When you install WPML and add languages, you will find the flags here to change site language.

Geschichte des BSK

Die primäre Idee zum Budo Studien Kreis

Eine primäre Idee zum Budo Studien Kreis gab es eigentlich nicht. Der BSK entstand aus der Initiative von sensei Werner Lind, die besten seiner Schüler in einem engeren Kreis zu versammeln und in einer eigenen Gruppe im Budokan Bensheim zu unterrichten. Die Mitglieder dieses kleinen Kreises begannen, zuerst karate, danach auch kobudo, ninjutsu, bujutsu und quanfa bis an seine Ursprünge zu erforschen und die Ergebnisse dieser Forschungen zu archivieren.
In Deutschland fanden wir zu jener Zeit keinerlei Quellenmaterial, das über den Wettkampfsport karate hinausging. Deshalb erweiterten wir unsere Forschungen und konzentrierten uns vor allem auf Okinawa, Japan, China, Südost-Asien und Amerika. Wir erforschten die gesamte verfügbare Budo-Literatur, alte Dokumente und Überlieferungen, sammelten weltweit Zeitungsartikel, stöberten in Archiven, zeichneten uralte Fotos von Karate-Meistern nach und übersetzten unzählige Bücher und Berichte. Wir knüpften weltweite Kontakte zu Budo-Forschern, zu Budo-Meistern, zu etablierten Kampfkunstlehrern u.s.w… Alles Wissenwerte über die Kampfkünste sammelten und bearbeiteten wir letztendlich in einem internen Budo-Archiv, das wir damals “Enzyklopädie der Kampfkünste” nannten.
Ich weiß noch, dass wir zu jener Zeit die ganze Welt systematisch aufgeteilt und die jeweiligen Sektoren einzelnen Mitgliedern aus unserem Kreis zugewiesen hatten. Es gab für alle Weltabschnitte Übersetzer aus fremden Sprachen, Zeichner alter Meisterköpfe, Forscher verschiedener Kampfkunstkonzepte, Kontaktpfleger zu maßgeblichen Budo-Persönlichkeiten, Praktiker (zum Nachvollziehen der Techniken in der Übung), und alle gesammelten Erfahrungen wurden mit Zentrum Werner Lind ausgearbeitet und in Konzepte gekleidet. Wir konzentrierten uns damals in der Hauptsache auf drei Themen:

1. Geschichte und Tradition des budō
2. Philosophie und Weglehre des budō
3.Technik-Systeme des budō.

Die Gründung einer traditionellen Budo-Organisation war zu jenem Zeitpunkt kein Thema – wir arbeiteten Tag und Nacht an der Entschlüsselung des budō, wollten unsere Erkenntisse aber nur intern nutzen, denn unsere größte Herausforderung bestand in der eigenen Erforschung des budō und nicht in einer Präsentation nach außen. Die Karate-Szene in Deutschland war dabei im Grunde von untergeordneter Bedeutung, da sie nahezu kein Material für uns bot. Doch gerade deswegen überlegten wir uns schließlich, einen Teil unserer Forschungsergebnisse zu veröffentlichen.
Es begann damit, dass wir 1991 das kleine Buch “Die Tradition des Karate” im Kristkeitz-Verlag veröffentlichten – ein heute längst überholtes Buch, aber damals für den deutschen Karate-Markt ein absolutes Novum. Zum ersten Mal wurde in einem deutschen Buch OKINAWA als Ursprungsland des karate erwähnt und darauf hingewiesen, dass japanisches karate nur eine moderne Interpretation des karate aus Okinawa ist. Das kleine Büchlein löste in Deutschland eine Welle des Interesses aus, denn fast alle dachten bis dahin, Masatoshi Nakayama hätte das karate initiiert und weltweit verbreitet. Obwohl dieses kleine Buch mit vielen Fehlern behaftet war, bereitete es doch vielen deutschen Anhängern des karate Identitätsprobleme, denn es beschrieb einige Alternativen zur Karate-Politik der deutschen Verbände, die bislang nur JKA-Karate propagiert hatten.
Wir wurden mit einer Unmenge von Fragen überhäuft wie: Welches ist der vielbeschriebene Wert () des karate, was ist bunkai, was ist ein sensei, was ist kakie? Wie hängt das alles miteinander zusammen? Wir hatten hierauf Antworten gefunden, doch es fiel uns nicht leicht, sie zu erläutern. Uns war klar, dass zu ihrem Verständnis eine völlige Hingabe und ein intensives Studium der Kampfkunstinhalte gehört – ähnlich, wie wir es im BSK seit Jahren praktizierten.


