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zum ersten Punkt der Dojokun

Die kaisetsu sind kontemplative Leitregeln durchs Leben, die dem Kampfkunstübenden helfen, sich selbst zu betrachten um die rechte Haltung (shisei) für alle Lebenslagen zu finden. Untenstehend ordnen wir einige wenige den ersten Punkt der dōjōkun zu:

1. Suche nach der Vervollkommnung deines Charakters

1.  Das Verhältnis des Ubenden zu sich selbst (Suche die Vervollkommnung deines Charakters)
Bemühe dich nicht nur um deinen Körper, sondern begegne deinen inneren Unebenheiten mit derselben Kraft, wie du im Training lernst, äußere Schwierigkeiten zu überwinden.


  • Kenjō no bitoku 謙譲の美徳 (Wahre Stärke kommt durch Demut).
    Das Lebensziel vieler Menschen besteht im Streben nach Macht und Position, mittels derer sie sich durchsetzen und über andere herrschen wollen. Nur wenige fragen dabei nach Maß und Verantwortung – viele sind dagegen nur am praktischen Vorteil interessiert. Auch in der heutigen Zeit bemühen sich die Menschen darum, in irgendeiner Weise die Ausnahme zu sein, sich im Überschreiten einer Norm vom Durchschnitt abzuheben, um dadurch Vorteile zu erreichen. Persönliche Integrität als Wert spielt dabei kaum eine Rolle.
    Dabei unterscheiden sich ein Schläger oder Raudi nur durch die Methode von manch hohem Beamten, Politiker oder Manager, der in derselben primitiven Gesinnung die Macht zur Verwirklichung seines persönlichen Größenwahns gebraucht.
    In dieser Gesinnung gibt es kein menschenwürdiges Wachsen, sondern lediglich den triebhaften Missbrauch von Macht, den der Mensch im Verlauf seiner Evolution längst überwunden haben sollte. Seit Menschengeschichte geschrieben wird, sind alle Gesellschaftsformen an charakterlichen Defiziten der Machthaber gescheitert und führten zum inneren Verfall oder zum Krieg, denn nie verstanden sie dauerhaft ihre Habgier zu überwinden und der Gesellschaft zu dienen.
    Stärke und Demut entstehen erst durch den Kampf gegen das Ich und führen zu der Erkenntnis, dass wir mit allem Lebendigen naturgemäß verbunden sind. Diese Erkenntnis macht uns bewusst, wie klein und unbedeutend wir einerseits sind und wie gefährlich wir andererseits sein können, wenn wir die Verantwortung für unser Handeln ablehnen. Demut beweist der Mensch, in dem er die Welt bewundert und dankbar dafür ist, in ihr leben zu dürfen.
    Im Kleinen sind auch übermäßiges Lautsein, Angeberei, Arroganz und Maßlosigkeit Merkmale eines Menschen, dem es an Demut fehlt. Sie wirken in jeder seiner Handlungen mit und beeinflussen im Kleinen wie im Großen das Leben in der Welt. Sie sind weder harmlos noch ungefährlich, sondern ein Zeugnis dafür, wie der Mensch in vermeintlich persönlicher Unschuld zu jener Kettenreaktion von lebensbedrohlichen Wirkungen beitragen kann, für die kein einzelner, sondern nur die Summe der einzelnen verantwortlich ist. Die Übung des budō macht darauf aufmerksam.