den Straßen entlang, die in beide Richtungen beinahe alle 5-10 Minuten fährt und aus der man einen wunderschönen Blick über die Stadt hat. Im inneren dieser Bahn ertönt immer mal wieder ein lustiges, okinawanisches Lied aus dem Lautsprecher, das einfach zwangsläufig für gute Laune sorgt.
Von der Monorail-Station aus liefen wir weiter die Straße hinunter und kamen schließlich an einen großen Park, den Omoyama kôen, wo wir einen wunderschönen shintoistischen Schrein fanden. Schreine erkennt man immer an dem traditionellen Tor, meist in roter Farbe, dass man im japanischen torii nennt. Es gibt auch andere Merkmale die einen shintoistischen Schrein oder einen heiligen Ort kennzeichnen: Z.B. An Bäumen hängende Papierschnipsel oder mit einem Seil verbundene Steine oder Bäume usw. Generell kann man sagen, dass Schreine sehr schlicht aufgebaut sind. Es gibt keine goldenen Statuen und auch das Schreingebäude an sich macht keinen prunkvollen Eindruck. Aber gerade diese Einfachheit und die, um den Hauptschrein liegenden, kleinen japanischen Gärten mit den Teichen und Brücken, Steinen und beschnittenen Bäumchen, geben diesem Ort etwas mystisches und gleichzeitig beruhigendes.
Okinawa_04Auf der Gegenüberliegenden Seite des Schreins befindet sich ein Sportplatz, auf dem gerade eine große Tanzgruppe dabei war, verschiedene traditionelle Bewegungsabläufe mit Musik einzustudieren. In einer anderen Ecke spielten ein paar Jugendliche gerade Baseball. Baseball gehört zu den beliebtesten Sportarten in Japan (es ist beliebter als Fußball) und auf den großen Sportplätzen in Naha sieht man jeden Tag Sportgruppen eifrig trainieren.
Wir setzten uns in einen Pavillon und sahen noch eine ganze Weile dem Treiben auf dem Sportplatz zu, bis wir uns entschlossen, zum Hotel zurückzukehren, um endlich mal zu duschen und uns von der anstrengenden Reise zu erholen. Auf dem Rückweg kauften wir noch ein paar Getränke und Lebensmittel in einem nahegelegenen Familiy Mart.
Diese Märkte sind 24 h geöffnet und von Toilettenartikel über Zeitungen, Telefonkarten, Getränke und Lebensmitteln, bekommt man hier alles recht preisgünstig zu kaufen.
Nachdem wir uns eine zeitlang ausgeruht hatten, trafen wir gegen 19.00 Uhr Sensei Joachim Laupp (8. Dan, Kobayashi Ryû) zusammen mit seinem Freund Tsumori Kaoru (6. Dan Kobayashi Ryû) in der Hotel Lounge. Sensei Laupp ist mit Sensei Werner Lind schon seit vielen Jahre befreundet und hat uns von Anfang an zu dieser Reise motiviert und unsere Pläne mit Rat und Tat unterstützt.
Okinawa_05Wir gingen in einem traditionellen, kleinen Restaurant „Okinawa Soba“ essen, das ist ein traditionelles okinawanisches Gericht mit Buchweizennudeln (Soba), Tofu, Schweinefleisch, eingelegter Ingwer (etc.) und Reis als Beilage. Anschließend schlenderten wir mit den beiden über die kokusai dori, der ca. 1,5 km langen Hauptgeschäftsstraße in Naha, und die Beiden zeigten uns interessante Geschäfte und gaben uns viele praktische Tipps zum Leben in Okinawa.
Besonders interessant war es, das Dôjô von Nagamine Shôshin zu sehen, welches auf einer Seitenstraße der Kokusai Dori gelegen ist und auf den ersten Blick eigentlich gar nicht wie ein Dôjô aussieht. Hinter dem parkenden Auto (siehe oberes Bild) wird abends zu Trainingsbeginn ein Rolladen hochgelassen und schon steht man Mitten im Dôjô. Von außen deutet lediglich das Schild (siehe rechtes Bild) mit den Worten „Nagamine Karate Dôjô- Matsubayashi Ryû“ direkt vor dem Eingang auf ein Dôjô. Sensei Laupp erzählte uns an diesem Abend, dass es ca. 250 Dôjô in Naha gibt und ich muss sagen, dass es mich eigentlich gar nicht verwundert, dass wir nur so wenige davon auf Anhieb entdeckt haben.
Zum Abschluss des heutigen Tages tranken wir noch einen Kaffee im Starbucks Café und anschließend fuhren uns Sensei Laupp und Kaoru Sensei zu unserem Hotel zurück. Ein erster spannender Tag auf dieser Trauminsel ging zu Ende und ich konnte mein Glück noch gar nicht fassen, all das erleben zu dürfen.