Gründung des Budo Studien Kreises

Anfang 1990 waren viele unserer Forschungsergebnisse so weit gediehen, dass wir sie in Schriften zusammenfassten, und mir lag insbesondere ein Buch über die geistige Inhalte der Kampfkünste am Herzen (“Budo – der geistige Weg der Kampfkünste”), denn es war klar geworden, dass man in Deutschland offensichtlich leichter aus einem Buch lernt als von einem Lehrer. So standen wir vor der Notwendigkeit, unserer Gruppe einen Namen zu geben – der Budo Studien Kreis war geboren. Zuerst war es nur eine kleine Gruppe, doch nachdem wir mit den ersten Publikationen an die Öffentlichkeit getreten waren, baten immer mehr interessierte Leute um Mitgliedschaft. So mussten wir uns neben dem Namen auch eine Organisationsstruktur geben, mit der der BSK heute bekannt geworden ist. Doch noch immer sind wir eigentlich keine Freunde von organisatorischen Strukturen, unsere innere Basis ist nach wie vor das Lehrer-Schüler-Verhältnis, die dōjōkun, unsere Freundschaft und unser gemeinsames Arbeiten.


Fragen, die immer wieder an den BSK gestellt werden…

Auszüge aus verschiedenen Interviews mit Werner Lind

Woher kommen die Erkenntnisse der BSK-Veröffentlichungen in Buch und Film?

Diese Frage – obwohl sie immer wieder gestellt wird – ist fast unmöglich zu beantworten. Ich selbst bin nunmehr seit mehr als 40 Jahren hauptberuflicher Karate-Lehrer und arbeite in diesem Zeitraum ca. 16 Stunden täglich an der Erforschung der Systeme. Ich bin es nicht allein – mir zur Seite stehen durch die Zeit mehr als 20 hochgraduierte Danträger, Experten der chinesischen Medizin und verschiedene andere, die Ihren pesönlichen Beitrag zu dem leisten, was der BSK heute ist. Wir alle zusammen forschen, analysieren und entwickeln die Ergebnisse im praktischen Training. Unsere Erkenntnisse setzen sich oft aus Details zusammen, die wir nicht im Einzelnen nachvollziehen und dokumentieren können (und in vielen Fällen auch nicht dokumentieren wollen).
Es ist ein Unterschied, ob jemand in der oben beschriebenen Weise täglich forscht oder ob er als Trainer zwei Mal wöchentlich ein Training in einem Verein leitet. Der BSK forscht nicht für die Masse – er unterrichtet nur jene, die die Geheimnisse des Budo tatsächlich verstehen wollen.

Wie authentisch sind die vom BSK veröffentlichten Bunkai-Methoden?

