When you install WPML and add languages, you will find the flags here to change site language.

Shitei – Lehrer-Schüler Beziehung

Die Bezeichnung shitei bedeutet „Lehrer (shi) und Schüler (tei)“, mit shitei no kankei bezeichnet man das Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler im Ausbildungsprozess des budō. Darin bezeichnet shitei das besondere zwischenmenschliche Verhältnis der beiden zueinander, das aufgrund eines Abkommens entsteht, in dem der Schüler (deshi), verspricht, die Grundvoraussetzung für echtes Lernen zu erhalten und der Lehrer (sensei) verspricht, dem Schüler seine Lehre (oshi) zu offenbaren.
Das Zustandekommen eines solchen Abkommens ist nach alter Tradition ein heiliger Akt der in einem ersten dokusan mit der Bezeichnung shoken vollzogen wird. Ihm zugrunde liegt das unwiderrufliche Versprechen des Schülers, seinen inneren Unebenheiten (bonnō) so lange und so entschieden zu begegnen, bis ihm der Lehrer die Meisterschaft (menkyo) der Kunst bestätigt. Erst auf der Grundlage dieses Versprechens akzeptiert ein Meister eine persönliche Beziehung und erklärt sich bereit, den Schüler zu unterrichten.


Shitei im Mittelalter

In früheren Zeiten des bushidō, erwarteten die Lehrer das Bekenntnis der Lernenden zum sogenannten „inneren Schüler“ (uchi deshi), der in den „Kreis seines Hauses“ eintreten musste, um aus der Lebensweise des sensei zu lernen. In den europäischen Gilden des Mittelalters war dies nicht anders.
Wollte man im mittelalterlichen Japan die Kunst eines Meisters erlernen, formulierten sich die Bedingungen dazu, wie folgt:

•    Giri (Verantwortung): bezeichnet das Versprechen des Schülers, sich beständig um die rechte Haltung (shisei) zu kümmern, die es ihm ermöglicht, auch die hintergründigen Inhalte der Lehre zu erfassen.
•    Nesshin (Eifer): bezeichnet den ununterbrochenen Eifer und Fleiß, mit dem der Schüler durch die Verwirklichung der Haltung auf dem Weg fortschreitet.
•    Jitoku (Lernbereitschaft): mahnt den Schüler, nicht nur nachzuahmen, sondern der Kampfkunst durch seine eigene Persönlichkeit Sinn und Inhalt zu geben.


Shitei in der Moderne

Im Zeitalter der Moderne ist der klassische uchi deshi nicht mehr erforderlich, doch es gibt ihn nach wie vor, mit veränderten Inhalten. Da der notwendige permanente Kontakt zum sensei über verschiedene Kommunikationsmedien möglich ist, lebt er nicht mehr im Haus seines Lehrers, sondern ist Teil der Dōjō-Gemeinschaft, die der sensei leitet. Dort etabliert er sich in der existierenden Gruppenpyramide und zeigt dem sensei, dass er zum Lernen bereit ist.

•    Die Gruppenpyramide: Jede Dōjō-Gemeinschaft bildet eine Gruppenpyramide, in der sich die Übenden von unten nach oben anordnen. Die Spitze der Pyramide bildet der sensei, nach unten kommen die Übungsleiter und Schüler. Der höher Stehende ist stets der senpai des unten Stehenden (kōhai) und übernimmt für ihn Verantwortung.
Auf der Vertikalen der Pyramide gibt es immer auch Bewegung, die nicht grundsätzlich den Graduierungen entspricht. Manchmal kümmern sich Hochgraduierte zu wenig und werden von Niedergraduierten überholt. Denn nach wie vor bleibt es die Aufgabe aller Übenden, ihre Position auf der Vertikalen der Pyramide durch Bekenntnis, Loyalität und Bescheidenheit zu erhalten. Je nachdem, wie ihnen das gelingt unterscheiden sie sich in uchi deshi und soto deshi.
•    Uchi deshi und Soto deshi: Die Schüler (deshi) haben unterschiedliche Fähigkeiten und Ambitionen. Deshalb sind in einer Kampfkunstgemeinschaft die meisten Übenden soto deshi (äußere Schüler) und nur sehr wenige uchi deshi (innere Schüler).
Das Unterscheidungskriterium zwischen den beiden sind nicht allein ihre technischen Fähigkeiten, sondern ihr menschliches Potential. Im honbū dōjō des BSK (budōkan) gibt es ein allwöchentliches Training mit jenen Schülern, die vom sensei als uchi deshi angenommen werden. Zugelassen sind nur Schüler, die durch ihre Haltung und ihr Handeln den Anforderungen eines uchi deshi entsprechen und dies stetig unter Beweis stellen. Nimmt ihre Bereitschaft ab, müssen sie die Gruppe verlassen.
    Die Lehre: Die wohl wichtigste Eigenschaft eines Schülers in einer Lehrer-Schüler Beziehung ist Loyalität. Kein Lehrer würde einen Übenden in die Tiefen seiner Kunst einweihen, wenn diesbezüglich Zweifel bestehen. Doch es ist nicht selten, dass Übende alles bekommen und nach mehreren Jahren den Lehrer und die Lehre verraten.
Dies gilt nur dort, wo ein sensei die Kunst des budō lehrt. In den sportlichen Systemen, in denen ein Trainer das Training führt, gibt es kein Lehrsystem sondern Massenunterricht in Standardttechniken.