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Die Waffen des Volkes

Kobudo-Hanbo

Homepage Kobudō

In früheren Zeiten konnte kein System der „leeren Hand“ (karahō) ohne den zusätzlichen Gebrauch von Waffen (bukihō) überleben. Die samurai verwendeten im bujutsu Kriegerwaffen, das Volk funktionierte alltägliche Gebrauchsgegenstände in Waffe um und gründete damit die Systeme des kobujutsu.
Bis zur Versportlichung der Systeme in Japan und der Veränderung des bujutsu im budō, war eine Trennung der beiden nicht denkbar. Weder in den japanischen Kampfsystemen noch in den okinawanischen Kampfsystemen konnte man auf den zusätzlichen Gebrauch von Waffen verzichten. Auch heute sind sie notwendige Hilfen in der Selbstverteidigung und werden im shōtōkan kenpō karate automatisch in das waffenlose Training integriert.

Was ist Kobujutsu / Kobudō ?

Kobujutsu ist eine spezielle Waffenmethode (bukihō), die sowohl in Japan, als auch auf Okinawa den Gebrauch von volkstümlichen Waffen lehrt. Später wurde daraus der moderne Begriff kobudō abgeleitet, der die kriegerischen Methoden des kobujutsu in friedliche Übungsmethoden verwandeln sollte.

1.    Kobujutsu 古武術 – „Altes bujutsu“ (古武術) ist die Bezeichnung für die volkstümlichen Waffensysteme der rangniederen Bevölkerung aus Japan (Kobujutsu (Japan)) und Okinawa (Kobujutsu (Okinawa)). Kobujutsu ist eine vage Abgrenzung zur japanischen Kriegskunst (bujutsu) der professionellen Krieger (bushi). Die Waffen (buki) und Systeme (ryū) des kobujutsu wurden sowohl in Japan als auch auf Okinawa meist aus den alltäglichen Arbeitsgeräten des Volkes entwickelt.
In der okinawanische Kriegskunst waren kobujutsu und tōdejutsu immer eng miteinander verbunden. Jedes unbewaffnete System wurde durch verschiedene Waffensysteme ergänzt.

2.    Kobudō 古武道 – „Altes budō“, ist ein Folgekonzept des kobujutsu und steht analog zur Veränderung des bujutsu zum budō. Dabei wurde die Silbe jutsu (Technik) durch ersetzt, was darauf hinweisen soll, dass es sich dabei um eine Wegkunst handelt.
Der Gedanke ist gut, die Umsetzung nicht. Durch die Versportlichung der Systeme wurde die kobudō kata zu einer virtuosen Demo-Show und verlor ihre Bedeutung als Speicher von verschlüsselten Sinninhalten. Völlig an der Kampfkunst vorbei, veränderte sie sich in vielen Auffassungen zu einer ausschlieslichen Zirkusnummer.

Kobudo_Graustufen1


Kobudō im Budo Studien Kreis

Definition und Inhalt

Die Kobudō-Methoden im BSK sind direkt an karate gebunden und setzen sich aus okinawanischen (Kobudō (Okinawa)) und japanischen (Kobudō (Japan)) Standards zusammen. Ihre Lehre folgt einem Schema, das paralell an die Ausbildung der waffenlosen Techniken des SKK gebunden ist. In diesem Kontext bauen die Kobudō-Systeme des BSK zunächst auf dem Prinzip renshūhō auf und folgen dem enbusen  der waffenlosen taikyoku des SKK auf. Auf diese Weise werden einfache Prinzipien und Techniken der „leeren Hand“ auf die „bewaffneten Hand“ übertragen.
Im Kobudō-System des BSK wird wie folgt weiter entwickelt:

 •   Kihon waza und Kihon ippon kumite – Das Systeme der katamäßigen Grundschule und Partnerübung baut auf dem Konzept der taikyoku nidan des BSK auf.
•    Jiyū waza und Jiyū ippon kumite – Das Systeme der freien Techniken baut auf dem Konzept der taikyoku sandan des BSK auf.
•    Kobudō Kata – Erst nachdem die Grundlagen der Waffentechniken im oben beschriebene Konzept (kihon und jiyū) beherrscht werden, lehren wir im BSK die klassische kobudō kata. Hierbei verändert sich das Training zu einem Studium (bunkai) der klassischen kata.

Das Ziel dabei ist, die Erfahrungen aus dem Karate-Training ohne größeren Aufwand in die Anwendungen von Waffen (buki) zu übertragen. Die Kobudō-Waffen sind nichts weiter als verlängerte Arme von waffenlosen Techniken. Wenn sie richtig geübt werden, kann ein Übender später jeden Gegenstand als Waffe benutzen.

