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Interviews mit BSK-Freunden

Interview mit Ferdinand Mack

(Kickbox-Weltmeiser)
von Simona Marincu (Rumänisches Staatsfernsehen, 1999)

Copyright: Budo Studien Kreis

Ferdinand Mack, die Legende des internationalen Vollkontakt-Karate (er hält die meisten Weltmeistertitel und steht in der Rangliste vor Bill Wallace und Chuck Noris), wurde 1959 geboren. Er ist Mitglied der WAKO und Nationaltrainer für Vollkontakt-Karate in Deutschland. Mack ist vielfacher Deutscher Meister und war im internationalen Wettkampf der erfolgreichste Vollkontakt-Kämpfer aller Zeiten. Er begann sein Kampfkunsttraining 1975 im Karate, wechselte aber 1978 zum Kick-Boxen. Nach einer beispiellosen Karriere (er ist 5facher Weltmeister im Vollkontakt) beendete er 1997 seine beeindruckende Laufbahn als Wettkämpfer mit einem Sieg über den Weltmeister des Konkurrenzverbandes WKA, Frank Scheuermann, in der ersten Runde mit k.o. Im Laufe der Jahre errang Mack 75 Siege, erlitt 5 Niederlagen und ein Unentschieden.
Dieser außergewöhnliche Kampfkünstler ist auch Mitglied im Budo Studien Kreis und wurde während einer seiner zahlreichen Aufenthalte in den Räumen des Budokan (Hombu-Dojo des BSK) in Bensheim von einem Frage interviewt. Untenstehend geben wir dieses Inteview wieder:

•    Simona: Wollen Sie uns etwas über Ihre Anfangszeit in der Welt der Kampfkünste erzählen?
Ferdinand Mack: Ich begann 1975 mit dem Training im Shotokan-Karate, weil ich die Methoden der Selbstverteidigung erlernen wollte, wechselte aber dann zum Kickboxen.

•    Simona: Warum haben Sie sich für das Kickboxen entschieden?
Ferdinand Mack: Meine ersten Lehrer unterrichteten Karate und Kickboxen. Ich begann mich für den Wettkampfaspekt dieses Sportes zu interessieren und fand diesen im Kickboxen besser und realistischer vertreten als im Karate.

•    Simona: Welches ist der Unterschied zwischen Kickboxen und den anderen Kampfkünsten?
Ferdinand Mack: Kickboxen ist ein ausschließlicher Wettkampfsport, während andere Methoden des Budo verschiedenene weitere Inhalte haben. Obwohl viele auch Wettkampf betreiben, erschienen mir ihre Methoden nicht wirklich geeignet, um einen Gegner zu besiegen.

•    Simona: Sie sind auch Mitglied im Budo Studien Kreis, in dem ausschließlich klassisches Karate unterrichtet wird. Warum trotzdem diese Verbindung?
Ferdinand Mack: Das ist etwas anderes! Seit längerer Zeit bin ich Mitglied im Budo Studien Kreis, was ich als eine besondere Ehre ansehe. Da es hier eine Ansammlung von vielen fortgeschrittenen Budo-Sensei aus verschiedenen Disziplinen gibt, erhoffe ich mir von dieser Verbindung die Möglichkeit, tiefer in die Welt der Kampfkünste einzudringen, als mir dies bisher möglich war. Hier wird kein Wettkampf gemacht, sondern Budo. Außerdem interessieren mich die Inhalte anderer Stile, und das habe ich bislang nirgends sonst auf diese Weise gefunden.

•    Simona: Zurück zum Kickboxen. Sagen Sie uns bitte, welches die wichtigsten Ereignisse Ihrer Karriere waren, und welches sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Persönlichkeiten des Kickboxens?
Ferdinand Mack: Die wichtigsten Ereignisse für mich waren die Siege zu meinen 4 Weltmeistertiteln im Amateurbereich und selbstverständlich der Weltmeistertitel bei den Profis. Die größte Persönlichkeit im Kickboxen ist für mich Georg F. Brückner aus Berlin, der das Kickboxen erfunden hat. Sicher gibt es auch weitere Persönlichkeiten dieses Sportes, die ich hoch achte, aber hier nicht alle nennen kann.

•    Simona: Wie trainieren Sie?
Ferdinand Mack: Mein Training ist sehr breitgefächert und abwechslungsreich. Aber der Hauptpunkt liegt klar auf der körperlichen Kondition, erst zwei oder drei Monate vor einem Wettkampf beginne ich Technik und Taktik zu üben.

•    Simona: Welches war der Grund für Ihren weltweit beispiellosen Erfolg?
Ferdinand Mack: Ich glaube, es war die Regelmäßigkeit, mit der ich immer wieder die schwierigsten Traininge absolvierte. Ich war einfach immer im Training. Auch ich habe nur zwei Hände und zwei Füße, ebenso wie jeder andere Kämpfer, aber Disziplin und positives Denken können sehr viel bewirken.

•    Simona: Warum nennen Sie sich „Superman“?
Ferdinand Mack: Dies ist ein Künstlername, der mir gegeben wurde (im Kickboxen ist so etwas üblich). Er rührt von meinem alten Hobby her, Comic-Hefte über Superman zu sammeln und zu lesen. Dies mache ich seit vielen Jahren, und auch heute ist dies eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Später habe ich Superman auch für das Emblem meiner Schule ausgesucht und auch für meinen Künstlernamen als Kämpfer. Superman ist für mich einfach der Größte.

•    Simona: Was war Ihr größter Erfolg und welches war Ihre bitterste Niederlage?
Ferdinand Mack: Das ist schwer zu sagen… Jeder Erfolg ist ein großer Erfolg und jede Niederlage ist eine schwere Niederlage. Dennoch glaube ich, dass mein größter Erfolg der Sieg über den Konkurrenzweltmeister Frank Scheuermann (WKA) war, einen Kampf, den ich nach 40 Sekunden mit K.O. gewann. Obwohl dies kein offizieller Titelkampf war, war der Sieg für mich wichtig, weil ich in einem vorausgegangenen Kampf gegen Scheuermann nach Punkten verloren hatte. Ich war beim Revance-Kampf gegen Scheuermann bereits 38 Jahre alt und es war mein letzter Kampf als Profi. Daher war der Sieg für mich sehr wichtig.
Doch dasselbe kann man auch über Niederlagen sagen. Jede Niederlage tut weh, doch ich erlitt in meiner Laufbahn nur 5 Niederlagen, so dass ich damit keine allzu großen Probleme habe. Dennoch habe ich aus jeder Niederlage versucht zu lernen und glaube, dass sie alle für meine Weiterentwicklung wichtig waren.

•    Simona: Wie hat sich das Kickboxen über all die Jahre aus Ihrer Sicht entwickelt? Halten Sie die Entwicklung für gut oder für schlecht?
Ferdinand Mack: Ich betreibe Kickboxen seit 1978, d.h. seit mehr als 20 Jahren und habe festgestellt, dass es in meiner Anfangszeit weit bessere Techniken gab. Im Laufe der Jahre wurde Kickboxen immer mehr zum Boxen, die Fußtechniken wurden aus Sicherheitsgründen (sie sind viel trainingsintensiver als Boxtechniken) immer mehr vernachlässigt. Zur Zeit hat das Vollkontakt einen großen Aufwind, aber die ausgezeichneten Techniker der Vergangenheit fehlen und machen Kämpfern mit Sicherheitsdenken Platz, die für die Zuschauer unatraktiv sind. Die großen Techniker meiner Zeit würden das heutige Kickboxen mit Leichtigkeit dominieren.

•    Simona: Sie sind Nationaltrainer für Vollkontakt in Deutschland. Können Sie uns sagen, welches die bedeutendsten Kämpfer der Gegenwart in Deutschland sind?
Ferdinand Mack: Seit mehr als 10 Jahren bin ich Nationaltrainer der WAKO für Vollkontakt in Deutschland, doch ich muß leider eingestehen, dass das Vollkontakt-Karate immer mehr zum Semikontakt-Karate neigt, weil es immer weniger Kämpfer gibt, die die letzte Herausforderung annehmen wollen. Im Kickboxen der letzten Jahre wurden pausenlos neue Disziplinen gegründet, heute gibt es Nonkontakt, Semikontakt und Vollkontakt, auf internationaler Ebene kommt der Kampf mit Lowkicks hinzu – all das teilt die einst vereinte Familie des Kickboxens in viele Gruppierungen. Dies ist auch der Grund, warum wir keine echten Vorbilder wie früher mehr haben – keine Stars, die als Beispiele für ausgezeichnete Kämpfer dienen können. Heute spekuliert jeder, wie er am besten abschneidet, alles ist Routine geworden und selbst ein Weltmeister bedeutet heute nicht mehr dasselbe wie früher.

