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Die Praxis des Hara

Entsprechend den vorausgegangenen Erläuterungen entsteht jede Aktivität im hara. Hara ist der Sitz der Seele, ein Medium aller logischen Beweggründe, Gefühle und Absichten, eine übergeordnete Leitinstanz unseres Lebens, die intuitive Erkenntnis unserer Wahrnehmung. Das Prinzip des hara ist keineswegs eine bloße philosophische Theorie, sondern wird in der praktischen Übung des budō unter den verschiedensten Aspekten unterrichtet. Nicht wer um hara weiß, weil er davon gehört oder gelesen hat, kann unterrichten, sondern nur der, der hara verstanden hat – der sensei. Auch wenn der Schüler manche von dessen Übungsanleitungen nicht gleich als Lehre über hara identifiziert, steht doch alles, was ein echter sensei unterrichtet, immer im Ausdruck von hara.

Yōi – Die Entwicklung der Bereitschaftshaltung

Yoi-Bereitschaftshaltung

Yōi – die Bereitschaftshaltung

Die Entwicklung von vitaler Energie (ki) beginnt immer im Körper (Rumpf). Ki wird vom hara ausgehend in die Extremitäten gelenkt. Das Sich-Befinden in der persönlichen Mitte (naka), die auf einer vertikalen Achse zentriert, mit entspannter Stärke und Aufmerksamkeit gefüllt ist und in ruhiger Atmung verharrend die vitalen Kräfte sammelt, kontrolliert und lenkt, bildet die erste Voraussetzung zur Entwicklung von kime in den atemi waza. Dieses konzentrierte Verharren in der eigenen Persönlichkeitsmitte erzeugt das Gefühl von präsenter Stärke des GANZEN. Es ist die Grundlage der stabilen Körperhaltung in den Ständen und organisiert sämtliche Spannungsverhältnisse auf der vertikalen Achse des Körpers. Sie sollte schon in der Bereitschaftshaltung (yōi) geübt und später in alle Stände, Bewegungen und Techniken übertragen werden.
Die Entwicklung, Kontrolle und Lenkung der vitalen Energie (ki) beginnt vor der Ausführung der Technik bereits in der Positionierung des Körpers in Stand und Stellung. Folgendes ist zu beachten:

    Die Zehen greifen den Boden, die Beine bleiben in den Knien locker, aber stabil. Man stellt sich vor, dass Energie über den Punkt yongquan am Fußballen aus dem Boden gezogen wird und sich im hara sammelt. Dazu bedarf es keiner willentlichen Spannung, man „fühlt sich im hara stark“ und füllt diesen mit Konzentration.
•    Die Kopfspitze (baihui) wird etwas nach oben gestoßen (damit die Atmung frei fließen kann), die Schultern sind entspannt, die Wirbelsäule wird aufgerichtet. Der Oberkörper ruht völlig entspannt auf einer vertikalen Achse im hara. Ebenso, wie man einen aufrechten Stock auf der Hand balanciert, trägt der mit Energie gefüllte hara den entspannten Oberkörper in einem perfekten Gleichgewicht.
    Die Atmung geht ruhig und tief und sammelt durch Bewusstseinskonzentration die Energie (ki) im hara. Dieses Sammeln und Halten von vitaler Energie im hara, ist die Grundlage zur Entwicklung von kime in der auszuführenden Technik des karate. Im Fall von Kime-Übertragung auf ein Ziel wird immer ausgeatmet. Gleich, ob es sich um Techniken mit den Armen oder den Beinen handelt, das Prinzip bleibt immer dasselbe.
    Der Oberkörper bleibt auch in der Bewegung immer aufrecht, weich und im hara zentriert. Die aus dem „Ich-Wollen“ entstehenden Spannungen im Schulterbereich müssen durch „Vertrauen und Lassen“ zur Körpermitte abgesenkt werden. Entscheidend dafür sind nicht „hohe“ oder „tiefe“ Stellungen, nicht die „Kraft aus der Hüfte“ und auch keine „Konditionierung des Körpers“ (obwohl das alles wichtig sein kann, wenn das Grundlagenprinzip beachtet wird), sondern die persönliche innere Haltung in der Übung des karate.