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Zum zweiten Punkt der Dojokun

Die kaisetsu sind kontemplative Leitregeln durchs Leben, die dem Kampfkunstübenden helfen, sich selbst zu betrachten um die rechte Haltung (shisei) für alle Lebenslagen zu finden. Untenstehend ordnen wir einige wenige dem zweiten Punkt der dōjōkun zu:

2. Verteidige die Wege der Wahrheit

2.    Das Verhältnis des Übenden zur Welt (Sei aufrichtig, loyal und zuverlässig) – Achte das Leben, deine Kunst und den anderen Menschen. Pflege gegenseitige Beziehungen mit ehrlicher Gesinnung und vermeide Haltungen, durch die du in Frage gestellt werden kannst. Stehe zu deiner Verantwortung und pflege den Geist der Freundschaft.


  • Fugen jikkō 不言実行 (Lass deine Handlungen für dich sprechen).
    Manche Menschen diskutieren ohne Inhalt und theoretisieren an jeder Wirklichkeit vorbei. Darin liegt kein Sinn, denn ohne Erkenntnis hat Wissen keinen Wert. Einer Aussage muss eine durch Arbeit erreichte Erkenntnis zugrunde liegen und nicht eine unverbindliche Theorie. Viele Menschen berufen sich jedoch auf das Besserwissen oder auf Theorien über unverstandene Dinge. Pauschalweisheiten sind einfacher und daher eher realisierbar als Erfahrungswerte.
    Trotzdem gibt es für niemanden ein Hindernis, sich selbst in seiner Handlung zu erkennen. Das einzige Hindernis dazu liegt in einem Bewusstsein, dass das Leben mit einem Schauspiel verwechselt wird, in dem der Einzelne sich in leeren Theorien ohne Denken und Handeln produzieren kann. Diese Haltung hat keinen Bestand vor anderen und wird stets stillschweigend belächelt. Den fähigen Menschen erkennt man an seinen Handlungen.
  • Wazawai wa ketai ni shōzu 禍は懈怠に生ず (Unglück geschieht immer durch Unachtsamkeit).
    Der vom Menschen unbewachte Augenblick ist der schlimmste Feind seiner Ziele. Nahezu jede Art von Unglück geschieht, weil der Mensch in der entsprechenden Situation nicht richtig konzentriert ist oder weil ihm die entscheidende Intuition fehlt, durch die er die Lage richtig einschätzen könnte. Manche Menschen scheinen daher ewig vom Pech verfolgt. Sie erreichen nur selten ein Ziel, weil sie das Rechte zum rechten Augenblick nie erkennen, und während sie über verlorene Chancen nachdenken, übersehen sie die Chancen der Gegenwart. In dieser unsensiblen Haltung für die Zeichen ihrer Umgebung, werten sie nur objektiv Sichtbares und kombinieren es zu einer fiktiven Wirklichkeit. Blind und taub reagieren sie nicht auf das, was tatsächlich ist, sondern auf das, was sie denken, das sein müsste. Wenn man sicher sein will, dass alles misslingt, braucht man nur immer unachtsam zu sein.
  • Dōjō no mi no karate to omou na 道場のみの空手と思うな (Karate findet nicht nur im dōjō statt).
    Ein budōka sollte nicht denken, dass die Übung im dōjō wichtiger wäre als die Übung seiner alltäglichen Haltung. Viele Schüler konzentrieren sich nur auf die ihnen wichtig scheinende Technik und vergessen die Übung der Bereitschaft und des Miteinanders gegenüber der Budō-Gemeinschaft. Dadurch erkennen sie bedeutende Zusammenhänge der Budō-Übung nicht, und während sie um den von ihnen gewünschten Fortschritt kämpfen, gehen sie am rechten Weg vorbei. Sie stellen sich überheblich über das, was sie als weniger wichtig betrachten, und merken nicht, dass dadurch eine Haltung entsteht, die ihren Wegfortschritt verhindert.
    Unabhängig von der Meinung, die jeder von sich selbst hat, zählt im budō nur jener Wert, den ein Übender in der Gemeinschaft bezeugt. Wird ein solcher Wert sichtbar, wird er eine Resonanz der Achtung und Anerkennung hervorrufen. Die Überheblichkeit hingegen bedarf keiner Übung, denn sie ist in jedem unfertigen Menschen als feste Größe angelegt. Sie zu überwinden und sich in den Dienst des Gesamten zu stellen, führt zum Fortschritt auf dem Weg.
    Wenn Übende dies nicht beachten und sich auf einen Eigenwert berufen, der sich vor anderen nie beweist, wird ihre Kampfkunstübung wertlos. Menschen, die sich selbst überschätzen, erschweren anderen die Bemühung um Integrität und Harmonie in der Budōgemeinschaft. Sie stören durch ihr Verhalten beständig das Gleichgewicht der Gemeinschaft, das durch die erhöhte Hingabe der anderen wieder hergestellt werden muss. Die einzig durch den persönlichen Einsatz Einzelner entstehenden Voraussetzungen einer guten Budō-Gemeinschaft nehmen sie als Selbstverständlichkeit für sich in Anspruch und missachten dadurch das Prinzip des dōjō und all jene, die mit ehrlicher Zuwendung am Erhalt seiner Werte arbeiten.
    Deshalb sind diejenigen, die ihren Grad nur durch Technik erreicht haben, für die Kampfkünste und für die Gemeinschaft wertlos. Sie können nicht erkennen, dass ihr Status nur auf Kosten jener möglich ist, die bereit sind, Verantwortungen anzunehmen und zu tragen. Gäbe es diese Menschen nicht, gäbe es auch kein budō. Sie sind dank ihrer Haltung wirklich wertvoll, und sie allein verdienen es, als Fortgeschrittene bezeichnet zu werden.