•    Simona: Im November 1998 hielten Sie ein Kickbox-Seminar in Rumänien. Können Sie uns sagen, was Sie dazu veranlaßt hat, gerade die Einladung der Rumänen zu akzeptieren, wo Sie doch sonst fast an jedem Wochenende in West-Europa unterrichten?
Ferdinand Mack: Das war keine direkte Einladung der Rumänen, sondern mein Freund Werner Lind hatte mich darum gebeten. Da ich immer für neue Erfahrungen offen bin, fuhr ich mit einem anderen Bundestrainer der WAKO, Werner Sossna, mit dem Zug nach Timisoara. Wir wußten nicht, was uns dort erwartet, aber wir wurden gut aufgenommen und die dortigen Organisatoren Dan Deac, Ion Oprut und Ion Oprescu haben sich alle Mühe gegeben uns trotz der existenten schlechter Bedingungen das Beste zu bieten. Die Begegnung mit den dortigen Kampfkünstlern war eine positive Erfahrung, ihr Niveau unerwartet hoch und ich werde sicher in diesem Land noch mehrere Seminare geben. Vielleicht schon in diesem Sommer, falls ich es terminlich schaffe, mit Werner Lind und Bernhard Milner im Juli 1999 nach Rumänien zu fahren.

Ferdinand Mack
Eschkopfstraße 8
68163 Mannheim
Tel: 06251-825054
www.supermack.de/index.html


Interview mit Bernhard Milner

(8. dan, DKV-Sensei)
im rumänischen Staatsfernsehen

Copyright: Budo Studien Kreis

Bernhard Milner ist ein bekannter deutscher sensei des shōtōkan karate. Er wurde 1949 in Bochum geboren und ist ein Schüler der Maester Hirokazu Kanazawa und Hideo Ochi. Heute zählt er zu den wichtigsten Lehrern des karate im DKV.
Bernhard Milner ist der einzige deutsche karateka, der mehrfacher deutscher Meister im kumite und kata war. Zur Zeit ist er mit dem 6. Dan graduiert. Zu seinen vielen Erfolgen im Wettkampf zählen mehrere nationale und europäische Titel in kata und kumite und ein dritter Platz bei den WUKO-Weltmeisterschaften 1973 in Tokyo. Er ist Inhaber der DKV A-Lizenz für Trainer, für Prüfer und für internationale Kampfrichter. Außerdem ist er einer der gefragtesten karate sensei in Deutschland und Europa und unterrichtet fast an jedem Wochenende auf Seminaren.
Vom 23 – 25 Juli 1999 hält Bernhard Milner ein Seminar für den rumänischen Karateverband in Timisoara und wurde zu diesem Ereignis von einem Frage des rumänischen Fernsehteams befragt.

•    Frage: Herr Milner wann und wo sind sie geboren und wie kamen sie zu den Kampfkünsten?
Bernhard Milner: Ich wurde am 6.1.1949 in Bochum geboren. Mit dem Kampfkunsttraining (Karate) begann ich als ich 16 Jahre alt war. Damals schloß ich gerade meine Lehre als Mechaniker ab und wollte mich in einem Judo-Dojo einschreiben. Einen Tag bevor ich die Unterschrift leisten wollte, hörte ich von einem Karate-Club in Bochum.1965 war Karate noch nicht sehr bekannt. Die mysteriösen Geschichten, die man sich über diese Kampfkunst erzählte, faszinierten mich und noch an demselben Tag begann ich dort mit dem Training. Noch heute bin ich genau so fasziniert vom Karate wie damals.

•    Frage: Wer waren Ihre Lehrer?
Bernhard Milner: Meine Hauptlehrer waren Hirokatsu Kanazawa und Hideo Ochi. Mit ihnen hatte ich eine langjährige Lehrer/Schüler Beziehung aber ich lernte auch von anderen Lehrern, wie z. B. von Tetsuhiko Asai, der mich letztendlich mit dem 6. Dan graduierte. Oft war ich in Japan und habe dort die großen Budo-Center besucht. In meiner mehr als 30jährigen Laufbahn habe ich viele Lehrer gehabt.

•    Frage: Viele Jahren lang haben Sie Wettkampf-Karate ausgeübt. Welches waren Ihre größten Erfolge?
Bernhard Milner: Neben mehreren Titeln als Deutscher Meister in Kata und Kumite war ich zweimal europäischer Vizemeister in Kata und 1973 belegte ich den dritten Platz in Kata-Shiai bei den WUKO-Weltmeisterschaften in Tokyo.

•    Frage: Sie sind Mitglied der größten deutschen Organisation für Karate (DKV) und dort einer der wichtigsten Lehrer. Welche Bedeutung hat dies für Sie?
Bernhard Milner: In dieser Organisation kann ich meine Träume und Vorstellungen verwirklichen. Ich war immer an Kata und Kumite interessiert, doch in den letzten Jahren richtete ich meine Aufmerksamkeit mehr auf die gesundheitlichen Aspekte des Karate, eine Orientierung, die ich heute mit einem eigenen Programm im DKV vertrete.
1998 gründete ich dieses Programm für Gesundheit durch Karatetraining. Es ist nicht schwierig und kann von Anfängern und Fortgeschrittenen ausgeführt werden.

•    Frage: Können Sie uns etwas über Ihre Aktivitäten im DKV erzählen?
Bernhard Milner: Neben den Lehrgängen für kata, kumite und taktische Vorbereitung, die ich fast an jedem Wochenende in ganz Deutschland abhalte, bin ich auch einer jener sensei, die auf dem danshakai des DKV unterrichten. Die danshakai sind die höchsten Ausbildungs-Lehrgänge für Dan-Grade des DKV (ab 3. Dan). Manchmal unterrichte ich auch auf internationalen Lehrgängen, wie unlängst mit Carlo Fugazza zusammen. Darüberhinaus beschäftige ich mich natürlich intensiv mit dem Gesundheitsprogramm, das ich oben erwähnte. In diesen Seminaren, an denen jeder teilnehmen kann, unabhängig von seiner Graduierung, lehre ich klassische Techniken des Shiatsu, die positive Stimulation der Vitalpunkte, vorbeugende Gesundheitsmaßnahmen, Selbstmassage, Aufwärmung durch Meridian-Stimulationen usw. Seit diesem Jahr wurde dieses Programm offiziell in den Lehrplan des DKV aufgenommen.

•    Frage: Sie sind z.Z. mit dem 6. Dan graduiert, die höchste Graduierung des shōtōkan karate im DKV. Wer außer Ihnen sind weiteren wichtigen Lehrer für shōtōkan karate im DKV?
Bernhard Milner: Neben den Nationaltrainern des DKV, Toni Dietl, Efthimios Karamitsos und Günter Mohr, möchte ich noch Wolf Dieter Wichmann, Albrecht Pflüger und Franz Bork nennen. Aber selbstverständlich gibt es noch weitere wichtige Lehrer im DKV.

•    Frage: Können Sie uns etwas über den DKV erzählen?
Bernhard Milner: Der DKV ist die größte Karate-Organisation in Deutschland und bietet daher die meisten Fortbildungsmöglichkeiten. Neben dem Wettkampf-Karate hat der DKV auch eine eigene Gruppe hochgraduierter Sensei, die in der Lage sind sowohl klassisch auch als sportlich zu unterrichten. Darüber hinaus bietet der DKV auch Selbstverteidigungslehrgänge, sowie Weiterbildungslehrgänge für Trainer und Übungsleiter. Diese werden an jedem Wochenende angeboten und werden von hochgraduierten DKV-Sensei oder von Gast-Sensei geführt.

•    Frage: Sie sind auch Mitglied im Budo Studien Kreis von Werner Lind. Wie kam es dazu?
Bernhard Milner: Im Jahre 1992 nahm ich mit Werner Lind zum ersten Mal telefonisch Verbindung auf, weil ich mir von ihm die Lösung einiger Probleme versprach, die für mich seit längerer Zeit wichtig waren. Während dem Gespräch bot er mir sein unfertiges Manuskript „Die klassische Kata“ (heute im Handel) an. Solche Gesten sind selten und sein Vertrauen hat mich beeindruckt. Seit jener Zeit pflegen wir ein echtes Freundschaftverhältnis miteinander und stehen in permanenter Verbindung. Im Laufe der Jahre haben wir uns oft gegenseitig geholfen.

•    Frage: Welche Bedeutung hat für Sie der Budo Studien Kreis?
Bernhard Milner: Der Budo Studien Kreis ist nicht nur für mich von Bedeutung, sondern für das budō im Allgemeinen, weil die Forschungen, die dort betrieben werden, neue Wege und Möglichkeiten für uns alle eröffnen. Vor 20 Jahren, als Werner Lind in Deutschland zu unterrichten begann, war das Verständnis für klassisches Karate im DKV noch sehr gering. Es gab keinerlei weiterbildende Informationen und alle trainierten ausschließlich für den Wettkampf. Doch die Publikationen und Seminare des BSK haben mit der Zeit neue Perspektiven eröffnet – nicht nur im DKV, sondern auch in den anderen Karate-Organisationen in Deutschland und Europa.
Ich selbst fahre immer gerne zu Werner Lind nach Bensheim, denn dort unterrichtet und praktiziert man in jedem Augenblick ein wahres Karate auf einem sehr hohen Niveau. Soetwas ist sehr selten. Es gibt unendlich viele dōjō, in denen man von karatedō redet – doch meistens sind dies nichts als Worte.

