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Eine
frühe Erfahrung auf Lehrgängen verschiedener Verbände,
war das scheinbar willkürliche Verändern von Formen der
unterrichtenden Lehrer/Trainer. Es gab „ursprüngliche“,
„wahre“ oder „weiterentwickelte“ Formen. Die Lehrer
grenzten sich gegen andere ab, indem sie etwas „eigenes“
kreierten. Selten gab es Erklärungen, meist handelte es
sich um wettkampfspezifische Anpassungen.
Ich war oft verwirrt und frustriert darüber.
Dann lernte ich Sensei Werner Lind und die Lehrer des
BSK kennen. Hier war alles anders, freute ich mich!
Technisch gesehen gab es ein festes System, alle legten
es gleich aus und jeder Lehrer korrigierte nach dem
selben Maßstab. So dachte ich anfangs.
Doch nicht lange, dann wurde das Prüfungsprogramm
überarbeitet, neue Formen wurden gegründet, alte
verändert oder abgeschafft. Noch mehr, die Lehrer
interpretierten die Formen nach unterschiedlichen
Schwerpunkten. Zu Verwirrung und Frustration führte dies
aber nicht mehr. In vielen Mondo, Gesprächen und während
des Trainings zeigten die Lehrer des BSK ihre Intention
und ihr Verständnis der Kampfkünste.
In diesem Sinne wurde am vergangenen Wochenende ein
weiteres Kapitel im Shotokan Kenpo Karate aufgeschlagen.
Die Sensei Ursel Arnold, Christian Lind und Peter Schömbs leiteten das Seminar „Goshin 1 – 3“ in dem sie
das überarbeitete Goshin System vorstellten. Dieses
verlässt die nach dem Kaeshi- und Okuri-Prinzip
zusammengestellten Kombinationen der vorherigen Formen.
Stattdessen werden einzelne Sequenzen zu den Themen
Hodoki (Befreiungen), Kansetsu waza (Hebel) und Nage
waza (Würfe) geübt.
Die Zusammenstellung richtet sich zum Teil nach dem
Bunkai der jeweiligen Kata (Goshin ichi – Heian shodan,
etc.), aber auch nach der Wichtigkeit oder dem
Schwierigkeitsgrad des Anwendungsprinzips. Neu ist auch,
das jede Sequenz beidseitig zur Anwendung kommt.
Die Entwicklung des Goshin Systems ergab sich aus der
nüchternen Tatsache, dass wir Schüler in den alten
Goshin Formen zu sehr am Ablauf haften blieben, anstatt
die Prinzipien zu ergründen. So blieb die Bedeutung und
der Zusammenhang zwischen korrekt ausgeführtem Kihon,
dem damit verbundenen Bewegungsprinzip und der Anwendung
verborgen.
Die
Sequenzen stellen bewusst keine realitätsbezogenen
Selbstverteidigungssituationen dar. Es handelt sich
beispielsweise um „einfache“ Befreiungen aus Griffen
mittels Gedan barai oder Uchi uke oft verbunden mit
Bewegungen, die das Gleichgewicht stören sollen. Dadurch
lassen sich die Prinzipien bis ins kleinste Detail
herausarbeiten. Zwei bemerkenswerte Dinge haben sich für
mich dabei gezeigt.
1.Es existieren unzählige Details zur Ausführung einer
Technik (Winkel, Geschwindigkeit, Rhythmus, Richtung,
etc.) die zu beachten sind. Dabei sind in dem neuen
Goshin System viele Dinge noch gar nicht aufgegriffen,
die erst in späteren Formen hinzugefügt werden.
2.Der BSK ist eine Gemeinschaft von erfahrenen Lehrern,
die ihr ganzes Können und ihre Kraft dazu verwenden ihre
Kunst zu beherrschen, zu verfeinern und immer wieder zu
überarbeiten. Die Sensei ließen erahnen wie viel Übung,
Beobachtung, Anwendung und Unterricht dahinterstecken,
bis es zu einer solchen Überarbeitung kommt.
Das geänderte System soll offen für eigene Anpassungen
oder Erweiterungen sein, erklärten die Sensei. Ich für
meinen Teil bin wiedereinmal überwältigt von der bereits
beschriebenen Tiefe und werde meine Kreativität lange
zügeln können, bis ich die Bedeutung eines Gedan barai
oder Uchi uke (der mich dezent in Richtung Verzweiflung
brachte) erfasst habe.
Danke Werner, Ursel, Peter, Christian und allen
Beteiligten für dieses Seminar, für eure Zeit, eure
Energie und dafür dass ihr dies mit uns teilt.
Erik Warken
Kampfkunstzentrum Weil am Rhein
Neuer
Blickwinkel
Wer seid
längerer Zeit die Goshin-Formen des BSK übt wird im
letzten Seminar zur Goshin- Form 1 bis 3 besonders
überrascht worden sein.
Überrascht –aber sehr positiv. Die neuen
prüfungsrelevanten Formen ermöglichen wieder einen ganz
neuen Zugang zur Kampfkunst. Das Alte wird dabei nicht
vergessen oder „über Bord geworfen“ sondern aus einem
neuen Blickwinkel betrachtet. Am Beispiel heißt das:
statt eine Kombination mit mehreren Techniken und
Prinzipien zu üben wie die zweite Kombination in der
früheren Goshin 1 (2 malige Befreiung aus dem Fassen am
Handgelenk und Abwehr von Fauststößen), nun das
Konzentrieren auf ein Prinzip. Als Beispiel kann die
erste Kombination in der aktuellen Goshin 1 aufgeführt
werden (2 malige Befreiung aus dem Fassen am
Handgelenk).
Jede Kombination konzentriert sich auf ein Prinzip der
Befreiung aus dem Fassen, geschubst oder gezogen werden.
Die Heian-Kata bilden die Vorlage. Prinzipien des Hebeln
und Werfen finden einen frühen Eingang in das
Karate-Studium.
Für mich persönlich finde ich das genaue Studium dieser
Techniken eine große Bereicherung. Wie Sensei Christian Lind, Peter Schömbs und Ursel Arnold erläuterten, sollen
die einzelnen Kombinationen in hoher Wiederholungszahl
geübt werden. Das hat für die einzelne Technik einen
höheren Übungseffekt als die gesamte Form zum Beispiel 5
mal im Training zu üben.
Angela Mögel
Budokan Bensheim
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