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„In
einem Bericht sollte man die Gefühle des Schreibers
nachvollziehen, das Erlebte in seinen Worten spüren
können.“
Diesen Satz habe ich schon oft von meinen Lehrern
gehört, denn niemand will einen Bericht lesen, der aus
einer rein formalen Auflistung der Dinge besteht, die in
einem Seminar oder Trainingslager gemacht wurden.
Dies macht aus dieser einfachen Zusammensetzung von
Worten eine Hülle ohne Inhalt, einer Form, der die Tiefe
fehlt.
Deshalb ist es gleichermaßen eine Übung einen Bericht
über ein Erlebnis zu schreiben, sowie im Dojo zu stehen
und zu versuchen, eine Bewegung bis ins kleinste Detail
nachzuvollziehen.
Für dieses Seminar legten wir den Hauptschwerpunkt auf
die Kata Taikyoku nidan und das Kihon Ippon Kumite.
Beide Formen sind festgelegt und bestehen nur aus Kihon
Techniken.
Kihon ist die Basis aller Kampfkünste, ohne deren
genaustes Studium man später kaum in der Lage sein wird,
schnelle und effiziente Techniken in einem Kampf
anwenden zu können und so zu bestehen.
Das Studium des Kämpfens ist wie der Bau eines
Hauses,
man fängt als Basis mit dem Keller, nicht mit dem Dach
an.
(Matthias Degen)
Obwohl die Kata wie auch das Kumite einem Anfänger sehr
früh beigebracht werden, sind sie auch für alle höher
graduierten Budoka sowie Dan – Träger unheimlich
wichtig.
Somit begangen wir zuerst mit dem Ablauf der Taikyoku
nidan, an der Matthias Degen uns detailliert erklärte
auf welche Bewegungsprinzipien es ankam, wie
Aufziehbewegung, Hüftbewegung und Sabaki.
Unzählige Male liess er uns verschiedene Techniken
wiederholen, sodass wir Zeit hatten die Bewegung zu
studieren.
Ich selbst bin die Kata schon viele Male gelaufen,
konnte jedoch wieder unzählige Kleinigkeiten
feststellen, auf die ich vorher nicht geachtet hatte,
Dinge die mir unlogisch vorkamen und einfach nicht
funktionieren wollten. Wie zum Beispiel entwickelt man
das nötige Kime an den wichtigen Stellen wie den
Kiaipunkten?
Matthias Degen erklärte uns, dass hierbei die geistige
Haltung eine wichtige Rolle spielt wie stark eine Kata
wirkt bzw. wirklich ist. Um innere wie äußere Stärke in
den Techniken zu entwickeln, braucht man ein
Trefferbewusstsein, sodass man sich im Kihon und in der
Kata einen Gegner vorstellt, bei dem man die jeweilige
Technik anwendet. Wie ich jedoch bemerkte, half es nicht
sich nur auf einen imaginären Gegner zu konzentrieren,
denn plötzlich wurden die Techniken ungenau, ich begann
zu viel zu „wollen“ und aus einer vermeintlich starken
Technik wurde ein schwacher Lufthauch.
Natürlich sollte man sich auf Gegner konzentrieren, doch
dabei die genaue Ausführung der Technik nicht
missachten.
Dasselbe
gilt auch für das Kihon Ippon Kumite, das wir danach
übten, indem wir Sequenz für Sequenz durchgingen und uns
dabei auf die korrekte Ausführung der Kihon-Techniken
konzentrierten.
Wir trainierten mit Partnern unterschiedlichster
Graduierungen zusammen, sodass es häufig vorkam, dass
ein niedriger Kyu-Grad mit einem Schwarzgurt trainierte.
Für mich als Kyu-Grad mit einem erfahrenen Schwarzgurt
zu trainieren ist immer etwas Besonderes.
Die Techniken kommen plötzlich schneller auf mich zu,
man spürt die Kraft dahinter und oft bin ich bei den
Angriffen kurz zurückgewichen um mir (in Hoffnung) mehr
Zeit für die Abwehr zu verschaffen.
Unter anderem diese geistige Schwäche zu bekämpfen ist
das Ziel des Übens des Kihon Ippon Kumite und später des
Jiyu Ippon Kumite.
Die Tatsache, dass wohl alle Angriffe der höheren
Kyu-Grade und Dan-Grade mich im Kampf getroffen hätten,
gab mir jedoch keinesfalls das Gefühl von Mutlosigkeit,
sondern den Ehrgeiz mich mehr mit den Grundtechniken und
dem Kihon Ippon Kumite zu beschäftigen und mich dadurch
in meiner Kampfkunst zu verbessern. Verstärkt wurde
dieses Gefühl durch das freundschaftliche Band das uns
alle miteinander verbindet.
Vertieft während der Übung innerhalb und ausserhalb des
Dojos, beim gemeinschaftlichen Putzen oder dem
gemütlichen Essen, bringt es uns vorwärts in unserem
Leben und in unserer Kampfkunst.
Dieses Seminar hat mir wieder so viele Dinge deutlich
gemacht, die ich unmöglich in einem einzigen Bericht
erfassen kann.
Ich bedanke mich bei Matthias Degen und allen
Beteiligten für dieses detaillierte und ausführlich
geführte Seminar, das mich in meinem Verständnis der
Grundlagen auf meinem weiteren Weg voranbringen wird.
Jacqueline Auen
Budokan Bensheim
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