•    Frage: Im Juli 1999 geben Sie ein Seminar auf dem Balkan. Wie kam es dazu?
Bernhard Milner: Werner Lind hat mich gefragt, ob ich das machen möchte und ich habe akzeptiert. Ich mache dort ein Seminar für Wettkampf-Karate und lege den Akzent auf Kata- und Kumite-Shiai. Werner Lind meinte, dass die Sensei von dort an den neuesten Standards des Wettkampfes interessiert sind. Mit mir zusammen auf dem Balkan befindet sich gleichzeitig eine Gruppe von Sensei des Budo Studien Kreises unter der Leitung von Werner Lind, die an mehreren anderen Orten ein Seminar über Klassik-Karate geben. Ich selbst unterrichte in Timisoara/Rumänien im Auftrag des Rumänischen Karateverbandes und einer der BSK-Lehrer, wahrscheinlich Christian Lind (6. Dan), wird mir dort assistieren.
Mein Seminar findet zwischen dem 23. – 25. Juli in Timisoara statt. Kontaktadresse ist: Dan Deac (0040-56-214194). Außerdem ist ein Live-Sendung über karate im rumänischen Fernsehn geplant, wo ich zusammen mit Werner Lind eingeladen bin.

•    Frage: Sie sind ein bekannter Shiatsu-Lehrer. Welche Verbindung hat Shiatsu zu den Kampfkünsten?
Bernhard Milner: Nach meiner Meinung ist der Gesundheitsaspekt für das Karate-Training von größter Wichtigkeit. Shiatsu ist eine japanische Heilmethode, die auf der Massage der Vitalpunkte basiert. Durch sie können Krankheiten geheilt oder vorgebeugt werden. Shiatsu unterstützt die natürlichen Heilmethoden, indem es die Fähigkeit des Orgnismus zur Selbstheilung aktiviert. Dieselbe Methode kann auch zum Zwecke der physischen und psychischen Entspannung angewendet werden.
Wenn die Vitalpunkte und ihre Wirkungen bekannt sind, können sie jederzeit im Selbstverfahren positiv stimuliert werden. Dafür gibt es auch Methoden der Atmung, der Bewegung usw. Die Kenntnis von dieser Kunst verhilft uns zu einem langen und gesunden Leben. Dies ist der Grund, warum die Karate-Meister der Vergangenheit fast 100 Jahre alt geworden sind.

Bernhard Milner
Holzstraße 55
44869 Bochum
Tel: 02327-77879
Homepage:

veranstaltet Seminare für Shotokan-Karate und Shiatsu


Interview mit Rolf Brand

(8. dan, DAB- Sensei)
Budokan Presse

Copyright: Budo Studien Kreis

Rolf Brand ist der Vorstand des Deutschen Aikido Bundes (DAB) und ein langjähriger Freund des Budo Studien Kreises. Über Jahre hinweg half er, den Aikodo-Teil im „Lexikon der Kampfkünste“ zu gestalten und zu verbessern. Als er seine Ämter im DAB aufgab, vererbte er dem BSK sein gesamtes Budo-Archiv mit sämtlichen Filmen und Büchern, wofür wir ihm nachträglich dankbar sind.

•    Presse: Wann haben Sie aikidō zum ersten Mal gesehen und wie war Ihr Eindruck?
Rolf Brand: Im Rahmen eines von mir besuchten Judo-Fortbildungslehrganges des Deutschen Judo-Bundes e.V. führte der japanische Meister Yoshimasa Kimura im März 1965 „nebenbei“ auch aikidō vor. Die in den dynamischen und runden Bewegungen zum Ausdruck kommende Ästhetik und die Zielsetzung dieses Weges haben mich sofort fasziniert.
Der in diesem Augenblick spontan gefaßte Entschuß, aikidō zu praktizieren, konnte jedoch erst Anfang 1966 nach Gründung einer Aikido-Abteilung beim Lübecker Judo-Club e.V. realisiert werden.
Das Training habe ich dort zunächst als Aikido-Weißgurt im Kreise von ca. 60 gleichgesinnten Interessenten – darunter auch hochrangigen Judoka – geleitet. Es war immer ein besonderes Erlebnis und ich denke mit Freude an diese Zeit des Aufbaus zurück.
Gern würde ich den heute manchmal allein mit sich beschäftigten Aikido-Dans etwas von diesem Eifer und der damit verbundenen Freude übermitteln. Bei einem Bundeslehrgang in Gera/Thüringen habe ich allerdings feststellen dürfen, dass der „Pioniergeist“ in vielen jungen Aikidoka lebendig ist und erste Wirkung zeigt.

•    Presse: Wie begann Ihre Funktionärstätigkeit?
Rolf Brand: Am 01.01.1965 wurde ich als 2. Dan-Judo vom Deutschen Judo-Bund e.V. zum Sachbearbeiter für Budo- Praktiken (später Referent für Budo-Sportarten) berufen. In dieser Eigenschaft habe ich die Sektionen aikidō, karate, kendō und taekwondo aufgebaut und langjährig betreut. Die Sektionen aikidō und karate des Deutschen Judo-Bundes e.V. habe ich mehrere Jahre auch als Bundesvorsitzender geführt.
Jede Führungsaufgabe bedingt meiner Auffassung nach auch fachliche Kompetenz. Aus diesem Grunde habe ich – zunächst neben dem jūdō – auch die anderen Sportarten praktisch betrieben. Später habe ich mich dann aus innerer Überzeugung ganz auf das Studium und die Verbreitung des aikidō konzentriert.

•    Presse: Welche Beziehung hatten Sie, bzw. haben Sie zu Ihren Lehrern?
Rolf Brand: Das Verhältnis zu meinen Lehrern – Gerd Wischnewski, Yves Cauhépé und André Nocquet – war ausnahmslos durch Vertrauen und Herzlichkeit geprägt sowie von gegenseitiger Achtung getragen. Alle Lehrer haben mich mit etwas unterschiedlichen Schwerpunkten selbstlos und positiv gefördert. Ich habe mich bemüht, meinen Respekt und Dank durch das bestmögliche Engagement in den technischen, organisatorischen und administrativen Bereichen auszudrücken. Dadurch konnte ich immer auch die Anliegen und Ziele meiner Lehrer – Verbreitung des von O Sensei Morihei Uyeshiba geschaffenen aikidō – unterstützen.
Die Funktion des Lehrers ändert sich im Laufe der langjährigen eigenen Entwicklung. Waren sie zunächst Trainer und Erzieher, so ist mein jetziger Lehrer, Meister André Nocquet, heute in erster Linie eine freiwillig anerkannte Autorität, die in allen Bereichen eine Selbstreflexion ermöglicht und die Disziplinierung des „Ego“ fördert.

•    Presse: Worauf führen Sie Ihren Erfolg zurück?
Rolf Brand: Ich war vom ersten Augenblick an davon überzeugt, dass aikidō ein wertvolles Mittel zur ganzheitlichen Bildung der Menschen ist, und habe mich seitdem in allen Bereichen intensiv um seine Verbreitung bemüht. Die daraus resultierenden menschlichen Kontakte sowie das Wohlwollen meiner Lehrer und Freunde, aber auch die Vorwürfe der Kritiker und die Überwindung vielfältiger Schwierigkeiten haben meine Einstellungen und Haltungen verändert, mich also im Sinne des Weges gefördert.
Heute nehme ich mich selbst nicht mehr so wichtig wie früher, habe zunächst Vertrauen zu allen Menschen und versuche, unvermeidliche Konflikte nach den Prinzipien und Strategien des aikidō zu lösen. Das gelingt nicht immer, aber immer häufiger!

•    Presse: Welche Budosportart gefallen Ihnen noch gut?
Rolf Brand: Mir gefallen auch heute noch alle Budo-Sportarten, bei denen die Entwicklung des Menschen im Sinne des Weges (dō) höher bewertet wird als der Erfolg im Wettkampf. Leider muß ich jedoch feststellen, dass die Auswahl nicht mehr sehr groß ist. Persönlich will ich mir noch in diesem Jahr einen langjährigen Wunsch erfüllen und mit dem Studium des Taichi beginnen. Gutscheine für zwei Kurse hat mir mein Sohn Volker zum 60. Geburtstag geschenkt.

•    Presse: Was ist für Sie Aikido?
Rolf Brand: Aikidō ist seit vielen Jahren ein wichtiger Teil meines Lebens!

•    Presse: Wo liegen Ihre persönlichen Schwierigkeiten?
Rolf Brand: In konkreten Situationen wird mir manchmal deutlich, dass mein „Ego“ die offensichtlich noch nicht tief genug verinnerlichten Elemente und Prinzipien des aikidō überdeckt. Die anschließende Erkenntnis, dass ich „im Augenblick“ falsch oder unangemessen reagiert habe, betrübt mich. Sie fördert aber auch das Verständnis für die Fehlreaktionen anderer Menschen und motiviert mich zum weiteren, intensiven Studium des aikidō.

