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Das Dōjō – Der Übungsort

Dōjō – Der Ort des Weges

Definition des Dōjō 道場

KamizaZu jedem Lehrer gehört ein dōjō. Ein dōjō ist der Ort (), an dem der Weg () gelehrt wird, was für jedesMitglied ein Symbol der Achtung und der Beziehungstiefe zu seiner Kunst symbolisiert.
Kein sensei würde ein dōjō als bloßen Trainingsraum bezeichnen. Für ein Mitglied ist sein dōjō eine Stätte der Meditation und Konzentration, ein geehrter Ort der Übung, des Lernens, der Kontemplation, der Freundschaft und des gegenseitigen Respekts. Es ist mehr als nur ein Begriff. Das dōjō steht symbolisch für den Weg ().
Was die Zehn Gebote im Christentum oder die sūtra im Buddhismus, ist in den Kampfkünsten die dōjōkun. Sie besteht im BSK aus fünf übergeordneten Leitsätzen und vielen weiterführenden Anleitungen (kaisetsu) und regt den Übenden zur Kontemplation und zum philosophischen Denken an.

 

Budokan_Dojo

Übungsraum im Budokan


Zusammensetzung eines Dōjō

Ein dōjō ist keineswegs nur eine Sporthalle oder ein Übungsraum. Für ernsthaft Übende ist das dōjō ein zweites Zuhause, eine Anlaufstelle für alle Situationen des Lebens. Es ist weder eine Gaststätte, noch ein Jugendtreff, es ist das Zuhause aller Budō-Übenden. Die Budō-Gemeinschaft kann ohne das richtige Verständnis ihres dōjō nicht verwirklicht werden.
Entsprechend fühlen sich alle Mitglieder für ihr dōjō verantwortlich. Sie benutzen es nicht nur, sondern pflegen und erhalten es. Die wichtigsten Komponente eines dōjō sind folgende:

• Übungsraum: Der Übungsraum (in manchen Anlagen gibt es mehrere Übungsräume) unterteilt sich in shōmen (vordere Seite, auf der sich kamiza, ein Schrein befindet); shimoza (untere Seite, auf der gewöhnlich der Eingang zum dōjō ist), shimoseki (unterer Platz, auf der sich die Schüler aufstellen) und jōseki (oberer Platz, die Seite der Lehrer). Die Schüler ordnen sind entsprechend ihrer Graduierung von rechts nach links an, die Lehrer befinden sich ihnen gegenüber auf der oberen (jōseki) Seite des dōjō.
• Aufenthalsraum: Ein dōjō besteht jedoch nicht nur aus einem Übungsraum. Notwendig ist auch ein Aufenthaltsraum, in dem sich die Mitglieder versammeln und miteinander austauschen können. In diesem finden Vorlesungen, Gespräche, Kunstaktivitäten oder einfach nur gemütliches Beisammensein statt.
In jenen dōjō, in denen keine Möglichkeit zu einem Aufenthaltsraum besteht, wird nach dem Training der Übungsraum in einen solchen umfunktioniert, oder der sensei initiiert regelmäßig gemeinsame Zusammenkünfte außerhalb des dōjō mit seinen Schülern. Mindestens einmal in der Woche sollen solche Begegnungen stattfinden. In ihnen wird ein Bewusstsein geschaffen, durch das – und nur durch das – ein Übender wachsen kann. Erst durch gemeinsame Gespräche nimmt er Teil am Ganzen, kann Verantwortungen erkennen und sich in seiner Kunst orientieren.
• Weitere Anlagen: Je nach Möglichkeit gibt es in einem dōjō noch viele weitere Komponente (sanitäre Anlage, Bibliothek, Computer, Küche, u.a.) die den Mitgliedern helfen, ihren Aufenthalt und ihre Studien sinnvoll zu gestalten.

Erst durch die Kompexität eines dōjō kann die notwendige Budō-Gemeinschaft entstehen, die ihren Mitgliedern ein „Zuhause“ für ihre Wegübung ermöglicht.


Arten der Dōjō

In allen Systemen des budō gibt es eine zentrale Heimatschule (honbu dōjō), in dem die Lehrinhalte der Stilkonzepte unterrichtet und orientiert werden und mehrere angebundene Schulen (shibu dōjō), die die Auffassung der Gesamtlehre vertreten. Zusammen bilden sie die Budō-Gemeinschaft des gemeinsamen Konzeptes.

Honbu dōjō

Das honbu dōjō ist das zentrale dōjō eines Stils (ryū) oder eines Stilzweiges (ryū ha) in dem in der Regel der Stilgründer (sōke) oder der Stilvorstand (shihan) lebt. Das honbu dōjō ist das Zentrum für Weiterbildung und Fortschritt aller höheren Grade und gleichzeitig der Maßstab für ihre Graduierungen. Aus dem honbu dōjō wird die hauptsächliche Lehrauffassung des Stils vorgegeben – daher ist es für die Fortgeschrittenen und Lehrer eines Stils von höchster Bedeutung, einen intensiven Kontakt zu ihrem honbu dōjō aufrecht zu erhalten.

Shibu dōjō

Das shibu dōjō bezeichnet eine „Filiale” und meint ein auswärtiges, aber in jeder Hinsicht eigenständiges dōjō, das an ein honbu dōjō angeschlossen ist. Den Lehrer (sensei) eines solchen dōjō nennt man shibuchō. Er vertritt die Lehrauffassung seines honbu dōjō, da er entweder dort in einer Lehrer-Schüler Beziehung (shitei) steht oder im Fall von hohen Graduierungen (kyōshi und hanshi), die Tradition seines Lehrers fortsetzt.