Kokusai dori & Shureido & Nagamine dôjô

15.08.2005

Okinawa_08Am nächsten Morgen standen wir gegen 8.00 Uhr auf und aßen ein eher spartanisches Frühstück in der Hotelbar. Es gab dort jeden Morgen das Gleiche: Einige süße Brötchen, Margarine, kalte Eier und ein paar Sorten Marmelade, dazu Kaffee und Orangensaft. Eigentlich schmeckte es gar nicht schlecht, aber nach einigen Tagen stieg bei uns doch zunehmend der Wunsch nach Käse und Wurst.
Im Allgemeinen war unsere Unterkunft aber wirklich sehr gut (und vor allem für die ausgesprochen preiswerten Konditionen, die wir bekommen haben): das Hotel ist sehr zentral gelegen – mit Monorail-Station quasi direkt vor der Haustür, es gab eine Waschmaschine und Trockner und unser Zimmer war zwar klein, aber mit allem ausgestattet, was man so in 14 Tagen benötigt: Fernseher, Bad mit Badewanne, Dusche und WC und die Service-Kräfte brachten unser Zimmer jeden Tag auf Hochglanz. Da kann man sich doch wirklich nicht beschweren.
Nach dem Frühstück fuhren wir mit der Einschienenbahn zur Kencho-mae-Haltestelle und kamen von dort direkt auf die Kokusai Dori. Die 1,5 km lange Hauptgeschäftsstraße von Naha ist sehr belebt und zieht mit Ihren unzähligen Souvenir-Geschäften vor Allem die japanischen Touristen an, die in der Sommerzeit die kleine subtropische Insel bereisen.
Wir durchstreiften die gesamte Straße, inklusive der angrenzenden Taihei Dori, Heiwa Dori, Mutsumibashi Dori und einigen weiteren Nebenstraßen. Und bald stellten wir fest, dass die verschiedenen Straßen ein sehr unterschiedliches Angebot haben.
Auf der Kokusai Dori selbst findet man, wie bereits erwähnt, überwiegend Souvenirs, auf einer anderen Straße gab es hauptsächlich Kleidung und auf einer weiteren lag der Schwerpunkt auf typischen, okinawanischen Lebensmitteln.
Okinawa_09Auf dem rechten Foto sieht man mich mit einer okinawanischen Goya, einer leicht bitter-schmeckenden Gurke, die äußerst gesund ist und besonders in dem Ei-Gericht (Goya chanpuru) sehr lecker schmeckt. Die Gurke wird unter Anderem für die Langlebigkeit der Okinawaner verantwortlich gemacht, denn in Okinawa gibt es die größte Anzahl von über 100-jährigen Menschen auf der Welt.
Das linke Foto zeigt ein Geschäft auf der Kokusai Dori, in dem man unzählige Sorten des okinawanischen Sake (Reiswein / Reisschnaps), den man hierzulande „Awamori“ nennt, kaufen kann. Den Awamori gibt es mit ganz unterschiedlichem Alkohol-Gehalt und eine ganz besonders teure Sorte ist der Habu Awamori. Habu ist der Name für einer Schlangenart, von denen einige Exemplare sehr giftig sind. In den Flaschen des Habu Awamori befindet sich tatsächlich ein Exemplar dieser Schlange.
Die Lebensmittel im Allgemeinen sind preislich durchaus mit den deutschen Produkten vergleichbar, manches ist ein wenig teurer, manches ein wenig preiswerter, nur das Obst ist hier wirklich außergewöhnlich teuer. Auf den Märkten findet man Bananen, Orangen, Ananas, Mangos, Papayas, Kokosnüsse und Drachenfrüchte u.a. Für einen Apfel zahlt man umgerechnet ca. 2 Euro, da diese auf Okinawa nicht angebaut werden und aus anderen Ländern importiert werden müssen.
Nach einiger Zeit entschlossen wir uns zum Kampfkunstgeschäft der Firma Shureido zu gehen, welches sich auf der Matayoshi Straße, zwischen der Tomari Brücke und der Kreuzung im Stadtteil Asato, schräg gegenüber der Sogenji Tore befindet. In diesem Geschäft trafen wir dann auch den Geschäftsinhaber von Shureido Nakasone Kenzo, den ihr auch hier links auf dem Foto seht. Der Laden von Nakasone Kenzo ist nicht sonderlich groß und es war offensichtlich, das der größte Anteil der Shureido-Produkte über Internet-Versand verschickt wird. Bernd und Elke kauften sich hier neue Karate-Anzüge, Thomas und ich nahmen je ein paar Sai mit und für die BSK-Studien konnten wir auch ein paar interessante Bücher erwerben.
Mit vollen Tüten und erheblich leichteren Geldbörsen verließen wir den Laden wieder, um uns auf den Weg zu dem Hotel zu machen, in dem Sensei Laupp mit seinen ca. 20 Schülern wohnte. Sensei Laupp teilte uns mit, dass er mitOkinawa_07 Miyahira Sensei gesprochen hat, und wir bei der Morgenübung am nächsten Tag zusehen dürften. Sehr erfreut über diese Nachricht, verließen wir das Hotel wieder, und nach einer Stärkung in einem traditionellen Restaurant, gingen wir noch einmal zum Dôjô von Nagamine Shôshin, um anzufragen, ob wir bei dem Abend-Training zusehen dürfen.