•    Presse: Wie vollzieht sich die Entwicklung eines ernsthaften Aikidoka und wohin führt sie?
Rolf Brand: Die Entwicklung vollzieht sich meiner Überzeugung nach in drei Stufen:

1. Reflexion: Die innere Bereitschaft des aikidōka, in den „Spiegel“ zu schauen, der ihm von seinen Lehrern und Partnern, im täglichen Leben aber auch von anderen Menschen vorgehalten wird.
2. Erkenntnis: Das Vermögen, sich in den reflektierten und wahrgenommenen – häufig unschönen – Bildern selbst zu erkennen und zu akzeptieren.
3. Veränderung: Die Aktivierung der das „Ego“ überwindenden Kraft zum inneren Wandel im Sinne des aikidō. Ziel: Auf diesem, sicher schwierigen Weg entwickelt der ernsthaft Suchende eine größere Sensibilität und Wahrnehmungsfähigkeit. Dadurch kann er seine Umwelt und sich selbst auf einer – etwas – höheren Bewußtseinsstufe als Einheit erleben. Dies ist im wohlverstandenen Sinne gleichzeitig mit mehr innerer (geistig-seelischer) Freiheit verbunden, die ihn – unbewußt – in allen Bereichen zur sinnvolleren und effektiveren Gestaltung seines Lebens befähigt.

•    Presse: Welches sind Ihre drei schönsten Aikido-Erinnerungen?
Rolf Brand:
1. Die Gründung des Deutschen Aikido-Bundes e.V., weil viele idealistische Menschen ihre Kraft unter Zurückstellung persönlicher Vorteile vorbehaltlos und ganz in den Dienst des aikidō gestellt haben;
2. die Prüfung meiner Frau Helga auf den 5. Dan-Aikido, weil sie die Harmonie eines vieljährigen gemeinsamen Weges deutlich machte;
3. die gerichtlich erzwungene Aufnahme des Deutschen Aikido-Bundes e.V. in den Deutschen Sportbund, weil das aikidō dadurch auf nationaler Ebene in seiner Eigenständigkeit anerkannt und von fachfremden Einflüssen freigestellt wurde.

•    Presse: Welches sind Ihre schlechtesten Aikido-Erinnerungen?
Rolf Brand: Die Art und Weise, in der intensiv geförderte und respektierte Weggefährten und (Meister-)Schüler freundschaftliche Bindungen und daraus resultierende gemeinsame Ziele aufgegeben oder – manchmal subversiv – bekämpft haben. Aber auch das Verhalten einiger hochrangiger Aikido-Dan, die das aikidō und ihre Schüler zum eigenen Vorteil ausnutzen.
Die damit im Zusammenhang stehenden Ereignisse machen erschreckend deutlich, dass nicht jeder langjährig Ausübende die Elemente und Prinzipien des aikidō auch verinnerlicht hat und danach zu handeln vermag. Gleichzeitig mahnen sie uns aber auch, in der Arbeit an uns selbst nicht nachzulassen.

•    Presse: Welche Menschen ärgern Sie am meisten?
Rolf Brand: Charakterlose, arrogante und persönlichkeitsschwache Menschen, die Macht in Führungspositionen ausüben oder sich in wichtigen Schlüsselpositionen zum Schaden anderer Menschen potenzieren bzw. ausleben.

•    Presse: Waren Sie oder sind Sie ein „enfant terrible“?
Rolf Brand: In vielen Jahren habe ich als Funktionär die Interessen von Minderheiten in oder gegenüber einflußreichen Organisationen vertreten müssen, die vorwiegend eigene (Macht-)Ziele verfolgten. Mit Zartgefühl, Edelmut und vornehmer Zurückhaltung kam man da nicht sehr weit. Wenn man seine Sache und sich selbst ernst nahm, mußte in dieser Zeit ab und zu nach den erlernten und verinnerlichten Regeln des Kampfes gehandelt werden. Dabei habe ich natürlich auch – meist klaglos – viele Hiebe eingesteckt. Insofern habe ich auch kein schlechtes Gewissen.
Die erreichten Ziele rechtfertigen zwar nicht jedes Mittel, machen aber vielleicht die Wahl einiger Mittel verständlicher. Wichtig erscheint mir in diesem Zusammenhang die Feststellung, dass ich mich auch in diesen „kampfbetonten Zeiten“ immer bemüht habe, die Regeln des Anstandes und der gegenseitigen menschlichen Achtung zu wahren.
In Abwandlung eines Sprichwortes gilt auch für Funktionäre: wer viel arbeitet, macht viele Fehler; wer wenig arbeitet, macht wenig Fehler; wer überhaupt nicht arbeitet, macht keine Fehler und wer keine Fehler macht, wird (vielleicht) geliebt. Heute weiß ich allerdings, dass Empfindlichkeit und Aggression meist eine Folge von Unsicherheit oder Angst, also der eigenen Schwäche ist.
Inzwischen bin ich älter und gelassener, vielleicht auch etwas erfahrener geworden. Ich beobachte länger, urteile fundierter, mache mir nicht mehr jedes Problem zu eigen und entscheide in kritischen Situationen nur selten emotional oder spontan. So bleibt zu hoffen, dass meine Kritiker die Bemühungen zum Wandel erkennen (wollen) und zukünftig nicht nur die „Jugendsünden“ oder „alte Geschichten“ als Begründung für ihre Abneigung heranziehen.

•    Presse: Stört es Sie, dass die Arbeit des Deutschen Aikido Bundes e.V., durch die Veröffentlichungen anderer Aikido-Verbände meist sehr kritisch, manchmal auch tendenziös beurteilt wurde?
Rolf Brand: Es gibt immer Menschen, die alles besser wissen und andere solange unnachsichtig beurteilen, bis sie ihre eigenen Fehler nicht mehr erkennen können; vielleicht wollen sie aber auch nur von eigenen Mängeln und Problemen ablenken.
Dem Deutschen Aikido Bund e.V. und seinen Angehörigen haben diese durchsichtigen Aktivitäten nie geschadet.
Da diese Veröffentlichungen im Sinne des aikidō und seiner Prinzipien niemals rund sind, können die durch Agitation errichteten „geistige Mauern“ auch keinen Bestand haben.
In den letzten Jahren sind schon einige Aikido-Zeitschriften gekommen und wieder verschwunden. Die vom Deutschen Aikido-Bund e.V. quartalsweise herausgegebene Informationsschrift „aikido aktuell“ ist hingegen bereits in der 93. Ausgabe erschienen. Sie besteht also im 24. Jahr. Diese von Angehörigen des Deutschen Aikido-Bundes e.V. in ehrenamtlicher Arbeit hergestellte Zeitschrift wird sicher noch gelesen, wenn andere Aikido-Zeitschriften schon vergessen ist.

•    Presse: Welches sind Ihre weiteren Ziele?
Rolf Brand: Ich möchte in angemessener Gesundheit im Kreise meiner Freunde, Partner und Schüler noch lange aikidō betreiben, um diesen friedvollen Weg weiter zu fördern und noch tiefer in sein Wesen einzudringen. Privat erhoffe ich mir eine weitere glückliche Verbindung mit meiner Frau Helga, die selbst eine exzellente Aikido- Meisterin ist und immer Verständnis für „meine zweite Liebe“ aufgebracht hat sowie eine anhaltend gute Beziehung zu unserem Sohn Volker.

Mit freundlicher Genehmigung an den BSK
von Rolf Brand


Interview mit Joachim Laupp

(8. dan, Kobayashi ryū)

Copyright: Budo Studien Kreis

Über Ihren persönlichen Freund, sensei Werner Lind wurde mir das Interview mit Ihnen ermöglicht. Ich danke dafür und hoffe, dass es für alle Karate-Übenden eine lehrreiche Anleitung ist. Anbei frage ich sensei Joachim Laupp nach seinen Ansichten über das deutsche budo.

•    Frage: Sensei Laupp, bitte stellen Sie sich selbst vor.
Sensei Laupp: Mein Name ist Joachim Laupp, 47 Jahre jung, ich habe zwei Kinder, eine liebe Frau und bin von Beruf (Berufung) Karatedo-Lehrer. Als persönlicher Schüler von Großmeister Miyahira Katsuya 10. Dan Hanshi aus Okinawa leite ich in dessen Auftrag, das OKINAWA SHORIN RYU SHIDOKAN KARATEDO DEUTSCHLAND und lebe mit meiner Familie in der schönen Moselmetropole, Trier.

•    Frage: Wann haben Sie mit der Übung des Karate begonnen, mit wem haben Sie begonnen und welche Lehren sind Ihnen heute noch von Bedeutung?
Sensei Laupp: Meinen ersten Kontakt zum Karatedo (Shotokan ryu) hatte ich 1969. Anfang der 70er Jahre wechselte ich dann zu meinem ersten nennenswerten Karate – Lehrer, Sensei William(Bill) Marsh 2. Dan (heute 8. Dan). Er hatte damals gerade seine Zeit als U.S. Soldat beendet und sich in meiner Heimatstadt niedergelassen, wo er heute noch lebt und unterrichtet. Als Schüler von Bob Yarnall (Matsubayashi Shorin Ryu U.S.A.) und S. Takuba unterrichtete er damals das Okinawa Matsubayashi Shorinryu Karatedo in Trier, wechselte aber 1976 zum Shorinji Ryu unter damaliger Leitung von Dr. Richard Kim 10. Dan Hanshi und Sensei Richard Lee 9. Dan Hanshi. Heute leitet er das Shorinji ryu von Sensei Lee in Deutschland.
Ich erinnere mich, das die Übung unter Sensei Marsh stets hart, diszipliniert und der Umgang der Übenden untereinander sehr respektvoll war. Es ist die Demut, der Respekt und die Disziplin die mir bis heute aus diesen vergangenen Zeiten erhalten geblieben sind!
Unter Sensei Marsh habe ich bis 1978 geübt. Dann begann ich mich für das Okinawa Kobayashi Ryu zu interessieren.

