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Prüfungen im BSK
Gästebuch

Goshin 1-3

05.- 07. 2. 2010

 

Von: Erik Warken, Angela Mögel

 

Eine frühe Erfahrung auf Lehrgängen verschiedener Verbände, war das scheinbar willkürliche Verändern von Formen der unterrichtenden Lehrer/Trainer. Es gab „ursprüngliche“, „wahre“ oder „weiterentwickelte“ Formen. Die Lehrer grenzten sich gegen andere ab, indem sie etwas „eigenes“ kreierten. Selten gab es Erklärungen, meist handelte es sich um wettkampfspezifische Anpassungen.
Ich war oft verwirrt und frustriert darüber.

Dann lernte ich Sensei Werner Lind und die Lehrer des BSK kennen. Hier war alles anders, freute ich mich! Technisch gesehen gab es ein festes System, alle legten es gleich aus und jeder Lehrer korrigierte nach dem selben Maßstab. So dachte ich anfangs.
Doch nicht lange, dann wurde das Prüfungsprogramm überarbeitet, neue Formen wurden gegründet, alte verändert oder abgeschafft. Noch mehr, die Lehrer interpretierten die Formen nach unterschiedlichen Schwerpunkten. Zu Verwirrung und Frustration führte dies aber nicht mehr. In vielen Mondo, Gesprächen und während des Trainings zeigten die Lehrer des BSK ihre Intention und ihr Verständnis der Kampfkünste.

In diesem Sinne wurde am vergangenen Wochenende ein weiteres Kapitel im Shotokan Kenpo Karate aufgeschlagen. Die Sensei Ursel Arnold, Christian Lind und Peter Schömbs leiteten das Seminar „Goshin 1 – 3“ in dem sie das überarbeitete Goshin System vorstellten. Dieses verlässt die nach dem Kaeshi- und Okuri-Prinzip zusammengestellten Kombinationen der vorherigen Formen. Stattdessen werden einzelne Sequenzen zu den Themen Hodoki (Befreiungen), Kansetsu waza (Hebel) und Nage waza (Würfe) geübt.
Die Zusammenstellung richtet sich zum Teil nach dem Bunkai der jeweiligen Kata (Goshin ichi – Heian shodan, etc.), aber auch nach der Wichtigkeit oder dem Schwierigkeitsgrad des Anwendungsprinzips. Neu ist auch, das jede Sequenz beidseitig zur Anwendung kommt.
Die Entwicklung des Goshin Systems ergab sich aus der nüchternen Tatsache, dass wir Schüler in den alten Goshin Formen zu sehr am Ablauf haften blieben, anstatt die Prinzipien zu ergründen. So blieb die Bedeutung und der Zusammenhang zwischen korrekt ausgeführtem Kihon, dem damit verbundenen Bewegungsprinzip und der Anwendung verborgen.

Die Sequenzen stellen bewusst keine realitätsbezogenen Selbstverteidigungssituationen dar. Es handelt sich beispielsweise um „einfache“ Befreiungen aus Griffen mittels Gedan barai oder Uchi uke oft verbunden mit Bewegungen, die das Gleichgewicht stören sollen. Dadurch lassen sich die Prinzipien bis ins kleinste Detail herausarbeiten. Zwei bemerkenswerte Dinge haben sich für mich dabei gezeigt.

1.Es existieren unzählige Details zur Ausführung einer Technik (Winkel, Geschwindigkeit, Rhythmus, Richtung, etc.) die zu beachten sind. Dabei sind in dem neuen Goshin System viele Dinge noch gar nicht aufgegriffen, die erst in späteren Formen hinzugefügt werden.
2.Der BSK ist eine Gemeinschaft von erfahrenen Lehrern, die ihr ganzes Können und ihre Kraft dazu verwenden ihre Kunst zu beherrschen, zu verfeinern und immer wieder zu überarbeiten. Die Sensei ließen erahnen wie viel Übung, Beobachtung, Anwendung und Unterricht dahinterstecken, bis es zu einer solchen Überarbeitung kommt.

Das geänderte System soll offen für eigene Anpassungen oder Erweiterungen sein, erklärten die Sensei. Ich für meinen Teil bin wiedereinmal überwältigt von der bereits beschriebenen Tiefe und werde meine Kreativität lange zügeln können, bis ich die Bedeutung eines Gedan barai oder Uchi uke (der mich dezent in Richtung Verzweiflung brachte) erfasst habe.

Danke Werner, Ursel, Peter, Christian und allen Beteiligten für dieses Seminar, für eure Zeit, eure Energie und dafür dass ihr dies mit uns teilt.

Erik Warken
Kampfkunstzentrum Weil am Rhein


Neuer Blickwinkel

Wer seid längerer Zeit die Goshin-Formen des BSK übt wird im letzten Seminar zur Goshin- Form 1 bis 3 besonders überrascht worden sein.
Überrascht –aber sehr positiv. Die neuen prüfungsrelevanten Formen ermöglichen wieder einen ganz neuen Zugang zur Kampfkunst. Das Alte wird dabei nicht vergessen oder „über Bord geworfen“ sondern aus einem neuen Blickwinkel betrachtet. Am Beispiel heißt das: statt eine Kombination mit mehreren Techniken und Prinzipien zu üben wie die zweite Kombination in der früheren Goshin 1 (2 malige Befreiung aus dem Fassen am Handgelenk und Abwehr von Fauststößen), nun das Konzentrieren auf ein Prinzip. Als Beispiel kann die erste Kombination in der aktuellen Goshin 1 aufgeführt werden (2 malige Befreiung aus dem Fassen am Handgelenk).
Jede Kombination konzentriert sich auf ein Prinzip der Befreiung aus dem Fassen, geschubst oder gezogen werden. Die Heian-Kata bilden die Vorlage. Prinzipien des Hebeln und Werfen finden einen frühen Eingang in das Karate-Studium.
Für mich persönlich finde ich das genaue Studium dieser Techniken eine große Bereicherung. Wie Sensei Christian Lind, Peter Schömbs und Ursel Arnold erläuterten, sollen die einzelnen Kombinationen in hoher Wiederholungszahl geübt werden. Das hat für die einzelne Technik einen höheren Übungseffekt als die gesamte Form zum Beispiel 5 mal im Training zu üben.

Angela Mögel
Budokan Bensheim

 

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