Die Waffen des Shōtōkan Kenpō Karate

Ein Kobudō-System ohne gleichzeitige Ausbildung im karate wird im BSK nicht unterrichtet. Die SKK-Lehrer bauen die Waffenkünste auf Erfahrungen aus dem Training der waffenlosen Hand auf und gewährleisten dadurch die intensive Verbindung beider Systeme. Das Ziel dabei ist, jeden Gegenstand als Waffe gebrauchen zu lernen, um schließlich waffenlos (karahō) oder bewaffnet (bukihō) auf gegnerische Angriffe frei zu reagieren.
Zu diesem Zweck unterrichten wir aus dem großen Komplex des mittelalterlichen kobujutsu zunächst nur eine Auswahl von Waffen, die für die moderne Selbstverteidigung geeignen sind. Die meisten stammen aus dem Kobujutsu (Okinawa), manche aber auch aus dem Kobujutsu (Japan).

Der Stock – die Grundwaffe im SKK

Die Hauptwaffe für Anfänger im SKK ist der Stock. Die Stockwaffen zählen zu den ältesten Gebrauchsgegenständen der Menschheit und spielten in seiner Evolution eine entscheidende Rolle. In allen Kulturen der Welt wurde der Stock als erste Selbstverteidigungswaffe verwendet.
In Japan bezeichnet man den Stock als , in China als gùn und auf Okinawa als kon (kun). Die unterschiedlichen Stocksystemen entstanden durch die Unterscheidung ihrer Länge – auf Okinawa nach dem japanischen Längenmaß (shaku = 33 cm). Obwohl es viele Stockarten gibt, gebraucht man heute den Begriff als Standardt für den 1,80 cm langen Stock.

Bōjutsu 棒術

Kobudo_Bo1•    (okin: rokushakubō) – Die Systeme mit dem (bōjutsu) bezeichnen das Techniksystem mit dem langen Stock (1,80 cm). Übende des shōtōkan kenpō karate integrieren von Anfang an das Bō-Training in ihre Übung. Im BSK ist der die Grundwaffe des kobudō, die jeder lernt und die er als Einstieg in andere Waffensysteme verwenden kann.
Im BSK gibt es dafür einen in sich geschlossenen Trainingsaufbau über Aufbaugymnastik (junbi undō), Grundtechniken (bō kihon), Partnerübungen (bō kumite), Formen (bō kata) und Formanwendungen (ōyō). Die Grundlagen des werden innerhalb der Karate-Trainings vermittelt, Zusatztraininge gibt es in gesonderten Gruppen.
Folgende bō kata werden im Budo Studien Kreis geübt: bō renshūhō shodan, bō renshūhō nidan, bō renshūhō sandan, shūshi no kon, shōun no kon, gyōshō no kon und kaiten no bō.
Die Formen renshūhō shodan, renshūhō nidan und kaiten no bō sind Gründungen des Budo Studien Kreises, die weiteren kata kommen aus dem klassischen okinawanischen bōjutsu.

Hanbōjutsu 半棒術

Kobudo-Hanbo_1•    Hanbō (okin: sanshakubō) – Das System mit dem hanbō verwendet den 90 – 100 cm langen Stock als Waffe zur Selbstverteidigung. Ursprünglich wurde dieser Stock sowohl in Japan (hanbō) als auch auf Okinawa (sanshakubō) verwendet. Im Budo Studien Kreis gibt es eine eigene Version, kombiniert aus den Konzepten des japanischen kukishin ryū und aus okinawanischen Systemen.
Das System des hanbō lehrt Stoß-, Schlag-, Hebel- und Würgetechniken für die moderne Selbstverteidigung. Das Ziel ist, mit jedem Gegenstand (z.B. mit einem Regenschirm) Techniken des hanbōjutsu nachvollziehen zu können und dadurch eine gute Selbstverteidigungsfähigkeit zu erreichen. Folgende kata liegen dem Hanbō-System des BSK zugrunde: hanbō renshūhō shodan, hanbō renshūhō nidan, hanbo kata shodan, hanbo kata nidan, hanbō kata sandan.

Tanbōjutsu 短棒術

Kobudo_Tanbo•    Tanbō und Nitanbō – Der klassische tanbō ist etwa 60 cm lang und wird manchmal auch paarweise gebraucht (nitanbō oder nijō tanbō). Im Laufe der Zeit entwickelten sich viele Variationen des tanbō. Einige von ihnen hatten Spitzen über die gesamte Länge des Schaftes mit Ausnahme der Griffflächen. Auf Okinawa gab es Varianten, an deren Ende eine Schnur befestigt war, wodurch der Stock gewirbelt werden konnte, indem man das eine Ende der Schnur festhielt.
Es liegt nahe, dass die okinawanischen Tanbō-Techniken von denen des philippinischen Stockes (baton), der in der Selbstverteidigungsform arnis verwendet wird, beeinflußt sind. Heutige Abkömmlinge des tanbō finden sich in den okinawanischen und japanischen Polizeiknüppeln (keijōjutsu). Bekannte tanbō kata sind die sekiun no tanbō und die noburo no tanbō.