•    Frage: Wie kamen Sie nach Okinawa, wie zu Miyahira Sensei und was bewog Sie dazu, diese Lehre als Ihren persönlichen Stil in Deutschland und Europa zu vertreten?
Sensei Laupp: Wie ich nach Okinawa kam? Ja das ist eine lange und abenteuerliche Geschichte! Aber ich versuche das einmal kurz zu erzählen!
Ich kannte Meister Chinen Kenyu 8. Dan Kyoshi, der aus Okinawa stammt und seit 1976 in Paris lebt. Ich lernte ihn auf einem seiner Seminare in Paris kennen. Danach fuhr ich häufig an den Wochenenden nach Frankreich. Später veranstaltete er regelmäßig einmal, meistens sogar zweimal pro Jahr bei mir in Trier Seminare. Er unterrichtete mich hauptsächlich in den Kumite – Formen und in den Kata des Kobayashi ryu. Von ihm habe ich damals unter anderen die Fukyugata ichi und ni gelernt. Er ist für mich so etwas wie mein Mentor und derjenige dem ich meine Lehre bei Großmeister Miyahira Katsuya 10. Dan Hanshi verdanke.
Ja, es war damals mein großer Traum, eines Tages nach Okinawa zu reisen, dort in einem Dojo den für mich richtigen Karate – Stil, der mein Leben verändern sollte, zu finden und jenen großen Meistern von denen ich soviel gehört oder gelesen hatte, persönlich zu begegnen. 1981 hatte ich genügend Geld zusammen, den Entschluss gefasst meinen Traum in die Realität umzusetzen und reiste zum erstenmal ins Land der aufgehenden Sonne.
Der Flug nach Okinawa war sehr abenteuerlich, ich flog von Frankfurt- London über Alaska-Osaka/Hondu –Japan nach Naha – City/Okinawa. Von Meister Chinen`s Frau wusste ich, das ihr Mann sich zum besagten Zeitpunkt auf Okinawa aufhielt.
Ich wollte ihn überraschen. In meiner Tasche hatte ich die Adressen von Meister Chinen`s Mutter, die von Miyahira Sensei und die von Matayoshi Shimpo Sensei (Kobudo – Lehrer von Chinen Sensei).
Die einzige Sicherheit die ich damals hatte, war meine Unsicherheit! Aber ich hatte großes Vertrauen in mich selbst.
Es war ein abenteuerliches Unterfangen! Nun, kurz gesagt, ich hatte dann nach langem suchen, gemeinsam mit einem Taxifahrer Meister Chinens Elternhaus gefunden. Er war sehr überrascht mich zu sehen und sagte zu mir „Was machst Du den hier, du hast vielleicht Courage“, sein Gesichtsausdruck war nicht gerade von überschäumender Freude gezeichnet als er mir mitteilte, das er in wenigen Tagen wieder nach Europa zurück reisen würde. Mein Vorhaben auf Okinawa das zu finden, was ich suchte sollte 6 Monate andauern. Er sagte zu mir: „Nun gut, ich werde dich Großmeister Miyahira vorstellen, vielleicht lässt er dich in seinem Dojo üben“. Noch am gleichen Tag stellte Meister Chinen mich Großmeister Miyahira persönlich vor. Als ich am Abend des gleichen Tages zum ersten mal das Shidokan Honbu Dojo mit meinen Füßen betrat, wurde es mir ganz warm ums Herz und ich konnte das große Glück was mir zuteil wurde noch gar nicht begreifen.
Sie müssen wissen, das es auf Okinawa zur damaligen Zeit, auf keinen Fall selbstverständlich war, als Ausländer in einem Karate – Dojo aufgenommen zu werden. Dies habe ich Meister Chinen zu verdanken, was ich ihm nie vergessen werde.
Die erste Übung am Abend war hart, schweißtreibend und ich war sehr durcheinander, muss ich gestehen. Ich begriff sehr schnell das Großmeister Miyahira sehr streng und manchmal sogar etwas pedantisch im Umgang mit mir in seinem Unterricht war. Aber, bitte glauben sie mir, er bestach allein durch seine unwahrscheinliche Aura und ich war immer wieder überrascht wie stark er seine Techniken auch im fortgeschrittenen Alter ausführte. Damals dachte ich, das Männer um die sechzig alt und zerbrechlich wären, aber ich sollte hier in Okinawa eines besseren belehrt werden.
Als Chinen Sensei wieder zurück nach Europa reiste, stand ich alleine da, was mir am Anfang etwas Unbehagen bereitete.
Miyahira Sensei ließ mir durch Tsumori Kaoru 6. Dan Renshi (damals 1. Dan, der etwas englisch sprach) sagen, das ich jeden Morgen alleine unter seiner Anweisung zu üben hätte und abends am Gruppenunterricht teilnehmen müsse. Ich übte also täglich am Morgen zwei – drei Stunden mit Miyahira Sensei alleine und am Abend zwei Stunden in der Gruppe der Sempais unter seiner Leitung. Tsumori Kaoru und ich wurden bald Freunde. Wir zählten wohl eher zu den jüngeren Kursteilnehmern zwischen all den gestandenen Karateka, die im Schnitt um die vierzig/fünfzig Jahre alt oder älter waren. Die meisten von ihnen waren um den 7. Dan graduiert. Das muss man sich einmal bei durchschnittlich 25 Kursteilnehmer vorstellen. All dies war für so einen kleinen europäischen Karateka wie mich alles sehr überwältigend.
Ich kam mir wie ein kleines Kind zwischen lauter Erwachsenen vor.
Manchmal war die Übung so hart, das mir die Tränen in den Augen standen, weil alle sich bei mir von ihrer besten (technischen) Seite zeigen wollten und ich ja schließlich von jedem etwas in Erinnerung behalten sollte. In der morgendlichen Übung brachte mich Miyahira Sensei manchmal an eine Art innere Kreuzung, wo ich gedanklich anhielt und mich dann fragte, ob ich auf dem richtigen Weg bin. „Oder wäre es sogar besser den Weg (Do) ganz aufzugeben?“.
Nach einer solchen Übung ließ Miyahira Sensei mir beispielsweise durch meinen Freund Tsumori Kaoru am Abend erklären, das es besser sei, wenn man etwas klares wolle, das Glas zuvor zu leeren, um es anschließend mit etwas neuem und reinem zu füllen.
„Um so härter die Ausbildung, um so stärker der Karateka“
Ich müsse noch härter an mir arbeiten, sagte man mir. Das hatte ich sehr gut verstanden und am eigenen Leibe erfahren dürfen!
Nach etwa drei Wochen harter Arbeit, hatte ich mich an die zuvor ungewohnt harte Übung so sehr gewöhnt, das ich mir es nicht mehr vorstellen konnte jemals in meinem Leben wieder damit aufzuhören. Ich fühlte, das ich das, was ich suchte in meinem Inneren und meinem Äußeren gefunden hatte. Es kam mir vor als wäre ich neu geboren worden (selbstverständlich aus der Budo – Betrachtung ). Ich entschloss mich diese Art des Karatedo bis an mein Lebensende weiter zu üben. Nach längerer Zeit der Karate-Übung teilte mir Miyahira Sensei mit, das er mich als einen seiner persönlichen Schüler annehmen würde. Das war das größte und schönste Erlebnis auf meinem Budo -Weg. Diesem Entschuss folge ich noch heute!
1990 übertrug Großmeister Miyahira Katsuya 10. Dan Hanshi mir durch eine von ihm handschriftliche Urkunde offiziell die Aufgabe, seinen Stil, das „OKINAWA SHORINRYU SHIDOKAN KARATEDO“ in Deutschland und in Europa zu verbreiten !
Darauf bin ich sehr stolz, und ich bedanke mich an dieser Stelle nochmals für das mir entgegengebrachte Vertrauen meines Lehrers!