Sehr authentisch! Sie beruhen auf alten Verfahren verschiedener okinawanischer Stile und beziehen das Grundlagendenken der ursprünglichen chinesischen Stile mit ein. Es hat uns unendlich viel Zeit, Geduld und nicht zuletzt auch Geld gekostet, die Bunkai-Methoden der einzelnen Kata zu recherchieren. Die komplexen Methoden des Bunkai sind immer Verbindungen zur grundlegenden Philosophie und Medizin der Chinesen. Wir haben keine einzige Sequenz oberflächlich oder ungeprüft übernommen, sondern jede durch die konsequente Anwendung in der praktischen Übung im Dojo nachvollzogen.
Es ist natürlich klar, dass kein EINZELNER Mensch ALLE auf den BSK-Videos dargestellten Kata und deren vielfältige Bunkai-Methoden aus verschiedenen Stilen recherchieren und verstehen kann – aber ich empfinde dies auch nicht als unbedingt notwendig, denn die Forschungen des BSK berufen sich nicht allein auf mich, sondern finden unabhängig voneinander statt und werden letztendlich im BSK-Dojo getestet und bewertet. Dies betrachtend wurde und wird im BSK die Erforschung einzelner alter Kata in den Aufgabenbereich der fortgeschrittenen BSK-Sensei gelegt, die auf den veröffentlichten Videos zu einem kompakten Werk zusammenfließen.

Warum vertritt der BSK/Werner Lind keinen direkten Stil eines okinawanischen Meisters?

Die Vertretung eines einzigen klassischen okinawanschen Karatestils – gleich seiner Bezeichnung – würde mir den Zugang zum “großen Topf des Karate” verwehren. Inzwischen haben auch die okinawanischen Meister eine Menge aus der Politik gelernt. Sie grenzen ihre Stile ab und lassen nur ihr eigenes Konzept für die Stilüberlieferung zu. Damit reduzieren sie den “großen Topf des Karate” auf ihre eigene Betrachtungsweise.
Das mag politisch richtig sein, aus der Tradition gesehen halte ich es für falsch. Ich werde den BSK ganz sicher nicht in eine okinawanische Stilvertretung führen (obwohl ich dafür mehrere Angebote habe, die mir damit mit Sicherheit das Leben leichter machen könnte) und nach wie vor meiner Linie treu bleiben: ES GIBT NUR EIN KARATE. Ich will keine Politik, sondern den “großen Topf des Karate”. Der BSK wird für alle Zeiten nur diese Lehre anbieten und jede politische Abgrenzung ablehnen. BSK-Karate (SKK) wird immer authentisch bleiben, ohne sich irgendeiner politischen Richtung unterzuordnen.

Warum beruft sich Werner Lind nicht auf die Lehren seiner vorausgegangenen Sensei?

Weil all meine Lehrer selbst nun im fortgeschrittenen Alter in der Hauptsache immer noch ausschließlich JKA-Karate vertreten, das ich in seinen primären Anlagen und Inhalten (natürlich aus der Sicht der Klassik betrachtet) als falsch erachte. Ich habe von meinen Lehrern das Handwerk gelernt und bin ihnen dafür dankbar. Aber ich teile nicht ihre Ansicht über Karate und schon gar nicht die Art und Weise, wie dieses unterrichtet und verbreitet werden soll. Ich unterrichte lieber weniger erfolgsorientiert, aber mit Inhalt. Karate im BSK besteht nicht aus bloßen Formen, sondern aus Inhalten. Inhalte zu verstehen, ist nicht jedermanns Sache und schon gar nichts für die Masse – aber ich will auch nicht jedermann im BSK als Mitglied. Wir wollen nur jene, die bereit sind, eine Herausforderung mit sich selbst anzunehmen und einen Weg (Do) zu gehen.

Warum polarisiert der BSK das Karate in Deutschland?

