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Trotz
Schneestürmen und zum Teil vereister Straßen kamen alle
Teilnehmer und Lehrer sicher im Dojo an.
In diesem Taiji-Seminar ging es nicht darum neue Formen
zu erlernen, sondern sich mal wieder aufs Wesentliche,
besser gesagt auf die Grundlagen zu konzentrieren.
Sowohl im eigenen Üben, als auch beim Unterrichten. Da
einige von den Anwesenden mittlerweile auch selbst
unterrichten und dadurch die eine oder andere Frage
auftauchte, hatten wir an diesem Wochenende Gelegenheit
diese loszuwerden. Anhand theoretischer und praktischer
Ausführungen brachte uns Sifu Gabi Fischer-Lind die
Bedeutung, die Prinzipien und den Charakter des
Taijiquan näher. Wir besprachen, auf was es im Aufbau
der Trainingsstunden ankommt und wie man sie in die
Praxis umsetzen kann.
Sie gab uns viele Impulse und Ideen, die es jetzt heißt
umzusetzen. Wir versuchten dies auch gleich selber. Denn
nach dem reinen lernen des Ablaufes einer Form ist es ja
nicht zu ende, da fängt die Übung ja erstmal richtig an.
Wir versuchten das eine oder andere Prinzip in der Form
umzusetzen. Indem wir die Aufmerksamkeit mal nur auf die
Schultern oder den Kreuzbein/Steißbein- Bereich
richteten. Wir nahmen uns viel Zeit, um diese kleinen
Unterschiede in der Bewegung fühlen zu können. Meine
große Schwachstelle ist der untere Rücken und ich habe
diesmal für mich viel klarer fühlen können, das zum
Beispiel das Sinken lassen des Kreuzbeins, kein
bewusstes nach unten drücken ist, sondern das dass
Sinken von innen kommen muss, das es ein loslassen ist
und dadurch auch die Wirbelsäule die Möglichkeit hat
sich aufzurichten, damit der Weg freigemacht wird für
das Qi, welches dann nach oben steigen kann und den Kopf
anhebt.Wieder ein Prinzip des Taijiquan. Aber um sich
darin zu üben, ist ein automatisierter Ablauf einer Form
eben eine gute Voraussetzung.
Das Thema“Etikette“war ein weitere wichtiger Punkt.
Viele Dinge tut man einfach, weil sie alle machen. Man
hinterfragt sie nicht und macht sich keine Gedanken
darüber oder zumindest wenige. Was sicher nicht immer
falsch ist, aber ab und zu helfen Hintergrundinfos,
manches mit anderen Augen zu sehen und dem entsprechend
die Aufmerksamkeit zu lenken. Wie zum Beispiel ganz
banal bei der Verbeugung. Egal in welcher Kunst, hält
man die Hände in einer bestimmten Position und verbeugt
sich, entweder vor dem Übungsraum, dem Lehrer, eines
Mitübenden oder auch wenn man alleine übt, vor sich
selbst. Aber warum das? Zum Beispiel, das man sich beim
Betreten des Dojos mal bewusst macht, das dieser Raum in
dem ich jetzt üben möchte ein besonderer Raum ist, was
nichts mit den Räumlichkeiten an sich zu tun hat. Das
ich den Alltag jetzt draußen lasse und nur für meine
Kunst da bin. Das ich mit einer Verbeugung die Achtung
vor der Kunst, Respekt vor dem Lehrer oder dem
Mitübenden und auch demjenigen gegenüberbringe, der die
Kunst entwickelt hat. Aber das es auch bedeutet, Achtung
vor den eigenen Grenzen zu haben und uns als Teil von
einem Ganzen und nicht als das Ganze zu sehen.
Viele dieser kleinen Riten, wie zum Beispiel auch das
Putzen nach dem Üben, haben nichts mit Strafarbeit zu
tun. Auch hier geht es um ein inneres Wachsen und klären
und sich von Emotionen lösen und frei machen.
Die
Zeit ging wieder viel zu schnell vorbei.
Es war eine angenehme Atmosphäre in der Gruppe, die ich
sehr wichtig finde, gerade wenn man so viel still übt.
Ich möchte an dieser Stelle Sifu Gabi Fischer-Lind für
das Vorbereitungsintensive Wochenende danken. Ich fahre
jedesmal mit sehr viel Motivation und einem
vollgesogenem Hirn wieder nach Hause. Ach wenn es nicht
immer gleich gelingt alles so umzusetzen. Aber
bekanntlich ist ja auch der Weg das Ziel. Vielen Dank
auch an meine Übungspartner, für ein offenes
miteinander.
Und
natürlich auch ein Dank an die Köchinen aus dem Osten,
die hoffentlich auch wieder gut zu Hause angekommen
sind.
Bis zum nächsten Mal!
Madeleine Warken-Jugl
Kampfkunstzentrum Weil am Rhein
Es
ändert sich – in mir.
Zur Anreise
nach Bensheim gehörte dieses mal schon etwas Mut, wenn
man den Wetterprognosen glauben schenken wollte.
Allerdings meldete uns der ADAC am Freitagnachmittag
freie Fahrt und so reisten Ute und ich am 29. Januar
guten Gewissens Richtung Hessen … ja, und wir erreichten
den Budokan nach überraschend zügiger Fahrt. Es war
unser Glück und auch das der anderen Seminarteilnehmer,
denn wie erahnt, erwartete uns Gabi mit einem
Übungsprogramm der „essentiellen“ Art.
Es standen weder neue Formen, Schritte noch sonst welche
Techniken auf dem Programm. Vielmehr ging es um
Etikette, Prinzipien, Regeln und Hintergründe des
Taijiquan, die uns Gabi Fischer-Lind einmal mehr an
diesem Wochenende mit auf den Weg geben wollte.
Taijiquan üben und verstehen und üben und verstehen und
wieder … Dinge, die man schon viele Male gehört hat und
wieder werden sie erläutert und wieder hört man alles
anders, intensiver, neu. Es ändert sich der individuelle
Blickwinkel. Es ändert sich das Gefühl bei der Übung. Es
ändert sich die Aufmerksamkeit. Es ändert sich das
Verständnis. So viele Dinge geraten in Bewegung, wenn
man sich darauf einlässt, wenn man mitmacht, wenn man
dabei bleibt, wenn man selbst macht … die so
einfühlsame, durchdringende, gewissenhafte, klare und
konsequente Art des Unterrichtens gibt uns bei jedem
gemeinsamen Üben mit Gabi Fischer-Lind Kraft, Mut und
Schub auf unserem Weg. Die Freude darüber ist groß und
so wird die nächste Übung bei uns zu Hause, im 550 km
entfernten Furyukan, erfüllt sein von der Intensität des
vergangenen Wochenendes.
Irina Felber
Furyu Königsbrück |