•    Frage: Sie vertreten heute den Stil ryu von Miyahira Sensei und bezeichnen es als „Shirasagi“ Ich möchte Sie bitten, uns die Entwicklung von Choshin Chibanas Kobayashi ryu über Miyahira Sensei zu Ihnen geschichtlich zu beschreiben.
Sensei Laupp: Die Frage ist so nicht ganz richtig gestellt: Shirasagi ist nicht der Name des Stils, den ich von Miyahira Sensei gelernt habe. Shirasagi ist lediglich der Name meiner Schule. „Shira“ (gl. Shiro) bedeutet „weiß“ und „Sagi“ bedeutet Vogel.
Ein Beispiel zur Erklärung: Der von Miyahira Sensei begründete Schulnahme ist „SHIDOKAN“, was soviel bedeutet wie „Haus für ehrliche Menschen“. Die Hauptstelle auf Okinawa nennt sich vollständig „SHIDOKAN HONBU DOJO“. Ich bin ein Ableger, also ein Schüler von Miyahira Senseis Schule und habe meinen eigenen Schulnamen. In meinem Fall.
„SHIRASAGI“, was soviel wie „weißer Kranich/Reiher“ oder „Burg des weißen Kranichs/Reihers“ bedeutet und somit heißt meine Schule der Tradition nach „SHIDOKAN-SHIRASAGI“. Da meine Schule in Deutschland wiederum die Hauptstelle ist, nennt sich meine Schule „SHIDOKAN SHIRASAGI HONBU DOJO“ ! Honbu steht für Haupt. Es hätte auch einfach nur „SHIDOKAN LAUPP DOJO“ heißen können, wie es z.B. auch einfach nur „SHIDOKAN NAKAMURA DOJO“ heißt. In unserer Stilrichtung hat jedes Haupt – Dojo seinen eigenen Beinahmen. Aber die jeweiligen Zweigstellen benutzen nur den Schulnamen ihres Lehrers, wie z.B. meine Zweigstelle in Marburg „SHIDOKAN SHIRASAGI DOJO MARBURG“ heißt.
Nun zur geschichtlichen Entwicklung :
Als einer der größten okinawanischen Meister der vorigen Generation gilt Chibana Choshin Sensei, der selbst Schüler von Itosu Anko Sensei war. Chibana Choshin Sensei ist Begründer des Okinawa Kobayashi Shorin Ryu.
1956 wurde die Okinawa Karate Kobudo Renmei gegründet und er wurde deren Präsident. 1961 zog er sich aus dieser Vereinigung zurück und gründete seine eigene Organisation, die OKINAWA SHORIN RYU KARATEDO KYOKAI, der er bis zu seinem Lebensende vorstand. Kurz vor seinem Tod übergab er die Präsidentschaft an seinen ältesten Seniorschüler, Miyahira Katsuya Hanshi, der sein Karatestudium 1933 unter Chibana Sensei begonnen hatte. An der Hochschule von Shuri lernte Miyahira Sensei auch unter Tokuda Anbun Sensei der ebenfalls ein Schüler Itosu Sensei war, also zur gleichen Generation wie Chibana Choshin Sensei gehört. Darüber hinaus wurde Miyahira Senseis Budo – Weg auch durch die Karateexperten, Yoshisugu Teichi Sensei, Kangi Shoya Sensei und Chozo Nakama Sensei beeinflusst.
Miyahira Sensei hat den von Chibana Sensei geprägten Karate-Weg übernommen und bis zum heutigen Tag genau eingehalten. Er hält das „Taisai“ (Gedächtnisfeier zum Todestag für seinen Lehrer, Chibana Choshin) alljährlich persönlich ab. Noch heute im Alter von fast 86 Jahren steht er der OKINAWA SHORINRYU KARATEDO KYOKAI vor, der ich ebenfalls mit meiner Schule angehöre.
Miyahira Sensei hat sich bis zum heutigen Tag die inneren Werte (Philosophie) und die äußeren Werte (identische Kata und ihre Bunkai) der Chibana – Lehre bewahrt und weiter entwickelt.
Zudem gehörte Großmeister Miyahira zu den frühen Schülern von Motobu Choki Sensei, der für seine Kampftechniken weltberühmt wurde. Miyahira Sensei hat auch die Lehrinhalte Motobu Sensei`s bis zum heutigen Tag bewahrt, so ist auch heute noch in all unseren Dojo`s die Arbeit am Makiwara und der Kontakt beim Kumite unerlässlich.
Ich habe ebenfalls die gleiche Lehre aus reinen Herzen und aus den Händen meines Lehrers, Miyahira Katsuya Sensei empfangen dürfen.
Ich sehe mich als Bindeglied in einer Budo-Tradition und verfolge die gleichen Werte wie mein Lehrer. Ich unterrichte somit unter der von ihm geschaffenen Maxime: „go ri, go ho, kyo son, kyo ei“ – „Der Vernuft und dem Recht folgen, gemeinsam existieren und gemeinsam erblühen“

•    Frage: Wie kam es zur Gründung der von Ihnen in Europa geleiteten OSSKD, was bedeutet die Abkürzung und welche Ziele verfolgen Sie damit?
Sensei Laupp: O.S.S.K.D. steht für OKINAWA SHORIN RYU SHIDOKAN KARATEDO DEUTSCHLAND. Zur Gründung der O.S.S.K.D. kam es, weil mit der Zeit immer mehr Dojo`s durch meine Schüler in Deutschland entstanden sind. Diese Dojo`s werden in eigener Verwaltung und Verantwortung von meinen Schülern geleitet. Größten Wert lege ich allerdings darauf, dass die Budo-Tradition dabei nicht verletzt wird. So sind die Zweigstellen zwar im Wesentlichen selbständig, im Zentrum steht aber das „Taikai“ – das Zusammenkommen zur gemeinsamen Übung, das regelmäßig mindestens zweimal im Jahr stattfindet.
In vielen europäischen Schulen dienen Lehrgänge allein der Fortbildung. Man geht auf einen Lehrgang, um etwas neues zu lernen. Dies ist nicht der Sinn des Taikai. Zwar kann man auch hier neues lernen, die gemeinsame Übung dient jedoch hauptsächlich dazu, die Gleichheit in der Schule sicherzustellen und das bereits erlernte an der Quelle weiter zu verbessern.
Auch hierin spiegelt sich der Inhalt der Maxime, die ich gerade schon einmal erwähnt habe: „go ri , go ho, kyo son, kyo ei“, wenn alle unterschiedlich Üben, gibt es keine Gemeinsamkeit mehr.
Ich habe von meinem Lehrer gelernt, dass man alles, was man im Budo einmal gelernt hat, behalten muss, um immer wieder dazu zurückkehren zu können. Sonst bleibt Karate stehen. Wer das Meer nur einmal anschaut, der wird es nicht verstehen. Um das Meer und seine Gesetze zu verstehen, reicht es nicht, es nur eine kurze Zeit zu betrachten – man sieht nur Wellen. Nur, wenn man sich länger mit dem Meer befasst, es immer wieder betrachtet und immer wieder hineintaucht, dann eröffnet sich eine ganze Welt voller Einzelheiten und Zusammenhänge, die einem sonst verborgen bleiben. Im Budo ist es ähnlich.
Die OSSKD ist kein Sportverband, da sie dem traditionellen Budo– dient. Der Weg ist mehr als ein Sport. Der im Westen gewohnte Sportweg lässt keine Übung im Sinne der von Sensei Miyahira geprägten Maxime zu. Er dient lediglich der körperlichen Ertüchtigung.
Ich sage dazu „ Budo beinhaltet Sport, aber Sport beinhaltet kein Budo.

•    Frage: Wie würden Sie das karate in Europa / Deutschland beurteilen?
Sensei Laupp: Ja, wie beurteile ich das karate in Europa / Deutschland? Ich könnte wohl einen ganzen Roman darüber schreiben, aber ich bezweifele das dieser Roman mit Interesse hier bei uns gelesen würde!
Ich denke, aus sportlicher Sicht hat sich das europäische karate in den letzen zwei Jahrzehnten wirklich sehr gut entwickelt. Es ist als Sport sehr erfolgreich! Aber auf Okinawa ist karatedō nun mal kein Sport.
Aus der Sicht eines budōka ist das karate als Weg (karatedō) in Europa eine reine Katastrophe, mit wenigen Ausnahmen so finde ich, und da teilen andere budōka meine Meinung. Es spielt für mich keine Rolle ob es da um Deutschland, Frankreich, der Schweiz oder andere europäische Länder geht. Ich denke, dass dies sogar weltweit im Wesentlichen der Fall ist.
Es sind die inneren Werte die in nahezu allen Karate-Schulen zumindest zu wünschen übrig lassen. In letzter Zeit stelle ich allerdings fest, das manche Sport-Karateka sich darum bemühen, die alten Budo- und Lebenswerte wieder auf den Plan ihres Unterrichts zu rufen. Doch hier stoßen sie oft auf Schwierigkeiten, was auch ganz natürlich ist, und keinesfalls an mangelnden Fähigkeiten, oder an mangelndem Bemühen liegt. Es fehlen einfach die Lehrer.
„Jeder kann nur das lehren, was er selbst gelernt hat“
Wenn man ein Karate-Dojo im traditionellen Stil betreiben möchte, genügt es nicht, wenn die Schüler sich weiße Karate-Anzüge überstreifen und sich vor nach und während dem Training mit „ossu“ grüßen. Die Art und Weise, wie Inhalte vermittelt werden, ist ausschlaggebend. Mein persönliches Motto lautet: „Wir Budo-Lehrer sollten keine Kampfmaschinen produzieren, sondern wir müssen gute Budo-Lehrer schaffen“! Wie könnte sonst die Budo-Tradition fortgeführt werden?
Das Problem ist, das im Westen alles als Sport gesehen wird und sich auch nur unter diesem Aspekt richtig in der Masse an den Mann bringen lässt. Alles dreht sich nur um Sieg oder Niederlage. Budo dagegen ist etwas sehr persönliches, nichts, was man nur oberflächlich für eine bestimmte Zeit mal nur so einfach ausprobiert, denn hier ist der Weg das Ziel, der den ganzen Menschen fordert.