Yubibōjutsu 指棒術

Kobudo_Yubibo•    Yubibō (okin: koshinobō) – Bedeutet wörtlich „Fingerstock“, und ist eine kurzer Stab (20 cm) aus der Kategorie der okinawanischen Faustwaffen (chizekunbō).
Im shōtōkan kenpō karate des BSK wird der Umgang mit diesem an beiden Enden zugespitzten Stock als wirkungsvolle Waffe der Selbstverteidigung gelehrt. Mit ihm kann man in der Nahdistanz die sensiblen Körperstellen (kyūsho) eines Angreifers stimulieren und ihn zur Aufgabe zwingen. Allerdings ist seine Anwendung an ein Studium des kyūshojutsu unter einem erfahrenen Lehrer gebunden.
Der Einsatz des yubibō ist mit jedem kleinen Gegenstand möglich, z.B. auch mit einem Kugelschreiber. Seine Anwendung ist in den Systemen der BSK-Kampfkünste enthalten und wird zusammen mit BSK-Kyūshojutsu unterrichtet.

Tonfajutsu トゥンファー術

Kobudo_Tonfa1•    Tonfa (okin: tuifa) – Die tonfa war ursprünglich ein hölzerner Griff, der in das Loch eines Mühlsteines paßte, den die Okinawaner dazu benutzten, ihr Korn zu mahlen. Die Herkunft und die Entwicklung der tonfa zur Waffe ist jedoch chinesisch.
Auf Okinawa wird die tonfa als Waffe zumeist paarweise gebraucht. Sie gewährleistet einen wirkungsvollen Schutz gegen Angreifer und verlängert gleichzeitig den Arm des Verteidigers zur Überbrückung größerer Distanzen im Konter. Wegen ihrer Wirksamkeit wird sie heute im Polizeidienst und in der Armee vieler Länger eingesetzt.
Traditionell wird tonfajutsu über die klassischen okinawanischen tonfa kata aufgebaut. Im shōtōkan kenpō karate des BSK werden folgende Formen im Ablauf und in der Anwendung geübt: tonfa renshūhō shodan, tonfa renshūhō nidan, matsuhiga no tonfa und hamahiga no tonfa.

Nunchakujutsu ヌンチャク術

Kobudo_Nunchaku•    Nunchaku – mit nunchaku bezeichnet man eine aus mehreren Holzteilen verbundene okinawanische Waffe. Die Version mit zwei Stöcken (sōsetsukon) ist die bekannteste, es gibt aber auch Varianten mit drei Stöcken (sansetsukon), und vier Stöcken (yonsetsukon). Eine weitere Version (renkuwan) wurde auf Okinawa früher als Dreschflegel verwendet.
Ihr Ursprung ist chinesisch, entwickelte jedoch auf Okinawa eigene Versionen. Die chinesische Methode verwendet leichtere Hölzer, ist verspielt und virtuos – die okinawanische Methode verwendet schwere Stöcke und ist sehr kampfbezogen. Ihre Techniken sind tödlich, Grund warum die Waffe mit Vorsicht zu gebrauchen ist. Traditionell basiert ihr System auf nunchaku kata.
Im BSK werden folgende Formen gelehrt: nunchaku renshūhō shodan, nunchaku renshūhō nidan, tōyama no nunchaku, jūhō no nunchaku, taira no nunchaku, nichō nunchaku.

Kamajutsu 鎌術

Kobudo_Kama•    Kama und Nichōgama – die kama ist eine kurzgriffige Sichel, die im ganzen südostasiatischen Raum als Bauerngerät zum Schneiden von Korn, Reis oder Zuckerrohr verwendet wurde. In vielen Ländern Südostasiens wurde sie zur Waffe perfektioniert. In Japan kennt man Versionen wie naigama (Sichel an einem 2 m langen Stock), sōgama (Sichel am Stock mit zwei Schneiden) oder jingama (Waffe der ashigaru).
Ihre Grundform ist in Japan und Okinawa gleich. Die kama wird einfach (kama) oder paarweise (nichōgama) verwendet. Auf Okinawa kennt man auch Versionen mit Kette und Gewicht (kusarigama) oder eine am Stock befestigte Sichel (rokushakugama).
Die Systeme der kama begründen sich auf bis zu 350 Jahre alten kama kata. Im Budo Studien Kreis wird kamajutsu auf der Grundlage folgener kata gelehrt: kama renshūhō shodan, kama renshūhō nidan, bassai kama.

Saijutsu 釵術

Kobudo_Sai•    Sai – das saijutsu lehrt den Umgang mit der Sai-Gabel (Kreuzklinge / Dreizack), die in ganz Südostasien bekannt, wahrscheinlich im 17. Jahrhundert von China nach Japan und Okinawa gebracht wurde. In Japan tangiert sie mit den mitsu dōgu, die als Kreuzlanzen von den ashigaru verwendet wurde. Säter veränderte sie sich in eine Polizeiwaffe (jutte).
Im BSK sind nur die okinawanischen sai relevant. Zu welchem Zweck sie auf Okinawa wirklich verwendet wurden, ist heute unklar. Man vermutete den Ursprung im Fischergerät manji sai (Gabel mit einem umgekehrten Zacken). Eine andere Variante ist der nuntebō (eine Sai-Gabel an einem langen Stock).
Gelehrt wurde das System auf der Grundlage von sai kata. Im BSK sind folgende kata von Bedeutung: sai renshūhō shodan, sai renshūhō nidan, nichō sai, sanchō sai, chatanyara no sai, kūshankū no sai.


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