Als ich vor 33 Jahren nach Deutschland kam, hörte ich nur eine einzige Meinung über Karate: “Karate stammt aus Japan und wurde von Masatoshi Nakayama gegründet, der ein Schüler von Gichin Funakoshi war.” Hier die Aussage von Bernd Milner (6. Dan DKV) in einem Interview (1998): “Der Budo Studien Kreis ist nicht nur für mich von Bedeutung, sondern für das Budo im Allgemeinen, weil die Forschungen, die dort betrieben werden, neue Wege und Möglichkeiten eröffnen. Vor 20 Jahren, als Werner Lind in Deutschland zu unterrichten begann, war das Verständnis für klassisches Karate im DKV noch sehr gering, denn alle trainierten fast ausschließlich für den Wettkampf. Doch die Publikationen und Seminare des BSK haben mit der Zeit neue Perspektiven eröffnet – nicht nur im DKV, sondern auch in den anderen Karate-Organisationen in Deutschland. Ich selbst fahre immer gerne zu Werner Lind nach Bensheim, denn dort unterrichtet und praktiziert man in jedem Augenblick ein wahres Karate auf einem sehr hohen Niveau. So etwas ist sehr selten, denn es gibt unendlich viele Dojos, in denen man von Karatedo redet – doch meistens sind dies nichts als Worte.”
Ja, der BSK polarisiert, denn nur auf diese Weise können wir deutlich machen, dass das Karate der Föderationen sich inhaltlich komplett von der klassischen Auffassung der BSK-Lehrer unterscheidet. Diese Polarisierung bringt uns einerseits viele Freunde, aber andererseits auch viel Kritik von all jenen, die mit den BSK-Konzepten nichts anfangen wollen oder können. Selbst unsere schärfsten Kritiker beziehen jedoch einen großen Teil ihrer Karate-Ideologie aus den Veröffentlichungen des BSK.

Was bedeuten die Graduierungen im BSK und wie kommen sie zustande?

Die Graduierungen im BSK sind von jenen aus den Föderationen völlig unabhängig und beziehen sich ausschließlich auf die im Budo Studien Kreis gelehrten Systeme. Sie sind nach unseren Erfahrungen in ihrer Gesamtheit bedeutend anspruchsvoller und werden vor allem nur von dem eigenen Lehrer vergeben. Nur dieser ist in der Lage, den technischen UND geistigen Fortschrittsgrad seines Schülers zu beurteilen. Nur beide Faktoren zusammen ermöglichen eine Prüfung im BSK.
Prüfungen im BSK werden auf keinen Fall in Tokyo registriert oder von fremden Lehrern gesteuert. Für den BSK ist einzig wichtig, dass sich jeder vom BSK vergebende Kyu oder Dan überall entsprechend des ihm zugestandenen Fortschrittsgrades vertreten kann. Damit hatte der BSK auch noch nie irgendeine Schwierigkeit – ganz im Gegenteil – die vom BSK ausgebildeten Budokas werden überall entsprechend ihrer Graduierung respektiert.

Welches ist die Bedeutung des BSK in Deutschland / Europa?

Nahezu alles, was heute über den Wettkampf hinaus in den sportlichen Organisationen des Karate unterrichtet wird, war vor den Veröffentlichungen und Seminaren des BSK in Deutschland unbekannt. Hintergrundwissen über Do, die Geschichte und Tradition des Karate, die Bedeutung und Ausführung des Bunkai, Selbstverteidigung (Goshin), klebende Hände (Kakie), Greiftechniken (Tuite), Vitalpunkttechniken (Kyushojutsu), Formen der Kraft (Kime), Training am Makiwara (Makiwara) und vieles mehr wurde von den Lehrern des BSK im deutschen Karate initiiert und mit Beispielen erläutert. Bevor der BSK öffentlich zu unterrichten begann, gab es all diese Methoden im deutschen/europäischen Karate nicht.

Welches sind die hauptsächlichen Probleme des BSK?

Die Lehrer des BSK haben sehr viel gearbeitet, um die Inhalte ihres Karate auf klassischer Ebene zu erforschen und zu entwickeln. Ihr hauptsächliches Problem ist, dass die BSK-Systeme imitiert und von fremden Instruktoren als eigenständige Forschung und Erkenntnis vermarktet werden. Wir vermissen z.Z. eine ehrliche Zusammenarbeit mit manchen Fremd-Instruktoren, die jede BSK-Forschung in eigenem Sinn verwerten und als eigene Kreation vermarkten.