•    Frage: In welcher Verbindung stehen Sie zum Budo Studien Kreis (BSK) und speziell zu Sensei Werner Lind. Sie vertreten einen in sich geschlossenen okinawanischen Stil – was interessiert Sie am BSK?
Sensei Laupp: Zunächst möchte ich sagen, das ich den Budo Studien Kreis sehr schätze und vor allem sensei Werner Lind der seit vielen Jahren seine akribische Arbeit mit seinem Team in den Dienst des budō stellt. Dort leistete er großartige Arbeit und wird dies auch noch weiter tun. Ich habe all seine Werke gelesen und kann diese nur jedem budōka weiterempfehlen. Ich selbst bin Ehrenmitglied im Budo Studien Kreis und zwischen sensei Werner Lind und mir ist eine tiefe Freundschaft entstanden die ich nicht missen möchte. Ich freue mich natürlich auch darüber, dass ich das eine oder andere aus meinen Erfahrungen oder aus meinen Informationsquellen aus Okinawa zur Arbeit des BSK beitragen konnte.
Wie kam es dazu? Ende der 90er Jahre besuchten mich sensei Werner Lind und sensei Ursel Arnold mit einem BSK-Team in meinem dōjō in Trier. Sie hatten von meiner Schule gehört und bekundeten ihr Interesse an meiner Arbeit. Ich zeigte ihnen einige okinawanische kata (pinan 1-5). Danach fand ein regelmäßiger Austausch über Budo-Erfahrungen statt, ich besuchte sensei Lind des öfteren im BSK-Honbu-Dojo in Bensheim. In Zusammenarbeit mit der Firma Abanico Video Productions von Dieter Knüttel entstanden inzwischen zwei gemeinsame interessante Videos zum einen, ein Video über Tekki / Naihanchi und zum anderen über Bassai / Passai.
Ja, gerade weil ich einen in sich geschlossenen Stil hier in Europa vertrete, finde ich anderseits die Arbeit am Budo-Geschehen allgemein, ganz gleich um welchen Stil es sich handelt, hoch interessant! Die Arbeit des BSK, v.a. die meines Freundes Werner Lind habe ich immer gerne unterstützt und ich möchte dies auch in Zukunft weiter tun. Was die stilübergreifende Zusammenarbeit anbelangt, gibt es für mich aber einen klaren Grundsatz: „Schuster bleib bei deinen Leisten…“

•    Frage: Welche Karate-Sensei auf Okinawa waren für Sie maßgeblich und von welchen haben Sie am meisten gelernt? Welches sind Ihre vertrautesten Lehrer/Freunde/Mitarbeiter auf Okinawa?
Sensei Laupp: Zunächst einmal habe ich von meinem Lehrer, Miyahira Katsuya 10. dan, hanshi am meisten gelernt, ja unser ganzes System. Er hat mein ganzes Leben verändert.
Dabei ist es ganz gleich, ob unsere Begegnungen alljährlich, wie seit vielen Jahren auf Okinawa, gemeinsam in den U.S.A. oder auch als er bei mir in Deutschland war stattfanden. Miyahira Sensei ist wie ein Vater zu mir und er beeindruckt mich heute im Alter von 86 Jahren immer wieder aufs neue. Er hat eine unglaubliche Ausstrahlung, die man kaum in Worte fassen kann. Miyahira Sensei und seine Frau Masae sind sehr wichtig in meinem Leben geworden! Frau Miyahira Masae ist eine sehr großherzige Frau. Sie hat mir früher manchmal nach der Übung (wenn es sehr hart war) gekühltes Wasser gebracht. Ich sage noch heute „Dankeschön“ dafür.
Dann ist da noch Großmeister Maeshiro Morinobu 9. Dan Hanshi, einer der ältesten Seniorschüler von Miyahira Sensei. Von ihm habe ich auch sehr viel gelernt, aber vor allem das Bunkai. Er ist übrigens der Meinung das dass Bunkai eine persönliche Geheimsache ist, und das ist auch richtig so. Zu Maeshiro Sensei pflege ich einen sehr vertrauten und engen Kontakt, ebenso zu seiner Familie. 1995 besuchte er mich in Trier.
Vom ältesten Seniorschüler Miyahira Sensei`s habe ich auch sehr viel gelernt, zum einem wenn er in Deutschland war, wenn ich bei ihm in den U.S.A. gewesen bin oder wenn wir uns auf Okinawa getroffen haben. Ich spreche von Großmeister Iha Seikichi 10. Dan Hanshi der seit über 25 Jahren unseren Stil in den Vereinigten Staaten lehrt. Ich besuchte ihn in den Staaten und 1999 kam er nach Trier.
Erwähnen will ich auch noch Großmeister Nakamura Seiyu 8. Dan Kyoshi, ein Seniorschüler Miyahiras, den ich immer als meinen Schleifer bezeichnet habe. Von ihm habe ich sehr viel gelernt, vor allem Tanden–Undo, die immer mit großen Schmerzen und gefärbten Gliedmaßen verbunden waren. Heute wie damals begegnen wir uns als gute Freunde obgleich auch ein Lehrer von mir ist. Mein Respekt ihm gegenüber ist seit damals unverändert geblieben, allerdings hat sich das mit den gefärbten Gliedmaßen gegeben. Ab und an wohne ich bei ihm und seiner Familie. Heute ist er 63 Jahre alt und kümmert sich sehr um mich, wenn ich auf Okinawa bin. Er unterrichtet mich im Okinawa-Kobudo.
Viel habe ich von Großmeister Miyagi Takeshi 9. Dan Hanshi gelernt, der mir immer als ein sehr freundlicher Mensch begegnet ist. Von ihm habe ich eine alte Kata gelernt „Unsho“, eine kurze Version und der Vorläufer der alten Gojushiho.
Von Großmeister Takara Meiyu 9. Dan Hanshi (63) lernte ich unter anderem die Arbeit am Makiwara, er gilt heute noch auf Okinawa als berüchtigter Kämpfer und wird von allen Karateka auf Okinawa sehr geachtet.
Großmeister Higa Seikichi 9. Dan Hanshi, dessen Söhne in ganz Japan ungeschlagen im Kumite und Kata sind, ist mir seit sehr vielen Jahren ein guter Freund. Ich übe ab und an, wenn ich auf Okinawa bin, in seinem Dojo speziell sein Kumite mit meinen Schülern.
Bei Großmeister Nakasone Koichi 8. Dan Kyoshi bin ich manchmal zu Gast um Kumite zu üben. Er ist der Fullcontact-Chief von Okinawa und er hat eine Vorliebe für Baseballschläger, am besten im dreier Pack. Auch er besuchte mich 1999 in meinem Dojo in Trier.
Nicht vergessen darf ich Großmeister Shiroma Seiichi 8. Dan Kyoshi von dem ich auch im Kobudo unterrichtet wurde und zu dem ich ebenfalls ein iniges Verhältnis pflege.
Von Großmeister Shimabukuro Kasei 9. Dan Hanshi habe ich so einiges über das Leiten eines Karate–Dojo gekernt. Weiterhin sind da noch die Großmeister Fukuhara Chofu 9. Dan Hanshi, Hanashiro Seisho 9. Dan Hanshi, Ishimine Shinichi 9. Dan Hanshi, Shiroma Akiyoshi 8. Dan Kyoshi, Higa Shoichi 8. Dan Kyoshi, eine Großmeisterin Toyomoto Tokiko 7. Dan Kyoshi,
Und dann ist da noch mein bester Freund, Tsomori Kaoru 6. Dan Renshi, der in all den Jahren mein Sprachrohr war und es immer noch ist, mir immer in allen Angelegenheiten geholfen hat und der inzwischen hervorragend Deutsch spricht. Mein Freund Kaoru hat mich schon mehrmals in Trier besucht, einmal ist er sogar vier Monate bei mir gewesen. Zwischen uns existiert seit vielen Jahren eine tiefe Freundschaft ! Wir haben ständigen Kontakt, er ist wie mein Bruder.
Leider kann ich nicht alle hier erwähnen, wie sie sicher verstehen können. All die hier erwähnten Meister sind Seniorschüler von meinem Lehrer, Großmeister Miyahira Katsuya 10. Dan Hanshi, mit denen ich täglich im Shidokan Honbu Dojo auf Okinawa übe, wenn ich dort bin. Im Grunde habe ich von allen sehr viel gelernt, alle sind meine Lehrer, meine Freunde, denn wir sind eine große Familie! Mitarbeiter habe ich auf Okinawa bisher noch keine, aber einen Schüler in Osaka/Japan.