Der Rolladen des Nagamine Dôjô war inzwischen hochgezogen und man konnte direkt hineinsehen. Innendrin sah man schon einige Schüler im weißen Karate Gi, die gerade dabei waren, sich aufzuwärmen. Ein Schwarzgurt saß mit dem Rücken zur Tür und bemerkte unser Kommen im ersten Moment nicht. Auf Japanisch entschuldigte ich mich, für das Stören, stellte unsere Gruppe vor und fragte, ob es denn möglich wäre, beim Training zuzusehen. Freundlich wurden wir hineingebeten und die Schüler stellten uns Klappstühle an den Rand des dôjô. Leider erklärte uns der Schwarzgurt (Shinjo Sensei), dass es uns nicht erlaubt sei, Photos vom Training oder dem inneren Teil des dôjô zu machen, da sich der Stilvorstand (Nagamine Takayoshi) im Augenblick in den USA aufhält und er selbst keine Erlaubnis hätte. Natürlich waren wir im ersten Augenblick etwas enttäuscht, aber auf der anderen Seite kann ich dieses Verhalten auch nachvollziehen: ich fände es als Lehrer auch etwas merkwürdig, wenn ein paar Schüler, die kaum unsere Sprache sprechen, beim ersten Besuch gleich mit der Videokamera und Fotoapparaten in der Tür stehen würden. Shinjo Sensei wollte von uns wissen, woher wir kommen, welchen Stil wir ausüben und wer unser Lehrer ist. Wir schrieben ihm alles auf und gaben ihm eine Visitenkarte unseres Sensei.
Das Training begann, der Schrein wurde geöffnet und die Schüler (4 Weißgurte & 1 Gelbgurt) stellten sich auf, jedoch nicht, wie bei uns, der Graduierung entsprechend, sondern zwar ordentlich in Reihen, aber nicht graduierungs-abhängig.Okinawa_06 Es folgte eine Meditation im Lotossitz auf Kissen und Shinjo Sensei schlug dabei einen kleinen Gong. Dann setzten sich alle in Seiza und verbeugten sich voreinander und vor dem geöffneten Schrein.
Nun folgte die Aufwärmung: Diese war von rein sportlicher Natur und anschließend begann der 1. Teil des Trainings mit Kihon. In Bahnen gingen die Schüler mit einzelnen Kihon-Techniken ( Mae geri, Tsuki, Age Uke, Shuto Uke, Yori Ashi in Neko Ashi Dachi…) vor, wobei die Schüler abwechselnd zählten. Nach einer 5-minütigen Pause, in der wir von den Schülern Wasser zum Trinken angeboten bekamen, folgte der 2. Teil mit dem Schwerpunkt auf Kata. Geübt wurden die Kata: Fukyugata I+II (es handelt sich hierbei um Übungskata, die unseren Taikyoku kata entsprechen), so wie Pinan Shodan und Pinan Nidan. Das Kihon Bunkai der Pinan Nidan wurde einmal mit einem Partner durchgegangen zum Abschluss wurde eine letzte Kata (Fukyugata I) in der Gruppe vor geöffneten Schrein vorgetragen – zu Ehren von Nagamine Shôshin, dem Gründer des Stils und dieser Kata.
Nun verbeugten sich die Schüler vor dem Lehrer (und umgekehrt) und das Training war offiziell beendet. Danach wurde der Boden des Dôjô gewischt und anschließend trainierten manche Schüler an den Makiwara weiter, die vor dem Eingang des Dôjô standen, andere machten Krafttraining oder wiederholten eine Kata.
Das Dôjô war sehr klein, aber im Inneren fühlte man sich auf Anhieb wohl. Der Boden war aus Holz, in den Ecken standen verschiedene Kraftgeräte, direkt neben dem Eingang steht ein kleiner Schreibtisch und auf der gegenüberliegenden Seite gelangt man zu den Duschen und der Umkleide. An der einen Wand hing eine Dôjôkun (auch in englisch), Bilder von Nagamines Lehrer: Aragaki Ankichi, Kyan Chotoku und Motobu Choki. An der Shômenseite war der Schrein angebracht, über dem ein Foto von Nagamine Shôshin hing. Rechts davon war er noch einmal groß und in Meditationshaltung abgebildet. Außerdem gab es ein Foto von dem berühmten Meister-Treffen aus dem Jahre 1940: Hanashiro Shoma, Yabu Kentsu und Miyagi Chojun.
Okinawa_11Wir verabschiedeten uns, traten unseren Heimweg an und ließen diesen interessanten Abend in dem Schnellimbiss des Kaufhauses Jusco, direkt gegenüber unseres Hotels ausklingen.
Shureido CO.,LTD
Kenzo Nakasone
1-1-6 Tomari, Naha-City, Okinawa, Japan
Tel.: 098-861-5621
Fax.: 098-861-5525
www.karatedo.co.jp/shureido/
E-Mail: shureido@orange.ocn.ne.jp

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