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Taijiquan Grundlagen

29.- 30.1. 2010

 

Von: Madeleine Warken-Jugl, Irina Felber

 

Trotz Schneestürmen und zum Teil vereister Straßen kamen alle Teilnehmer und Lehrer sicher im Dojo an.
In diesem Taiji-Seminar ging es nicht darum neue Formen zu erlernen, sondern sich mal wieder aufs Wesentliche, besser gesagt auf die Grundlagen zu konzentrieren. Sowohl im eigenen Üben, als auch beim Unterrichten. Da einige von den Anwesenden mittlerweile auch selbst unterrichten und dadurch die eine oder andere Frage auftauchte, hatten wir an diesem Wochenende Gelegenheit diese loszuwerden. Anhand theoretischer und praktischer Ausführungen brachte uns Sifu Gabi Fischer-Lind die Bedeutung, die Prinzipien und den Charakter des Taijiquan näher. Wir besprachen, auf was es im Aufbau der Trainingsstunden ankommt und wie man sie in die Praxis umsetzen kann.
Sie gab uns viele Impulse und Ideen, die es jetzt heißt umzusetzen. Wir versuchten dies auch gleich selber. Denn nach dem reinen lernen des Ablaufes einer Form ist es ja nicht zu ende, da fängt die Übung ja erstmal richtig an. Wir versuchten das eine oder andere Prinzip in der Form umzusetzen. Indem wir die Aufmerksamkeit mal nur auf die Schultern oder den Kreuzbein/Steißbein- Bereich richteten. Wir nahmen uns viel Zeit, um diese kleinen Unterschiede in der Bewegung fühlen zu können. Meine große Schwachstelle ist der untere Rücken und ich habe diesmal für mich viel klarer fühlen können, das zum Beispiel das Sinken lassen des Kreuzbeins, kein bewusstes nach unten drücken ist, sondern das dass Sinken von innen kommen muss, das es ein loslassen ist und dadurch auch die Wirbelsäule die Möglichkeit hat sich aufzurichten, damit der Weg freigemacht wird für das Qi, welches dann nach oben steigen kann und den Kopf anhebt.Wieder ein Prinzip des Taijiquan. Aber um sich darin zu üben, ist ein automatisierter Ablauf einer Form eben eine gute Voraussetzung.

Das Thema“Etikette“war ein weitere wichtiger Punkt.

Viele Dinge tut man einfach, weil sie alle machen. Man hinterfragt sie nicht und macht sich keine Gedanken darüber oder zumindest wenige. Was sicher nicht immer falsch ist, aber ab und zu helfen Hintergrundinfos, manches mit anderen Augen zu sehen und dem entsprechend die Aufmerksamkeit zu lenken. Wie zum Beispiel ganz banal bei der Verbeugung. Egal in welcher Kunst, hält man die Hände in einer bestimmten Position und verbeugt sich, entweder vor dem Übungsraum, dem Lehrer, eines Mitübenden oder auch wenn man alleine übt, vor sich selbst. Aber warum das? Zum Beispiel, das man sich beim Betreten des Dojos mal bewusst macht, das dieser Raum in dem ich jetzt üben möchte ein besonderer Raum ist, was nichts mit den Räumlichkeiten an sich zu tun hat. Das ich den Alltag jetzt draußen lasse und nur für meine Kunst da bin. Das ich mit einer Verbeugung die Achtung vor der Kunst, Respekt vor dem Lehrer oder dem Mitübenden und auch demjenigen gegenüberbringe, der die Kunst entwickelt hat. Aber das es auch bedeutet, Achtung vor den eigenen Grenzen zu haben und uns als Teil von einem Ganzen und nicht als das Ganze zu sehen.
Viele dieser kleinen Riten, wie zum Beispiel auch das Putzen nach dem Üben, haben nichts mit Strafarbeit zu tun. Auch hier geht es um ein inneres Wachsen und klären und sich von Emotionen lösen und frei machen.

Die Zeit ging wieder viel zu schnell vorbei.
Es war eine angenehme Atmosphäre in der Gruppe, die ich sehr wichtig finde, gerade wenn man so viel still übt. Ich möchte an dieser Stelle Sifu Gabi Fischer-Lind für das Vorbereitungsintensive Wochenende danken. Ich fahre jedesmal mit sehr viel Motivation und einem vollgesogenem Hirn wieder nach Hause. Ach wenn es nicht immer gleich gelingt alles so umzusetzen. Aber bekanntlich ist ja auch der Weg das Ziel. Vielen Dank auch an meine Übungspartner, für ein offenes miteinander.
 

 

Und natürlich auch ein Dank an die Köchinen aus dem Osten, die hoffentlich auch wieder gut zu Hause angekommen sind.

Bis zum nächsten Mal!

Madeleine Warken-Jugl
Kampfkunstzentrum Weil am Rhein


 

Es ändert sich – in mir.

Zur Anreise nach Bensheim gehörte dieses mal schon etwas Mut, wenn man den Wetterprognosen glauben schenken wollte. Allerdings meldete uns der ADAC am Freitagnachmittag freie Fahrt und so reisten Ute und ich am 29. Januar guten Gewissens Richtung Hessen … ja, und wir erreichten den Budokan nach überraschend zügiger Fahrt. Es war unser Glück und auch das der anderen Seminarteilnehmer, denn wie erahnt, erwartete uns Gabi mit einem Übungsprogramm der „essentiellen“ Art.

Es standen weder neue Formen, Schritte noch sonst welche Techniken auf dem Programm. Vielmehr ging es um Etikette, Prinzipien, Regeln und Hintergründe des Taijiquan, die uns Gabi Fischer-Lind einmal mehr an diesem Wochenende mit auf den Weg geben wollte.

Taijiquan üben und verstehen und üben und verstehen und wieder … Dinge, die man schon viele Male gehört hat und wieder werden sie erläutert und wieder hört man alles anders, intensiver, neu. Es ändert sich der individuelle Blickwinkel. Es ändert sich das Gefühl bei der Übung. Es ändert sich die Aufmerksamkeit. Es ändert sich das Verständnis. So viele Dinge geraten in Bewegung, wenn man sich darauf einlässt, wenn man mitmacht, wenn man dabei bleibt, wenn man selbst macht … die so einfühlsame, durchdringende, gewissenhafte, klare und konsequente Art des Unterrichtens gibt uns bei jedem gemeinsamen Üben mit Gabi Fischer-Lind Kraft, Mut und Schub auf unserem Weg. Die Freude darüber ist groß und so wird die nächste Übung bei uns zu Hause, im 550 km entfernten Furyukan, erfüllt sein von der Intensität des vergangenen Wochenendes.

Irina Felber
Furyu Königsbrück

 

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