•    Frage: Wir wissen, dass Sie jedes Jahr einige Wochen auf Okinawa verbringen. Bitte erzählen Sie uns über den Unterricht auf Okinawa…
Sensei Laupp: Ja das ist richtig, ich bin jedes Jahr einige Wochen auf Okinawa um bei meinem Lehrer, Miyahira Sensei zu üben und mich von ihm korrigieren zu lassen! Genau, wie ich von meinen Schülern verlange, dass sie regelmäßig zur gemeinsamen Übung zusammenkommen, gilt das auch für mich. Auch mich zieht es regelmäßig zur Quelle. Dabei geht es in erster Linie darum, die Lehrer-Schüler Beziehung aufrecht zu erhalten. Diese Beziehung steht im Zentrum des Weges. Sie ist das wichtigste und reicht ein Leben lang und über den Tod des Lehrers hinaus. Das ist mir auch erst im Laufe der Zeit klar geworden. Ohne diese intensive Beziehung gibt es keine Tradition. Ohne sie sind die Bilder alter Meister, die in vielen Dojos hängen, bedeutungslos.
Der Unterricht auf Okinawa ist sehr traditionell, sehr persönlich und manchmal ziemlich hart, nicht zuletzt durch das subtropische Klima das man dort vorfindet. Ich möchte einmal kurz beschreiben wie man die Übung dort im Dojo erlebt.
Wenn man beispielsweise zur Abendübung kommt muss man darauf achten, das man mindestens fünfzehn Minuten vor Beginn der Übung im Dojo ist. Diese Zeit muss ausreichen um sich umzuziehen, sich etwas aufzuwärmen (auf Okinawa ist man immer aufgewärmt) und um sich auf die Übung mental einzustellen.
Punkt um, hört man dann, dass Miyahira Sensei die Treppe herunter kommt und man merkt förmlich, wie sich das Dojo mit seiner Aura füllt, wenn er es betritt, auch dann, wenn man ihn nicht hat sehen oder kommen hören.
Mein Lehrer Miyahira Sensei leitet heute immer noch mit fast 86 Jahren alle Übungen im Shidokan Honbu Dojo selbst. Selbstverständlich unterstützen seine Sempai`s ihn heute auf Grund seines Alters, so kommt es auch manchmal vor, das ich die Abendübung mitleiten darf, wenn ich dort bin. Das ist eine sehr ungewöhnliche Erfahrung für mich, an die ich mich heute immer wieder aufs neue gewöhnen muss. Das ist eine seltsame Angelegenheit für einen Europäer…
Man steht in Richtung Eingang (Shimosa) und verbeugt sich laut sagend: „Konban wa Sensei“, der Sensei erwidert „konban wa, mina san“ , er geht zur Stirnseite des Dojo (Shomen) und alle stellen sich auf, wie wir das auch hier kennen. Einer der älteren Schüler, der vorne rechts steht, ruft „seiza“ und alle knien sich nieder und er ruft „mokuso“, nach ca. 2 Minuten der Meditation ruf er dann „mokuso yame“ – „Sensei ni Rei“, alle verbeugen sich mit den Worten „onegai shimasu“ und der Sensei steht wieder auf. Alle Schüler warten bis der Sensei aufgestanden ist, erst dann stehen auch sie mach dem Komando „kiritsu“ wieder auf und die Übung kann beginnen. Er nimmt dann einen Sempai aus der Gruppe, der die Aufwärmübungen (jumbi undo) mit allen macht(max. 5-10 Minuten). Auf Okinawa ist es nicht üblich, von zwei Übungsstunden eine halbe bis eine Stunde die Aufwärmübungen wie in Europa zu machen.
Miyahira Sensei ist der Meinung das wir uns nicht in einer Gymnastikschule befinden, sondern in einem Karate-Dojo, wo man den Weg (Do) übt. Die Übung beginnt dann mit Kihon Kata, dann mit Kata, dann Kata Bunkai und zwischendurch muss man am Makiwara und Kote kitae üben. Am Ende der Übung wird dann wieder die gleiche Zeremonie wie zu Beginn mit den Worten „arigato gozaimashita“ gemacht . Am strengsten sind die Partnerübungen bei denen ich dann mal wieder an meinen Übungspartnern fühle, das man (Mann)mit sechzig oder mehr Jahren noch lange nicht zum alten Eisen gehört, obwohl sie sich wie Eisen anfühlen.
Früher war die Übung im Dojo noch viel härter als heute und es gab wirklich reichlich Schmerzen mit denen man nach der Übung umzugehen lernen musste. Heute ist Miyahira Sensei nicht mehr ganz so streng, dafür aber seine Sempai`s. Er legt aber wie eh und je großen Wert auf die Genauigkeit der ausgeführten Techniken, sei es beim Kihon, bei der Kata, beim Bunkai oder bei der Übung mit dem Makiwara.
Das Shidokan Honbu Dojo in dem man übt, ist wirklich von großer Karategeschichte geprägt und man fühlt förmlich die positive Energie, womit dieser Raum gefüllt ist. Alleine der Holzboden, der von namhaften Karategrößen der vergangenen und der heutigen Zeitgeprägt ist, deren Schweiß er aufgesogen hat, vermittelt eine enormes Kraftfeld.
Man muss sich erst einmal all dessen bewusst werden, wenn man an einem solchen Ort übt. All diese Zusammenhänge machen den Unterricht in einem solchen Dojo auf Okinawa zu etwas ganz besonderem und einer großartigen Erfahrung! Dies trifft mehr oder weniger für alle Dojo`s auf Okinawa zu, ganz gleich welcher Stilrichtung sie angehören.
Ich bitte sie, versuchen Sie es eines Tages einmal selbst zu erleben.

•    Frage: Wie ist es mit den Karate-Sensei aus Europa / Deutschland? Wen schätzen Sie hier und warum?
Sensei Laupp: In Europa ist die Übung, also der Unterricht etwas anders als der auf Okinawa und somit sind die meisten Sensei`s hier in Europa / Deutschland nicht wie die auf Okinawa. Das ist aber ganz normal, obgleich ich mir wünschen würde das man sich hier noch mehr in die traditionelle Richtung entwickeln würde.
Einige Lehrer, die ich hier in Europa kennen gelernt habe, haben den traditionellen Weg eingeschlagen, das ist auch sehr gut so. Aber es sind immer noch zu wenige, die diesen Weg wählen.
Wenn mache Sportkarateka älter werden und ihre sportliche Karriere vorbei ist, hängen sie ihren Karate- Gi lieber an den Nagel und führen Ämter als Funktionäre in ihren jeweiligen Verbänden aus, ohne wirklich Budo betrieben zu haben.
Dabei kann man Budo, also z. B. traditionelles Karatedo bis ins hohe Lebensalter betreiben. Vielen fehlt wohl der Mut sich nur etwas umzuorientieren, dabei ist es so leicht!
Wenige führen ihren Sportweg als Trainer in ihren Karate-Sportvereinen mehr oder weniger erfolgreich fort.
Wie ich schon Anfangs bemerkt habe, als Sport lässt sich Karate hier leichter an den Mann und die Frau bringen. Ein in Europa lebender und befreundeter okinawanischer Sensei hat mal zu mir gesagt: „Wenn du hier in Deutschland weiterhin so wie in Okinawa deinen Unterricht führst, dann wirst du mit der Zeit all deine Schüler verlieren“. Er war der Meinung, das man mit Europäern die Übungen und den Unterricht nicht so durchführen könne, wie in Okinawa, da es halt Europäer seien.
Ich war damals und bin auch noch heute der Meinung, das keine Mentalitätsfrage ist, sondern nur eine Frage dessen, wie man den Budo -Unterricht vermittelt und weitergibt, nämlich so wie man es auf Okinawa macht. Es mag sein, das man es dann am Anfang etwas schwerer hat, weil die trad. Übung etwas härter ist und den Schülern etwas mehr abverlangt wird, als nur ihren Körper schnell zu bewegen.
Heute habe ich mehr Schüler als damals, auch wenn es manchmal sehr schwer war. Heute kann ich stolz auf meine Schüler blicken, wenn ich sehe das sie das verstanden haben was die Budo-Lehre uns vermitteln will.
Ich schätze in Europa einige japanische sensei, die in Europa leben und den traditionellen Weg gehen, oder aber sehr erfolgreich den sportlichen Weg eingeschlagen haben. Da währen z.B. Chinen Sensei, Oshiro Sensei, Adaniya Sensei, Kase Sensei , Shirai Sensei und zu letzt, Enoeda Sensei, der leider kürzlich verstarb, um nur wenige von denen in Europa lebenden japanischen Lehren zu nennen, welche die Karate-Szene in Europa in den letzten Jahrzehnten bereichert haben.
Von den europäischen Lehren schätze ich vor allem sensei Werner Lind, sensei Gilbert Gruss, sensei Wolfgang Ziebart, sensei Albrecht Pflüger, sensei Wichmann, sensei Günther Mohr, sensei Karamitsos Efthimios, sensei Bernd Milner und sensei Fritz Nöpel, um nur einige zu nennen, weil sie die deutsche Karateszene zum einen mitgeprägt, beeinflusst und zum Teil neu belebt haben.
Ich habe recht viel in diesem Interview gesagt und möchte diesem jetzt nichts mehr hinzufügen. Ich hoffe das meine Erläuterungen und meine Meinungen auf Interesse stoßen und die Leser zu einem höheren Budo-Verständnis inspirieren!
Ich bedanke mich recht herzlich bei Ihnen liebe Frage für dieses Interview.

Sensei Laupp 8. Dan Kyoshi – Kancho – O.S.S.K.D.
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