When you install WPML and add languages, you will find the flags here to change site language.

Bezeichnungen für Schüler-Grade

Das grundlegende Benennungsmotiv für Bezeichnungen der Kampfkunstschüler ist der zwischenmenschliche Aspekt des Lernprozesses (hito to hito no aida). Obwohl es auch im Japanischen Begriffe gibt, die wie das deutsche Wort „Schüler“ (deshi) auf die Zugehörigkeit zur Institution „Schule“ oder wie die englischen Wörter „disciple“ und „student“ (gakusei) auf die Haupttätigkeit, das „Lernen“, hinweisen, finden sie im Kampfkunstbereich keine gleichbedeutende Verwendung.


Deshi 弟子 und Hai 輩

In den japanischen Kampfkünsten werden die „Schüler“ unabhängig von ihrer Graduierung allgemein mit dem Begriff deshi bezeichnet. Dieses Wort ist eine Zusammensetzung der Zeichen für „jüngerer Bruder“ und „Kind“, wodurch sich ein deutlicher Bezug zum Lehrer (sensei) als dem Älteren und Erfahreneren ausdrückt. Wie bereits erwähnt, bedeutet der wichtigste japanische Begriff für einen Lehrer, sensei, (wörtlich „zuvor geboren“), was dieselbe Relation in umgekehrter Richtung vermittelt. Deshalb werden im Rangsystem (kyūdan) die Schülergrade (kyū) von oben nach unten und die Lehrergrade (dan) von unten nach oben gezählt.
So wie das Wort deshi auf die Beziehung (shitei) eines Schülers zu seinem Lehrer verweist, stellt das Wort hai, das soviel wie „Kamerad“, „Genosse“ oder „Kollege“ bedeutet, die Beziehung des Schülers zu den Mitschülern in das Zentrum der Betrachtung.

•    Deshi – Schüler, Lernender unter einem Meister
•    Hai – Kamerad, Kollege eines Gleichgestellten


Jiki deshi 直弟子 und Mata deshi 又弟子

Der Begriff jiki bedeutet „direkt“ und verweist auf die unmittelbare Nähe eines Schülers zu seinem Lehrer bzw. darauf, dass der Schüler vom Meister selbst in einer Kunst unterwiesen wird. Im Gegensatz dazu erhält der „indirekte Schüler“ (mata deshi) seinen Unterricht hauptsächlich durch die Vermittlung von Schülern eines Meisters, ohne dass die äußere Beziehung zu letzterem in den Hintergrund rückt.
Die globale Verbreitung der japanischen Kampfkünste und die weltweite Reputation der japanischen Lehrer in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts rührt unter anderem daher, dass einige wenige westliche Interessenten in Japan für eine gewisse Zeit als jiki deshi unterwiesen wurden, die nach der Rückkehr in ihre Heimatländer begannen, mata deshi auszubilden, ohne selbst als Meister aufzutreten. Die Struktur heutiger Kampfkunstgesellschaften und -Organisationen beruht insbesondere – wenn sie traditionell orientiert sind und einen Hauptlehrer haben – oft auf der jiki deshi / mata deshi Korrelation.

•    Jiki deshi – Direkter Schüler eines Lehrers
•    Mata deshi – Indirekter Schüler eines Lehrers


Uchi deshi 内弟子 und Soto deshi 弟子

Das Begriffspaar uchi und soto bedeutet „innen“ und „außen“ und stellt in Verbindung mit dem Wort deshi eine ähnliche Differenzierung der Schüler eines Lehrers dar, wie sie bei den Bezeichnungen jiki deshi und mata deshi bereits festgestellt wurde. Der Begriff uchi deshi (innerer Schüler) verweist eigentlich auf einen Schüler, der innerhalb der Hausgemeinschaft eines Lehrers lebt, in die er aufgrund eines besonderen Vertrauensverhältnisses und seines vom Meister erkannten Entwicklungspotentials aufgenommen wurde. Uchi deshi steht damit als Begriff für eine Person, die den Meister nicht nur im Kampfkunsttraining erleben, sondern auch bei seinen alltäglichen Verrichtungen begleiten und unterstützen darf, und somit die Möglichkeit besitzt, aus dessen gesamten Handeln und Wirken zu lernen.
Im Gegensatz dazu meint das Wort soto deshi (äußerer Schüler) einen Übenden, der außerhalb einer solch engen Beziehung zum Lehrer steht und in der Regel nur technisch unterwiesen wird. Doch in der Geschichte der Kampfkünste ist oft zu beobachten, dass die soto deshi eine ähnlich große oder noch größere Bedeutung erreichten, als die uchi deshi.

•    Uchi deshi – Innerer Schüler eines Lehrers
•    Soto deshi – Äußerer Schüler eines Lehrers


Senpai 先輩, Dōhai 同輩 und Kōhai 後輩

Diese Wörter bedeuten der Reihe nach „älterer Kamerad“, „gleichaltriger Kamerad“ und „jüngerer Kamerad, wobei der Bezug auf das Lebensalter nicht in jedem Fall wörtlich, sondern vielmehr übertragen hinsichtlich des Fortschritts auf dem Kampfkunstweg zu verstehen ist. Ausgangspunkt der Betrachtung ist dabei immer der eigene Fortschritt und die eigene Erfahrung. Schüler, die fortgeschrittener sind als man selbst, sind die senpai. Mitübende, die über ungefähr denselben Erfahrungshorizont verfügen wie man selbst, werden als dōhai bezeichnet, während Schüler, denen man im Sinne des Weges voraus ist, kōhai genannt werden. Außer den unmittelbaren Anfängern in einer Kunst können daher alle Schüler eines Meisters zugleich senpai, dōhai und kōhai sein.
Von entscheidender Bedeutung ist dabei die Beziehung der senpai zu den kōhai. Die senpai stellen das Bindeglied zwischen den weniger erfahrenen Schülern und dem Meister bzw. seiner Lehre dar. Die Fortgeschrittenen haben die Aufgabe, darauf zu achten, dass sich die kōhai in das Regelgefüge der Kampfkunstschule (dōjōkun) gut eingliedern, und stehen diesen dabei mit Rat und Tat zur Seite. Durch ihre technische Überlegenheit sind die senpai als Übungspartner der kōhai in der Lage, diese im Training zur fördern und zu fordern; durch ihren geistigen Fortschritt auf dem Weg haben sie ein Bewusstsein entwickelt, das sie diese Überlegenheit nicht missbrauchen lässt.
Die senpai haben die Aufsichtspflicht über die kōhai, innerhalb und außerhalb des Trainings. Nur wenn diese wahrgenommen wird, kann eine Budō-Gemeinschaft funktionieren, andererseits verbraucht sie sich in ständigen Ungereimtheiten.

•    Senpai – Der Ältere im sozialen Gefüge der Gesellschaft / Gemeinschaft
•    Dōhai – Der Gleichaltrige im sozialen Gefüge der Gesellschaft / Gemeinschaft
•    Kōhai – Der Jüngere im sozialen Gefüge der Gesellschaft / Gemeinschaft


Japan | Japanische Gesellschaft | Japanische Kultur | Japanische Kampfsysteme